Gerhard Richter entwirft Fenster für ältestes deutsches Kloster

Kölner Künstler "sehr überrascht" über erstes Chorfenster für Abtei in Tholey

"Ich bin sicher, die Welt wird auf Tholey schauen", sagte Abt Mauritius Choriol über die Gestaltung der Kirchenfenster mit Entwürfen von Gerhard Richter. Die Präsentation des ersten Fensters hat den Künstler beeindruckt.

Blick auf die Benediktinerabtei Tholey / © Julia Steinbrecht (KNA)
Blick auf die Benediktinerabtei Tholey / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Der Kölner Künstler Gerhard Richter (88) hat der ältesten deutschen Abtei in Tholey im Saarland Entwürfe für drei Chorfenster der Klosterkirche geschenkt. Am Freitag wurde das noch nicht ganz vollständige erste Fenster im Atelier der Bayerischen Hofglasmalerei Gustav van Treeck in München vorgestellt. In einer verlesenen E-Mail äußerte sich Richter "sehr überrascht", wie meisterhaft die Verwandlung seines kleinen Vorbildes in die riesigen Maße des Fensters gelungen sei.

Rot, Blau und Gelb dominieren

Die Chorfenster sind jeweils über neun Meter hoch und fast zwei Meter breit. Sie basieren auf einem abstrakten Gemälde Richters, das er ab 2009 mehrfach digital bearbeitete. Kaleidoskopartig gespiegelte Muster in den Farben rot, blau und gelb dominieren den Eindruck.

Die Klosterkirche der Benediktinerabtei Sankt Mauritius wird derzeit generalsaniert und soll im September wiedereröffnet werden. Zu den Kosten gab es keine Auskünfte. Für sie kommt außer dem zwölf Mönche zählenden Konvent eine Saarbrücker Stifterfamilie auf. Wegen der Prominenz Richters rechnet die Abtei bereits im ersten Jahr mit 100.000 Besuchern.

Abtei rechnet mit vielen Besuchern

"Ich bin sicher, die Welt wird auf Tholey schauen", sagte Abt Mauritius Choriol. Richter sei "der bedeutendste lebende Künstler der Welt". Die Fenster sollten ihren Betrachtern Gelegenheit zur Reflexion und zur Entdeckung der Schönheit christlichen Glaubens geben. "Wir wollen die Leute mit allen Sinnen, allen Möglichkeiten, die wir haben, ansprechen", fügte er hinzu und deutete an, dass die Kirche in ihrer Verkündigung vielleicht zu lange auf den Intellekt gesetzt habe.

34 weitere, figürlich gehaltene Fenster gestaltet für die Abteikirche die aus Afghanistan stammende und in München lebende Künstlerin Mahbuba Maqsoodi (62). Sie setzt ein Bildprogramm zu Geschichten aus dem Alten und Neuen Testament sowie dem Leben von Heiligen um, die mit dem Kloster in Verbindung stehen. Dazu kommen Szenen aus der Gründungsgeschichte der Abtei.

Ältesten deutschen Abtei

Die Abtei Tholey wurde erstmals 634 urkundlich erwähnt. Ihre Kirche ist frühgotischen Ursprungs. Nach der Aufhebung des Klosters während der Französischen Revolution wurden etliche Gebäude abgerissen, die Kirche indes weiter als Pfarrkirche genutzt. 1949 wurde das Kloster von Benediktinern wiederbesiedelt, 2018 erwarb die Abtei das Gotteshaus zurück.

Quelle:
KNA
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