Gemeinde reagiert auf Missbrauchsgutachten

Sonntagsgottesdienste ausgesetzt

Die katholische Gemeinde Maria Geburt im unterfränkischen Aschaffenburg setzt als Konsequenz aus dem Missbrauchsskandal für die kommenden drei Wochen ihre Sonntagsgottesdienste aus.

Messdiener im Gebet / © Lars Berg (KNA)
Messdiener im Gebet / © Lars Berg ( KNA )

"Denn der 12-jährige Skandal ist ein Verrat am Wort GOTTES und der auf IHN verweisenden Sakramente", heißt es in einem auf der Homepage der Gemeinde veröffentlichten Brief an den Würzburger Bischof Franz Jung.

Bischof Franz Jung / © Julia Steinbrecht (KNA)
Bischof Franz Jung / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Stattdessen wolle man an den Sonntagen Erzählungen von Betroffenen hören, aus dem Münchner Missbrauchsgutachen lesen, "schweigen in der Gegenwart Gottes".

Geldsammlung für DBK-Betroffenenbeirat

Zudem soll Geld für den Betroffenenbeirat der Deutschen Bischofskonferenz gesammelt werden. Nicht nur das unsägliche Leid schockiere, das so viele Menschen durch Priester, Bischöfe und Generalvikare erfahren hätten, so die Gemeinde weiter. "Was uns besonders erschüttert, ist der Verrat an Opfern, am Evangelium und eigener Verantwortung."

Appell an deutsche Bischöfe

Auch ist in dem Brief von einem Mangel an Einsicht und Handeln die Rede. Man wolle das "unerträgliche 'Weiter so' wenigstens punktuell" unterbrechen. Der Brief ist unter anderen auch von Pfarrer Markus Krauth unterschrieben.

An die Bischöfe appellieren die Verantwortlichen in der Gemeinde, "die kostspieligen Gutachten über Verstorbene zu beenden, das Geld Betroffenen zukommen zu lassen und die Aufarbeitung außerkirchlichen Stellen zu übergeben".

Deutsche Bischöfe / © Julia Steinbrecht (KNA)
Deutsche Bischöfe / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Zudem gelte es, die Kirche der Angst zu beenden, indem Bischöfe und Generalvikare sofort ihren queeren Mitarbeitern zusicherten, keine Kündigungen wegen ihrer Sexualität zu erhalten. Dies hatte bereits der Würzburger Generalvikar Jürgen Vorndran als Reaktion auf die Initiative "OutInChurch" getan.

Missbrauchsgutachten: Schwere Vorwürfe gegen Benedikt XVI. und Kardinal Marx

Das lange erwartete Missbrauchsgutachten für das Erzbistum München-Freising belastet amtierende und frühere Amtsträger schwer, darunter auch den emeritierten Papst Benedikt XVI.

Joseph Ratzinger habe sich in seiner Amtszeit als Münchner Erzbischof (1977-1982) in vier Fällen fehlerhaft verhalten, heißt es in der am Donnerstag in München vorgestellten Untersuchung der Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW). Erzbischof Kardinal Reinhard Marx, werfen die Anwälte unter anderem vor, sich nicht ausreichend um Fälle sexuellen Missbrauchs gekümmert zu haben.

Münchner Missbrauchsgutachten / © Sven Hoppe/DPA-Pool (KNA)
Quelle:
KNA