Rottenburger Bischof legt Maßnahmenbündel vor

Fürst fördert Frauen

Die Frauenfrage in der katholischen Kirche hat sich zu einem Dauerkonfliktthema entwickelt. Rottenburgs Bischof Gebhard Fürst reagiert nun und strebt konkrete Änderungen an. Er verweist dabei aber auch auf die Bedeutung der Weltkirche.

Bischof Gebhard Fürst / © Julia Steinbrecht (KNA)
Bischof Gebhard Fürst / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Der Rottenburger Bischof Gebhard Fürst hat ein ganzes Bündel von Maßnahmen vorgeschlagen, um Frauen in der katholischen Kirche mehr Rechte zu geben: Überprüft werden soll, ob Laientheologen, unter denen es Frauen und Männer gibt, künftig taufen und Gemeinden leiten dürfen.

Zudem soll der Anteil weiblicher Führungskräfte in der Diözesanverwaltung erhöht werden. Und Fürst erneuerte seine Zusage, sich für das Diakonat der Frau einsetzen, wenngleich er hierfür eine weltweite Regelung für notwendig hält. Im Grundsatz will Fürst für Frauen kirchenrechtlich das umsetzen, was er auf Ebene seines Bistums realisieren kann.

Zwist mit Rahner beigelegt

Das gab er den rund 200 Teilnehmenden eines Frauenforums jetzt schriftlich bekannt. Die Veranstaltung Mitte April hatte vor allem wegen einer Äußerung der Tübinger Theologieprofessorin Johanna Rahner weit über Württemberg hinaus Schlagzeilen gemacht. Sie hatte damals erklärt, wer nicht für die Gleichberechtigung von Frauen in der Kirche eintrete, sei "ein Rassist".

Es folgte ein längerer, öffentlich ausgetragener Zwist mit dem Passauer Bischof Stefan Oster, der zwischenzeitlich mit einer gemeinsamen Erklärung beigelegt wurde.

Allerdings war Rahner bei der Online-Veranstaltung nicht die Einzige, die sich rasche und grundsätzliche Veränderungen wünschte. Über Stunden hörte sich Fürst bei der vom Bistum veranstalteten Tagung weibliche Erfahrungen von Wut, Ohnmacht und Frustration an, die nicht nur im Südwesten immer ungebremster und ungefilterter formuliert werden. Die Zeit des Redens sei vorbei, so der allgemeine Tenor.

Den auch die teilnehmenden Männer teilten: Generalvikar Clemens Stroppel ist es leid, sich "jeden Tag an diesem Thema abarbeiten zu müssen". Die Verkündigung des Glaubens stehe in Frage. Die Weihbischöfe Matthäus Karrer und Gerhard Schneider äußerten sich ähnlich. Diözesanratsprecher Johannes Warmbrunn sprach von "Gestaltungsmöglichkeiten" und formulierte den Grundsatz: einfach machen, das Kirchenrecht "bis an die Schmerzgrenze ausreizen". Es dürfe nicht zum Auszug aller reformorientierten Christen aus ihrer Kirche kommen.

Kein Schnellschuss

Fürst äußerte sich zunächst zurückhaltend, wollte den Eindruck der gesamten Veranstaltung offenbar zunächst sacken lassen und keinen Schnellschuss abfeuern. In seinem Schreiben erklärt er nun, die Fragen des Frauenforums trieben auch Männer um, die wünschten, dass sich Frauen weiterhin in der Kirche beheimatet fühlen könnten:

"Erneut habe ich gespürt, welch tiefen Schmerz viele Frauen empfinden, weil sie sich in ihrer Berufung nicht ernst genommen fühlen", so Fürst. Er bat um Verzeihung, wenn er selbst diesen Eindruck erweckt habe.

Damit reagierte Fürst auf Wortmeldungen und Chatbeiträge beim Frauenforum, die sich teils ungehalten geäußert und unmittelbar Neuerungen eingefordert hatten. Dazu der Bischof: "Ich habe mir die Beiträge des Frauenforums zu Herzen genommen, ebenso wie die Erwartungen der Aktion Maria 2.0." Der Bischof will sich auch bald mit Frauen treffen, die sich zur Diakonin oder Priesterin berufen fühlten. "Den Handlungsdruck, zu neuen Regelungen zu kommen, spüren wir alle."

Autor/in:
Michael Jacquemain
Quelle:
KNA
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