Früherer Görlitzer Bischof Müller gestorben

Mittler zwischen Deutschland und Polen

Der frühere Bischof von Görlitz, Rudolf Müller, ist am Ersten Weihnachtstag im Alter von 81 Jahren gestorben. Im domradio.de-Interview würdigen Bischof Konrad Zdarsa und Bischof Wolfgang Ipolt ihren Mitbruder.

Bischof Rudolf Müller mit dem Papst (KNA)
Bischof Rudolf Müller mit dem Papst / ( KNA )

domradio.de: Wie haben Sie Bischof Müller als Menschen erlebt?

Bischof Zdarsa: Es hat mich doch sehr sehr betroffen, als ich das heute von unserem Pressesprecher so unvermittelt hörte. Wir haben Hoffnung und wir haben die Zuversicht des Glaubens, aber immer wieder wenn ein solcher Abschied anfällt… Und das wirft auch ein Licht auf unsere persönliche Beziehung: Er war nicht nur loyal, sondern ein äußerst freundlicher, liebenswürdiger Mitbruder und es war immer eine Freude ihm zu begegnen. Ganz bedeutend für das Bistum war eben, dass er die Verbindung gehalten hat zur alten Heimat, aber eben auch in Anerkennung der politischen Realitäten. So dass er wesentlich beigetragen hat zu dieser großartigen Aussöhnung zwischen deutschen und polnischen Bischöfen, die meines Erachtens viel besser im Rahmen der Kirche gelungen ist als in anderen Schichten.

domradio.de: Wer war er denn für das Bistum? Sie haben gerade gesagt, ein wichtiger Kontaktmann auch nach Polen, aber was war ihm als Bischof ein ganz besonderes Anliegen?

Bischof Zdarsa: Ich darf anfangen, und das ist bezeichnend für seine Persönlichkeit, dass er eine große Liebe zur Musik hatte. Das ist nicht einfach so eine Bezeichnung eines Hobbys, sondern das wirft Licht auf seine Persönlichkeit und auf sein Ankommen bei den Menschen im gesamten Bistum von Sachsen bis Brandenburg. So hat er mit einer Väterlichkeit und einer guten Leichtigkeit auch das Bistum geführt und zusammengehalten, denn das ist ja alles nicht so selbstverständlich gewesen in solchen Zeiten und Entwicklungen, zumal unter diesem Regime. Insofern ist ihm da sehr viel zu danken für eine Konsolidierung der Situation, auch was die Verwaltung und Leitung des Bistums betraf, dass er in seinen treuen und guten Mitarbeitern ein gutes Team hatte, diese Aufgabe zu übernehmen und zu halten.

domradio.de: Sie haben gerade deutlich gemacht, dass es damals alles andere als einfach war zu DDR-Zeiten sozusagen überhaupt kirchlicher Angehöriger zu sein, gar Bischof. Wie hat er sich zur DDR gestellt?

Bischof Zdarsa: Wissen Sie, die alte Breslauer Garde hatte da einige Erfahrungen und insofern war das relativ klar, wen die Leute vor sich hatten in einem Bischof, der aus dieser Generation kam. Da gab es keinen faulen Kompromisse, sondern ein tapferes Eintreten für das Volk Gottes in allen Belangen.

domradio.de: Er ist in einer einfachen Umgebung, in einem kleinen Dorf in Niederschlesien geboren, hat ihn das geprägt?

Bischof Zdarsa: Das denke ich schon. Von seiner im guten Sinne zu verstehenden Leutseligkeit und der Vertrautheit mit den Diasporaverhältnissen, dem Leben des Kirchenjahres mit seinen Höhepunkten, mit seinen Festzeiten, mit seinem Alltag, dass er da praktisch von Kindesbeinen an  Verantwortung übernommen hat, als er einspringen musste, um die Orgel zu spielen, das ist alles auch Inhalt seiner Persönlichkeit. Gott habe unseren guten Mitbruder selig!

 

Das Interview führte Monika Weiß (domradio.de)

 

Hintergrund

Bischof Rudolf Müller leitete von 1994 bis 2006 das kleinste deutsche Bistum. Er wurde 1931 in Schmottseiffen im heute polnischen Teil Schlesiens geboren und empfing nach der Vertreibung im brandenburgischen Neuzelle die Priesterweihe. Nach Kaplansjahren in Wittichenau, Hoyerswerda und Görlitz war er von 1964 bis 1972 Rektor des Görlitzer Katechetenseminars, danach bis 1987 Ordinariatsrat und Leiter des Seelsorgeamtes. Ab 1987 war er Weihbischof in der damaligen Apostolischen Administratur Görlitz, die der Vatikan 1994 zum Bistum erhob. Müller galt als wichtiger Verbindungsmann zwischen der Kirche in Deutschland und Polen.

Das Bistum Görlitz liegt im Osten Brandenburgs und Sachsens. Es entspricht dem Teilgebiet des Erzbistums Breslau, das bei Ende des Zweiten Weltkrieges westlich der Oder-Neiße-Grenze lag und nicht unter polnische Verwaltung kam.