Gemeinsam demonstrieren sie gegen den Bau der Trennanlagen und den Abriss von Häusern. Die Aktivisten sind immer dort, wo Israelis und Palästinenser aneinandergeraten könnten. Sie wirken als Puffer zwischen den Fronten, helfen beim Wiederaufbau von Wohnraum und bei der Olivenernte, die in diesen Tagen zu Ende geht.
Für die Bauern von Bil"in ist die Ernte ihrer Oliven mühsam. Von sieben Uhr morgens bis zum Mittag musste Omar el Khatib diese Woche an dem Zaun warten, der sein Land von der im Westjordanland gelegenen israelischen Siedlung Modeein Elit trennt. Dann erst schloss die Armee ihm das Tor auf. "An normalen Tagen wird das Tor um vier wieder abgeschlossen", erklärt El Khatib. Wegen der Verspätung am Morgen lassen ihn die Soldaten etwas länger auf seinem Land arbeiten.
Wie viele andere Bauern bekommt El Khatib Hilfe von linken Israelis und jungen Ausländer, Friedensaktivisten und Anarchisten. Der 80-jährige Yehoshua Rosin etwa, dessen Eltern einst aus dem deutschen Nordheim vor den Nazis nach Israel flüchteten, ist seit den späten 70er Jahren um das friedliche Zusammenleben mit seinen palästinensischen Nachbarn bemüht. Ein paar Hundert Aktivisten seien sie noch insgesamt, sagt er.
Keine Auseinandersetzungen
Bei der Olivenernte übernehmen die "Rabbiner für Menschenrechte" die Verteilung der freiwilligen Helfer auf die verschiedenen Dörfer und den Transport zu den Hainen. Rabbi Yehiel Grenimann hofft, dass allein die Anwesenheit der Israelis und Ausländer die Soldaten sanfter werden lässt und die Siedler weniger aggressiv. Die Zahl der Übergriffe von Seiten radikaler Siedler im Westjordanland ist seit Anfang des Jahres stark gestiegen. Im Durchschnitt kommt es jeden dritten Tag zu Vandalismus, manchmal sogar zu körperlichen Angriffen. Bis heute hat es nicht eine einzige Verhaftung gegeben.
In der Siedlung Modeein Elit leben ultraorthodoxen Juden. Zu Auseinandersetzungen kommt es in dieser Gegend nicht. "Ich glaube nicht, dass sich die Leute überhaupt darüber bewusst sind, dass hier Olivenbäume stehen, und dass es hier Probleme für die Bauern gibt", sagt Grenimann. "Sie interessieren sich schlicht nicht dafür."
Das nahe gelegene Dorf Bil"in ist das erste im Westjordanland, das sich offiziell von der Gewalt abkehrte und damit schnell zum Anziehungspunkt für die israelischen "Anarchisten gegen die Mauer" und die "Internationale Solidaritätsbewegung" wurde. Mit ihren friedlichen Demonstrationen und mit Prozessen vor dem Obersten Gericht in Jerusalem haben die Dorfbewohner einen Teil des annektierten Landes zurückgewinnen können.
"Weder Siedler noch Soldat"
Modeein Elit ist schon heute die größte israelische Siedlung im Westjordanland, und sie wächst schneller als jede andere. Die Häuser reichen bis auf wenige Meter an die Bäume. "Dort, wo ich als junger Mann Felder bestellt habe, leben heute die Religiösen, da sind Kindergärten und Hochhäuser," sagt Omar el Khatib.
Seine noch verbliebenen Bäume sind in schlechtem Zustand. Die Bauern dürfen nur während des Erntemonats auf ihr Land, nur in Absprache mit der Armee und mit Sondergenehmigung. Zur Pflege der Bäume gehört regelmäßiges Beschneiden, außerdem müsste das Unkraut rings um die Wurzeln entfernt werden.
Kaum einen Eimer voll hat El Khatib gepflückt, als die Soldaten das Tor hinter ihm schließen. Für den Friedensaktivisten Rosin war es trotzdem ein sinnvoller Einsatz. "Wir wollen zeigen, dass es noch einen anderen Israeli gibt", sagt er, "einen, der nicht aggressiv ist, weder Siedler noch Soldat".
Gemeinsame Initiative der Religionen im Westjordanland
Oliven pflücken für den Frieden
Die Olivenernte ist für die Bauern von Bil'in fast zu Ende. Erst nach langem Warten an den Trennzäunen können sie täglich ihre Haine betreten. Bei der Ernte werden sie von Friedenaktivisten aus aller Welt unterstützt. Muslime, Juden, Christen und manchmal sogar Buddhisten treffen sich unter den Olivenbäumen im Westjordanland.
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