Essener Seelsorger verteilen Päckchen für den "Urlaub plus"

Für alle ohne Urlaubsreisen

Wegbegleiter, Trostpflaster oder einfach mal eine kleine Anregung: die "UrlaubPlus"-Päckchen des Bistums Essen. Enthalten sind Überraschungen in mehrfacher Hinsicht, berichtet Cityseelsorger Bernd Wolharn.

Urlaub-Plus-Päckchen hat das Bistum Essen verteilt / © Oliver Müller (Bistum Essen)
Urlaub-Plus-Päckchen hat das Bistum Essen verteilt / © Oliver Müller ( Bistum Essen )

DOMRADIO.DE: Die "UrlaubPlus"-Päckchen sehen auf den ersten Blick aus wie Erste-Hilfe-Köfferchen. Was ist da drin?

Bernd Wolharn (Cityseelsorger in der Essener Innenstadt): Da sind viele schöne kleine Sachen drin: Wassereis, Sand, Brausepulver, ein Foto, vor allen Dingen ein Smiley für die gute Laune, ein kleiner Schirm, damit wir gut behütet durch diese Zeit kommen... Ganz viele kleine Gegenstände, bei denen man vielleicht überrascht ist, dass die überhaupt von Kirche verschenkt werden. Aber wir glauben, das hat was mit unserem lieben Gott zu tun und der Zeit, die vor uns liegt.

DOMRADIO.DE: Warum Wassereis?

Wolharn: Wir haben gedacht, dass wir die Leute gerne neugierig machen wollen. Also tatsächlich gibt es einen Bibelvers zum Thema Wassereis und zu allen anderen Gegenständen auch. Wir haben die schöne Seite urlaub.plus.ruhr, um deutlich zu machen, wir wollen diesem Urlaub bzw. der Ferienzeit das gewisse Etwas dazugeben, also quasi ein Plus. Und bei urlaub.plus.ruhr findet man zu all diesen wunderbaren kleinen Gegenständen einen kurzen Gedanken, aber halt auch einen Bibelvers.

DOMRADIO.DE: War die Corona-Pandemie Auslöser für die Aktion oder hätten Sie das sonst vielleicht auch gemacht?

Wolharn: Das ist eine gute Frage. Wir haben tatsächlich in den letzten Monaten immer wieder auf der Straße den Kontakt zu den Menschen gesucht, das kurze Gespräch. Und wir haben festgestellt, dass die Menschen sich wirklich danach sehnen und haben dann gedacht, so ganz ohne wollen wir die in die Sommerferien nicht schicken und haben gedacht, wir müssen irgendetwas machen. Und dann gab es tatsächlich an einem runden Tisch die Idee, mit wunderbaren Praktikanten und einem Pastoralreferenten aus der Innenstadt-Pfarrei: Wir packen kleine Köfferchen zum Urlaub und geben die mit auf den Weg.

DOMRADIO.DE: Wie ist das bei den Leuten angekommen?

Wolharn: Toll. Also es gab erst mal wirklich viele gute kleine Gespräche. Wir haben die Menschen gefragt, ob sie denn Urlaub fahren, wohin es geht, warum sie nicht fahren, warum sie nicht fahren können und haben dann tatsächlich gesagt, es wäre schön, wenn ihnen dieser Koffer ein bisschen Urlaubsgefühle vermittelt. Nach dem Motto: Wenn Menschen nicht verreisen können, dann bringen wir halt den Urlaub den Menschen nach Hause. Und das ist so ein bisschen der Gedanke, Urlaub in den eigenen vier Wänden oder quasi auch als Idee, den Urlaub ein bisschen aufzuwerten. Wir haben schöne Gespräche geführt und es gab einfach viel herzliches Gelächter, als die Menschen überrascht diesen kleinen Koffer aufgemacht haben und entdeckt haben, was wir so alles reingepackt haben.

DOMRADIO.DE: Haben Sie tatsächlich den Eindruck, dass es da viele gibt, die dieses Jahr eben nicht so einfach in den Urlaub fahren können wegen Geld oder weil sie sich Sorgen machen? 

Wolharn: Das ist tatsächlich so, vor allen Dingen die Sorgen, die sind immer noch oben auf. Viele Leute sagen: Ja, wir besuchen unsere Verwandten, aber ins Ausland trauen wir uns noch nicht so richtig. Und von daher glaube ich tatsächlich, dass so viele gar nicht unterwegs sind, wie viele sich das vielleicht gerade wünschen würden oder wie sich das die Reiseindustrie vielleicht auch gerade erhofft. Und von daher – Urlaub in den eigenen vier Wänden, Urlaub ein bisschen Zuhause oder auf Balkonien, ist ja nicht das Schlimmste, vor allem, wenn das Wetter schön bleibt.

DOMRADIO.DE: Und tatsächlich verteilen Sie diese Köfferchen noch weiter, und zwar in den einzelnen Kirchen der Pfarrei St. Gertrud und auch an das Pflegepersonal des Elisabeth-Krankenhauses und des Malteserstifts St. Bonifatius. Ist das auch ein Dankeschön für die Arbeit in der Pandemie?

Wolharn: Und ob! Also das war uns ganz wichtig, dieses Zeichen zu setzen, zu sagen, ihr wart für ganz, ganz viele Menschen so wichtig in den vergangenen Monaten. Und da darf man, glaube ich, gar nicht aufhören, oft genug Danke zu sagen. Und dann kam die Idee, zu sagen: Ganz gezielt wollen wir diesen kleinen UrlaubPlus auch diesen Menschen gönnen und ihnen das verteilen. Und auch das ist toll angekommen. Es gab eine wunderbare Rückmeldung von einer Person, die dann schrieb: Das ist jetzt meine Oase für die kommenden paar Wochen. Und wenn es solche Rückmeldungen gibt, dann denke ich, haben wir was Gutes getan und vor allen Dingen auch immer wieder Menschen zum Lächeln gebracht. Und das ist, glaube ich, in diesen für viele Menschen schwierigen Zeiten einfach schön.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

Cityseelsorger Bernd Wolharn (li.), die Praktikantin Martina Büning, die Ehrenamtliche Birgit Baier und Pastoralreferent Michael Diek waren am Essener Dom für "UrlaubPlus" im Einsatz / © Oliver Müller (Bistum Essen)
Cityseelsorger Bernd Wolharn (li.), die Praktikantin Martina Büning, die Ehrenamtliche Birgit Baier und Pastoralreferent Michael Diek waren am Essener Dom für "UrlaubPlus" im Einsatz / © Oliver Müller ( Bistum Essen )
Quelle:
DR
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