Generalsekretärin der Bischöfe setzt auf Veränderungen

"Kirche kann nur in und mit der Welt leben"

Die Generalsekretärin der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Beate Gilles, betont die Notwendigkeit von Veränderungen in der Kirche. Der Weg zu Reformen und Erneuerungen sei "unumkehrbar", so Gilles.

Beate Gilles / © Harald Oppitz (KNA)
Beate Gilles / © Harald Oppitz ( KNA )

"Die von den Bischöfen in Auftrag gegebene MHG-Studie über die möglichen systemischen Faktoren der Missbrauchstaten hat dazu geführt, dass der Weg zu Reformen und Erneuerungen unumkehrbar ist", sagte die Generalsekretärin der katholischen Deutschen Bischofskonferenz dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Samstag) vor der Montag beginnenden Frühjahrsvollversammlung der deutschen Bischöfe.

Leben auch in seinen Brüchen wahrzunehmen

"Die katholische Kirche kann nur in und mit der Welt leben", betonte Gilles. Mit Blick auf das katholische Eheverständnis sagte sie: "Es ist nicht falsch, ein Ideal zu formulieren. Aber die große Kunst ist es, das Ideal mit dem ganzen Leben in Einklang zu bringen und das Leben auch in seinen Brüchen wahrzunehmen. Christus hat seine wichtigste Stunde am Kreuz und nicht in seinen wunderbaren Predigten."

Beate Gilles, Generalsekretärin der katholischen Deutschen Bischofskonferenz

"Die große Kunst ist es, das Ideal mit dem ganzen Leben in Einklang zu bringen und das Leben auch in seinen Brüchen wahrzunehmen."

Konkret sprach sich die Generalsekretärin für eine stärkere Rolle von Frauen in der katholischen Kirche aus. "Ich fand es immer traurig, wenn Frauen in die evangelische Kirche konvertierten, um ihrer Berufung folgen zu können und Pfarrerin geworden sind", sagte sie und fügte hinzu: "Ich kenne auch viele Ordensschwestern, die die Berufung zur Priesterin spüren. Es sind Berufungen Gottes - und es gilt, sie ernst zu nehmen und ihnen Entfaltungsraum zu geben." Das sei für Frauen als Pastoralreferentinnen oder Gemeindereferentinnen möglich.

In Kürze: Deutsche Bischofskonferenz

Die Deutsche Bischofskonferenz ist der Zusammenschluss der katholischen Bischöfe in Deutschland. Sie leiten als Ortsbischöfe eine der 27 Diözesen oder helfen als Weihbischöfe. Ebenfalls zur Konferenz gehören - auch wenn sie nicht Bischöfe sind - Diözesanadministratoren, die ein Bistum nach Rücktritt oder Tod eines Ortsbischofs übergangsweise verwalten; dies ist derzeit nicht der Fall.

Deutsche Bischöfe vor dem Eröffnungsgottesdienst der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) am 2. März 2020 im Mainzer Dom / © Harald Oppitz (KNA)

Ausschluss von Frauen – "ein Verlust"

Papst Johannes Paul II. habe in den 1990er-Jahren gesagt, er sei nicht ermächtigt, Frauen zu Priesterinnen zu weihen, so Gilles weiter. "Es ist ein Zeichen, dass diese Diskussion nicht versiegte. Die Möglichkeit von Frauen zu predigen bereichert die Kirche. Gegenwärtig sind sie bei der Eucharistiefeier am Sonntag von diesem Dienst ausgeschlossen. Das ist ein Verlust."

 

Beate Gilles, Generalsekretärin der katholischen Deutschen Bischofskonferenz

"Ich selbst bin im Laufe meines Lebens zur Verfechterin einer Quote geworden."

Die Generalsekretärin, die im vergangenen Jahr als erste Frau in dieses Amt gewählt worden war, forderte, den Anteil von Frauen in Führungspositionen zu erhöhen. "Ich selbst bin im Laufe meines Lebens zur Verfechterin einer Quote geworden. Es braucht Standards, es braucht den aktiven Willen zu sagen, was man möchte", so Gilles.

Von ihrer Rolle als "Symbol" in diesem Zusammenhang, wolle sie sich nicht erdrücken lassen. "Niemals würde eine Frau einen Posten erhalten, ohne dafür qualifiziert zu sein. Ich finde es gut, wenn Institutionen entsprechende Signale setzen."

Missbrauch in Kirche konsequent aufarbeiten

Zu einer transparenten und konsequenten Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche gibt es nach Gilles keine Alternativen. Jedes dieser Vergehen sei ein Verbrechen.

"Für mich war der Gedanke, dass ein Priester Kinder missbraucht, einfach unvorstellbar", so Gilles. "Diese Taten sind entsetzlich. Mir war sexualisierte Gewalt in der Kirche zuvor - insbesondere die systemischen Zusammenhänge - in dieser Weise nicht begegnet."

"Wir müssen die Türen aufmachen"

Wörtlich fügte die Generalsekretärin der Bischofskonferenz hinzu: "Mit Blick auf die Kirche bewegt mich, dass Kinder noch dafür Gewalt erfuhren, dass sie über ihr Martyrium sprachen - denn über einen Priester sage man so etwas doch nicht. Meine Urgroßmutter soll immer mal gesagt haben: 'Die Tür zur Sakristei lass lieber zu, guck da nicht rein.' Ich kann sie nicht mehr fragen, was sie damit meinte. Mir ist jedoch klar, dass wir die Türen aufmachen müssen, damit es alle sehen und niemand verschämt wegschaut."

Quelle:
KNA
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