Gericht verhandelt Schmerzensgeldklagen gegen Bistum Aachen

Kenntnis über Missbrauchstaten

An einem Tag befasst sich das Landgericht Aachen mit den Klagen von drei Männern, die als Minderjährige von Priestern missbraucht worden sein sollen. Sie verlangen hohe Schmerzensgelder vom Bistum Aachen.

Akten in einem Archiv / © Julia Steinbrecht (KNA)
Akten in einem Archiv / © Julia Steinbrecht ( KNA )

In den hintereinander folgenden Zivilprozessen am 14. Mai geht es um Schmerzensgeldansprüche gegen die katholische Diözese im Zuge der Amtshaftung. Einen entsprechenden Bericht der "Aachener Zeitung" bestätigte eine Gerichtssprecherin am Dienstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Forderungen belaufen sich auf über 800.000 Euro

Demnach geht es um drei Männer, die in ihrer Kindheit und Jugend von Priestern missbraucht worden sein sollen. Ein in der Region Aachen wohnender Betroffener fordere 680.000 Euro. Im kirchlichen System der Zahlungen in Anerkennung des Leids habe er 80.000 Euro sowie 7.500 Euro für Psychotherapiekosten erhalten. 

Kreuzgang am Aachener Dom / © Julia Steinbrecht (KNA)
Kreuzgang am Aachener Dom / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Ein anderer Betroffener aus Nettetal, der von der Kirche bislang 10.000 Euro erhalten habe, fordere 180.000 Euro Schmerzensgeld. Über die Klage des dritten Opfers gebe es keine Informationen.

Kenntnis über Missbrauchstaten

Die Kläger begründen ihre Ansprüche gegen das Bistum damit, dass es von den Missbrauchstaten gewusst, aber nichts dagegen unternommen habe. Im Fall des Betroffenen aus Nettetal hatte die Diözese die Einrede der Verjährung geltend gemacht. Zugleich bot es dem Mann ein gerichtliches Mediationsverfahren an. 

Der Aachener Bischof Helmut Dieser legt Wert darauf, dass sich Betroffene und Bistum nicht untereinander, sondern vor einer neutralen Instanz einigen. Einem Mediationsverfahren müsste aber zunächst das Gericht und dann auch der Kläger zustimmen.

Kirche will Missbrauchsfälle auch mit Politik aufarbeiten

Die katholische Kirche in Deutschland will ihre Missbrauchsaufarbeitung verbessern - auch mit Hilfe der Politik. Der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Helmut Dieser, warb für eine politische Beteiligung am geplanten Expertenrat. Auch eine Mitwirkung von Vertretern von Parteien oder Parlamenten sei denkbar: "Wir haben da keine Ablehnung, sondern wir sind offen dafür, darüber genau nachzudenken."

Symbolbild Missbrauch in der Kirche / © udra11 (shutterstock)
Symbolbild Missbrauch in der Kirche / © udra11 ( shutterstock )
Quelle:
KNA