Katholische Kirche startet Vermittlungsversuch in Bolivien

Für Frieden sorgen

In Bolivien spitzt sich die Lage zu. Die Zusammenstöße zwischen Anhängern von Evo Morales, der Polizei und dem Militär mehren sich. Nun versucht die katholische Kirche zwischen den Parteien zu vermitteln. Das gestaltet sich schwierig.

Anhänger von Morales sitzen vor Absperrung der Polizei (dpa)
Anhänger von Morales sitzen vor Absperrung der Polizei / ( dpa )

DOMRADIO.DE: Wer steht sich bei den aktuellen Zusammenstößen gegenüber?

Dr. Mariela Vargas (Bolivien-Referentin bei Adveniat): Die letzten Zusammenstöße fanden in Sacaba statt, was sich in der Nähe von Cochabamba befindet. Dort kämpft eine Gruppe von Koka-Bauern, Anhänger von Evo Morales, gegen die Polizei und das Militär.

DOMRADIO.DE: Der Erzbischof von Cochabamba hat sich in diesem Konflikt zu Wort gemeldet. Was genau hat er gesagt?

Vargas: Nicht nur der Erzbischof von Cochabamba, Oscar Omar Aparicio Céspedes, hat sich zu Wort gemeldet. Auch die gesamte Leitung der Bischofskonferenz hat sich in den vergangenen Tagen mehrfach geäußert. Auf der einen Seite sprechen sie sich gegen die exzessive Gewaltanwendung der Sicherheitskräfte aus.

Auf der anderen Seite fordern sie aber auch die Verantwortlichen der sozialen Bewegungen dazu auf, für einen friedlichen Ablauf der Proteste zu sorgen. Das ist allerdings derzeit sehr schwierig.

DOMRADIO.DE: Wie muss man sich das vorstellen? Die Kirche sagt, dass sie gegen Gewaltanwendung sei. Aber was passiert dann?

Vargas: Die katholische Kirche hat sich als Vermittler angeboten. Allerdings konnte dieser Dialog nicht stattfinden, da die Vertreter der Movimiento al Socialismo (MAS), die Bewegung von Evo Morales, nicht erschienen sind.

DOMRADIO.DE: Das heißt, die katholische Kirche will Frieden vermitteln. Allerdings findet kein Austausch mit den Menschen, von denen auch Gewalt ausgeht, statt. Ist das Thema damit beendet?

Vargas: Nein, wir hoffen nicht. Die Bischofskonferenz möchte zusammen mit den Vereinten Nationen, der EU, der Übergangsregierung, Vertretern der Opposition und auch der Zivilgesellschaft diesen Dialog gestalten. Ich glaube, sie bestehen darauf, dass es friedliche Neuwahlen gibt und eine neue unabhängige Wahlbehörde gegründet wird.

DOMRADIO.DE: Das heißt, die Kirche hat sich Verbündete gesucht?

Vargas: Ja genau. Es geht in erster Linie darum, für Frieden im Land zu sorgen.

DOMRADIO.DE: Was für einen Einfluss haben die Kirchen in Bolivien? Wie erfolgversprechend ist es, wenn die Oberhäupter zu Frieden aufrufen?

Vargas: Die katholische Kirche ist schon eine der wichtigsten Stimmen im Land, welches sehr religiös ist. Ganz unproblematisch ist das allerdings nicht. Denn die Anhänger von Evo Morales identifizieren sich eher mit der Pachamama und indigenen Ritualen. Diese Punkte gestalten die Situation eher kompliziert.

Ich denke, dass die Kirche trotzdem noch ein großes Ansehen genießt. Es ist wichtig, dass sie für faire Wahlen plädiert, denn die Stimme der Kirche wird gehört. Es wird sich zeigen, ob es erfolgreich sein wird.

Außerdem wird es schwierig, eine Regierung zu finden, hinter der alle im Land stehen. Auf der einen Seite gibt es die weiße Minderheit im Flachland um Santa Cruz. Hier kann man die wirtschaftliche Macht verorten. Auf der anderen Seite steht die indigene Mehrheit der Bevölkerung im Hochland, in den Anden, die wiederum politisch dominant ist. Dadurch entstehen Spannungen im Land, die nicht allein von der Kirche gelöst werden können, da es sich um strukturelle Probleme handelt.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.


Quelle:
DR