Früherer Kiewer Patriarch Filaret im Alter von 97 Jahren gestorben

"Stärkster Verteidiger der ukrainischen Kirche"

Mit fast 100 Jahren ist das ehemalige ukrainische Kirchenoberhaupt Filaret gestorben. Staatspräsident Wolodymyr Selenskyj würdigt sein kirchliches - und politisches - Wirken. Das ukrainische Volk werde ihn immer verehren.

Geistliche halten einen Trauergottesdienst für den verstorbenen Patriarchen Filaret  / © Dan Bashakov/AP (dpa)
Geistliche halten einen Trauergottesdienst für den verstorbenen Patriarchen Filaret / © Dan Bashakov/AP ( dpa )

Das frühere Oberhaupt des orthodoxen Kiewer Patriarchats, Filaret, ist am Freitag im Alter von 97 Jahren gestorben. Am Samstag fand in der Michaelskathedrale in Kiew der Gedenkgottesdienst statt. Geleitet wurde die Zeremonie von Metropolit Epiphanius, der seit 2018 an der Spitze der Orthodoxen Kirche der Ukraine (OKU) steht. Epiphanius würdigte Filaret als historisch bedeutsame Persönlichkeit für die Kirche und die gesamte Ukraine: "Sein Name und sein Werk sind für immer in unsere Geschichte eingegangen."

Der Patriarch von Kiew, Filaret, im Januar 2023 / © Efrem Lukatsky/AP (dpa)
Der Patriarch von Kiew, Filaret, im Januar 2023 / © Efrem Lukatsky/AP ( dpa )

Der Metropolit unterstrich die entscheidende Rolle des Patriarchen im Kampf um eine autokephale (unabhängige) Kirche und eine Unabhängigkeit von der "russischen Welt". Auch Staatspräsident Wolodymyr Selenskyj würdigte Filaret als "einen der stärksten Verteidiger der ukrainischen Kirche". Das Volk werde seinen Beitrag zur Errichtung einer eigenständigen Landeskirche immer ehren.

Schlüsselrolle in den 90er-Jahren

Filaret war bis Anfang der 1990er-Jahre jahrzehntelang Metropolit von Kiew innerhalb der russisch-orthodoxen Kirche. Die 2018 gegründete OKU ging wesentlich aus dem Kiewer Patriarchat hervor, das auf seine Initiative 1992 in Abgrenzung zu Moskau entstanden war. Damals hatte sich Filaret - nach einer Niederlage bei der Wahl zum Patriarchen der russisch-orthodoxen Kirche 1990 - maßgeblich für die Schaffung einer von Moskau unabhängigen ukrainischen Kirche eingesetzt. Ab 1995 übernahm er deren Führung und etablierte sie landesweit.

Trauernde beten während eines Trauergottesdienstes in der St. Michael Kathedrale für den verstorbenen Patriarchen Filaret / © Dan Bashakov/AP (dpa)
Trauernde beten während eines Trauergottesdienstes in der St. Michael Kathedrale für den verstorbenen Patriarchen Filaret / © Dan Bashakov/AP ( dpa )

Die patriotisch gesinnte OKU konkurriert mit der Ukrainischen Orthodoxen Kirche (UOK), der die Regierung Kreml-Nähe und Treue zum russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill I. vorwirft.

Christliche Kirchen in der Ukraine

Die kirchlichen Verhältnisse in der Ukraine sind komplex. Rund 70 Prozent der 45 Millionen Ukrainer bekennen sich zum orthodoxen Christentum. Sie gehören allerdings zwei verschiedenen Kirchen an: der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche (UOK) des Moskauer Patriarchats und der autokephalen (eigenständigen) Orthodoxen Kirche der Ukraine (OKU). Zudem gibt es eine römisch-katholische Minderheit mit rund einer Million Mitgliedern sowie die mit Rom verbundene (unierte) griechisch-katholische Kirche der Ukraine.

Das Heilige Feuer aus Jerusalem am 18. April 2020 im Kiewer Höhlenkloster Petscherska Lawra, Hauptsitz der ukrainisch-orthodoxen Kirche Moskauer Patriarchats. / © Sergey Korovayny (KNA)
Das Heilige Feuer aus Jerusalem am 18. April 2020 im Kiewer Höhlenkloster Petscherska Lawra, Hauptsitz der ukrainisch-orthodoxen Kirche Moskauer Patriarchats. / © Sergey Korovayny ( KNA )
Quelle:
KNA