Das frühere Oberhaupt des orthodoxen Kiewer Patriarchats, Filaret, ist am Freitag im Alter von 97 Jahren gestorben. Am Samstag fand in der Michaelskathedrale in Kiew der Gedenkgottesdienst statt. Geleitet wurde die Zeremonie von Metropolit Epiphanius, der seit 2018 an der Spitze der Orthodoxen Kirche der Ukraine (OKU) steht. Epiphanius würdigte Filaret als historisch bedeutsame Persönlichkeit für die Kirche und die gesamte Ukraine: "Sein Name und sein Werk sind für immer in unsere Geschichte eingegangen."
Der Metropolit unterstrich die entscheidende Rolle des Patriarchen im Kampf um eine autokephale (unabhängige) Kirche und eine Unabhängigkeit von der "russischen Welt". Auch Staatspräsident Wolodymyr Selenskyj würdigte Filaret als "einen der stärksten Verteidiger der ukrainischen Kirche". Das Volk werde seinen Beitrag zur Errichtung einer eigenständigen Landeskirche immer ehren.
Schlüsselrolle in den 90er-Jahren
Filaret war bis Anfang der 1990er-Jahre jahrzehntelang Metropolit von Kiew innerhalb der russisch-orthodoxen Kirche. Die 2018 gegründete OKU ging wesentlich aus dem Kiewer Patriarchat hervor, das auf seine Initiative 1992 in Abgrenzung zu Moskau entstanden war. Damals hatte sich Filaret - nach einer Niederlage bei der Wahl zum Patriarchen der russisch-orthodoxen Kirche 1990 - maßgeblich für die Schaffung einer von Moskau unabhängigen ukrainischen Kirche eingesetzt. Ab 1995 übernahm er deren Führung und etablierte sie landesweit.
Die patriotisch gesinnte OKU konkurriert mit der Ukrainischen Orthodoxen Kirche (UOK), der die Regierung Kreml-Nähe und Treue zum russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill I. vorwirft.