Das Gebetsanliegen des Papstes für den Juli

Gemeinsam nach der Wahrheit suchen

Der Papst betet im Juli dafür, "dass wir in sozialen, ökonomischen und politischen Konfliktsituationen, mutig und leidenschaftlich am Aufbau von Dialog und Freundschaft mitwirken".

Papst Franziskus betet / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Papst Franziskus betet / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

Wo Menschen sind, gibt es Konflikte. Diese können fruchtbar, aber auch zerstörerisch sein. Papst Franziskus lädt in seiner Gebetsmeinung für den Juli dazu ein, Konflikte durch Dialog und soziale Freundschaft zu überwinden.

Konflikte in der Bibel

Die Bibel ist voll von Konfliktgeschichten: angefangen mit dem Bruderkrieg zwischen Kain und Abel über die Anfeindungen, auf die die Propheten gestoßen sind bis zu den Konflikten, die Jesus mit den politischen und religiösen Autoritäten seiner Zeit auszufechten hatte. Von Jesus lässt sich auch viel für eine Konfliktkultur lernen.

In seiner Auseinandersetzung mit der Heuchelei der Pharisäer und der Schriftgelehrten konnte er provokativ zuspitzen: "Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr seid wie die Gräber, die außen weiß angestrichen sind und schön aussehen; innen aber sind sie voll Knochen, Schmutz und Verwesung." In anderen Situationen reagierte er auf Anklagen und Anfeindungen mit Schweigen. Über allem steht sein Gebot der Feindesliebe.

Menschliche Wirklichkeit und Konflikte

Auch für Papst Franziskus ist die menschliche Wirklichkeit von Konflikten geprägt. Er unterscheidet zwischen verschiedenen Arten von Konflikten. Bei sozialen Konflikten geht es um Selbstbehauptung und verletzte Eitelkeiten, bei ökonomischen Konflikten um Besitz oder Erbstreitigkeiten, bei politischen Konflikten um unterschiedliche Weltanschauungen und Parteizugehörigkeiten.

In seiner Enzyklika "Fratelli tutti" über die Geschwisterlichkeit und die soziale Freundschaft schlägt er Wege der Konfliktbewältigung vor. Dabei ist er inspiriert von einer Regel aus den Exerzitien des heiligen Ignatius von Loyola: "Jeder gute Christ muss bereitwilliger sein, die Aussage des Nächsten zu retten, als sie zu verurteilen; und wenn er sie nicht retten kann, erkundige er sich, wie jener sie versteht; und versteht jener sie schlecht, so verbessere er ihn mit Liebe; und wenn das nicht genügt, suche er alle angebrachten Mittel, damit jener, indem er sie gut versteht, gerettet werde."

Diese wenigen Sätze enthalten eine ganze Schule der Kommunikation. Voraussetzung für einen gelingenden Dialog ist ein Sympathie- und Vertrauensvorschuss. Auch wenn ich mit der Position des anderen überhaupt nicht einverstanden bin, so lohnt es, zuzuhören und nach einem besseren Verständnis zu suchen. Niemand ist im Alleinbesitz der Wahrheit.

Dialog und Fruchtbarkeit von Konflikten

In wissenschaftlichen Auseinandersetzungen im Mittelalter gab es die Regel, die Argumente des Gegners möglichst genau zu wiederholen, bevor der Kontrahent dagegen argumentierte. Auch wenn grundlegende Meinungsunterschiede bleiben, so soll ich dem anderen mit Liebe begegnen und nicht versuchen, ihn niederzumachen.

Das gesamte sechste Kapitel von "Fratelli tutti" ist dem Thema des Dialogs und der sozialen Freundschaft gewidmet. Dialog heißt "aufeinander zugehen, sich äußern, einander zuhören, sich anschauen, sich kennenlernen, versuchen, einander zu verstehen, nach Berührungspunkten suchen". Dialog heißt, gemeinsam nach der Wahrheit zu suchen. Das setzt voraus, dass keiner der Dialogpartner diese schon im voraus umfassend kennt: "Wir können gemeinsam die Wahrheit im Dialog suchen, im ruhigen Gespräch oder in der leidenschaftlichen Diskussion. Es ist ein Weg, der Ausdauer braucht und auch vom Schweigen und Leiden geprägt ist."

Im Letzten ist Papst Franziskus von der Fruchtbarkeit von Konflikten überzeugt. Dazu zitiert er den brasilianischen Samba-Sänger Vinicios de Moraes mit der Liedzeile: "Das Leben ist die Kunst der Begegnung, auch wenn es so viele Auseinandersetzungen im Leben gibt."

Autor/in:
Martin Maier SJ
Quelle:
KNA
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