Friedenstreffen in Neapel - Teilnehmerin berichtet im domradio

"Beten für Birma"

In Neapel hat am Wochenende das Internationale Friedenstreffen der katholischen Gemeinschaft Sant'Egidio begonnen. Den Auftakt als Redner machte ein Mönch aus Birma, berichtet Susanne Bühl von Sant'Egidio im domradio-Interview. Auch Papst Benedikt XVI. richtete einen leidenschaftlichen Appell an die Religionsvertreter aus aller Welt - die bis Dienstag unter anderem die Idee "Vereinter Nationen der Religionen" diskutieren.

 (DR)

Benedikt XVI. hat die Angehörigen aller Religionen aufgerufen, gemeinsam für Frieden und Versöhnung zwischen den Völkern zu arbeiten. Es gebe keine Rechtfertigung für Gewalt im Namen Gottes; Religionen könnten niemals Mittel des Hasses werden, betonte der Papst am Sonntag in Neapel bei der Begegnung mit Teilnehmern eines internationalen Friedenstreffens.

Bei einem Gottesdienst in der Innenstadt Neapels rief Benedikt XVI. zum Kampf gegen Gewalt und die "verwerfliche Zahl von Verbrechen der Camorra" auf. Gewalt werde zu einer verbreiteten Mentalität und drohe in alle Bereiche des sozialen Lebens einzudringen.

Die Jugend wachse in einem Umfeld der Illegalität und einer "Kultur des Sich-Arrangierens" auf. Präventionsbemühungen müssten in Schule, Arbeit und Freizeitgestaltung ansetzen. Notwendig sei aber vor allen politischen Maßnahmen ein tiefgreifender Wandel der Einstellungen und des Verhaltens im Alltag.

"Krieg im Namen der Religion ist Krieg gegen die Religion"
Religionsvertreter aus aller Welt und Politiker betonten anschließend die Verantwortung von Glaubensgemeinschaften für die Verhinderung von Krieg und Gewalt. Der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomäus I., beklagte bei der Eröffnung der dreitätigen Begegnung am Sonntagabend wachsenden religiösen Fanatismus als Ursache von bewaffneten Konflikten. "Krieg im Namen der Religion ist Krieg gegen die Religion", so der Patriarch.

Der italienische Ministerpräsident Romano Prodi sagte, nur der Dialog zwischen Kulturen und Religionen könne Gewaltphänomene weltweit eindämmen. Prodi forderte die internationale Gemeinschaft zu verstärkten Bemühungen für eine Lösung im Nahostkonflikt auf. Je stärker die Unterstützung der Staaten der Region, desto größer seien die Chancen auf Erfolg.

Vereinten Nationen der Religionen?
Im Hinblick auf das Thema der Konferenz "Für eine Welt ohne Gewalt" erinnerte Prodi an die italienische Initiative bei den Vereinten Nationen für ein weltweites Moratorium der Todesstrafe. Prodi bezeichnete ferner den Kampf gegen Armut und Konflikte in Afrika, die zu den Hauptthemen der Konferenz gehören, als Priorität. Italien werde das Thema Entwicklungspolitik den Mittelpunkt seiner G-8-Präsidentschaft im Jahr 2009 stellen.

Der israelische Oberrabbiner Jona Metzger forderte zum Auftakt der von der katholischen Gemeinschaft Sant'Egidio organisierten Begegnung, erneut die Gründung von "Vereinten Nationen der Religionen, die zwischen Religionen vermitteln". Eine solche Institution könne Kontakte vor allem zwischen Staaten, die keine diplomatischen Beziehungen zueinander unterhalten, fördern. Metzger beklagte, dass die meisten Konflikte weltweit noch immer durch religiöse Spannungen entstünden. Wahre Religion sei jedoch "ein Symbol für Frieden und Glauben".

Auftakt-Bericht im domradio
Die Eröffnung sei eindrucksvoll gewesen. Unter anderem habe ein buddhistischer Mönch für die verschwundenen Menschen aus Birma gebetet. „Es waren sehr kurze, aber auch eindringliche Worte", berichtet Susanne Bühl von Sant'Egidio aus Deutschland im domradio-Interview.  „Wir machen uns an diesen Tagen gemeinsam Gedanken um den Frieden", sagt Susanne Bühl. „Ich denke jeder Teilnehmer wird Ideen mit nach Hause nehmen, wie dort, wo er lebt für den Frieden eintreten kann."

Neben den Religionen spiele die Politik, wie beispielsweise die aktuelle Situation in Birma, ebenfalls eine große Rolle. „Natürlich", sagt Susanne Bühl. „Die Welt soll nicht außen vor bleiben."

"Geist von Assisi"
Der Friedensgipfel steht unter dem Motto "Für eine gewaltfreie Welt - Religionen und Kulturen im Dialog". Auf Einladung von Kardinal Crescenzio Sepe findet er bis Dienstag im süditalienischen Neapel statt. Benedikt XVI. erinnerte an das erste Gebet der Weltreligionen für den Frieden, zu dem sein Vorgänger Johannes Paul II. 1986 nach Assisi eingeladen hatte, sowie an das zweite derartige Treffen 2002, das unter dem Eindruck der Terroranschläge vom 11. September stattfand. Der "Geist von Assisi" stelle sich jeder Form von Gewalt und dem Missbrauch der Religion als Vorwand für Gewalt entgegen, betonte der Papst.

Rund 40 religiöse Führer wohnten am Vormittag der Papstmesse unter freiem Himmel in der Innenstadt Neapels bei, darunter Bartholomaios I., der anglikanische Primas Rowan Williams, der armenische Patriarch der Türkei Mesrob II. sowie weitere hohe Repräsentanten orientalischer Kirchen. In seiner Predigt ermunterte der Papst dazu, auf Gewalt, Hoffnungslosigkeit und Ungerechtigkeit mit der Gewaltlosigkeit des Evangeliums zu antworten. Das Gebet sei "die Waffe der Kleinen und der Armen im Geiste" und die stärkste Kraft, um die Welt zu verändern.