Friedensnobelpreis wird an Anti-Atomwaffen-Kampagne verliehen

"Die Bedrohung ist real"

Die "Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen" warnen: Die Gefahr durch Atomwaffen ist heute deutlich größer als zum Ende des Kalten Krieges. Am Sonntag erhielt die Initiative den Friedensnobelpreis.

Ican erhält Friedensnobelpreis / © Terje Bendiksby (dpa)
Ican erhält Friedensnobelpreis / © Terje Bendiksby ( dpa )

Die "Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen" (Ican) ist am Sonntag mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. Ican-Direktorin Beatrice Fihn und die Hiroshima-Überlebende Setsuko Thurlow nahmen den mit umgerechnet 945.000 Euro dotierten Preis bei einer feierlichen Zeremonie in Oslo entgegen. Das norwegische Nobelkomitee würdigte die Initiative für ihre "bahnbrechenden Bemühungen", ein Verbot nuklearer Waffen zu erreichen.

Fihn erklärte in ihrer Rede, die Gefahr durch Atomwaffen sei heute deutlich größer als zum Ende des Kalten Krieges. "Die Bedrohung ist real." Es gebe nur die Alternativen "Ende der Atomwaffen oder Ende von uns". Die Möglichkeit einer vollständigen Abrüstung sei keine Illusion, sondern eine Notwendigkeit. Namentlich appellierte sie an die Atommächte USA, Russland, China, Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea, "das Leben über den Tod" und die "Weisheit über den Ruin" zu stellen und ihre Arsenale abzubauen.

Zudem müssten alle Staaten der Welt dem Atomwaffensperrvertrag beitreten. "Verbietet und eliminiert sie", so Fihn. Nach Angaben des norwegischen Rundfunksenders NRK wollten die Botschafter der Atommächte USA, Frankreich und Großbritannien der Verleihung fernbleiben. Die Top-Diplomaten der Nuklearstaaten Russland und Israel hingegen wollten teilnehmen.

Grundstein in Australien gelegt

Der Grundstein für die "Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen" war im australischen Melbourne gelegt worden, ehe Ican offiziell im April 2007 in Wien an den Start ging. Heute umfasst das Netzwerk mit Hauptsitz in Genf 468 Organisationen in 100 Ländern, darunter die "Internationalen Ärzte für die Verhütung eines Atomkriegs" (IPPNW). In Oslo wird denn auch der Mitgründer und Ehrenvorsitzende der deutschen IPPNW-Sektion, der Frankfurter Arzt Ulrich Gottstein (93), erwartet.

Ican war maßgeblich beteiligt an der Verständigung auf ein Abkommen bei den Vereinten Nationen für ein Atomwaffenverbot im Juli dieses Jahres. Die Atommächte und die meisten Nato-Staaten, darunter Deutschland, wollen dem Abkommen aber nicht beitreten.

Die westlichen Atommächte USA, Großbritannien und Frankreich schicken zur Nobelpreisverleihung daher auch keine Botschafter, sondern weniger hochrangige Repräsentanten. Für die Absage gibt es laut Nobelpreiskomitee politische Gründe. Die französische Botschaft sagte norwegischen Medien, man wolle so seine Vorbehalte in Bezug auf das Atomwaffenverbot deutlich machen. Nach Angaben des Senders NRK schicken von den Atommächten nur Russland und Israel ihre Botschafter nach Norwegen.

Auszeichnung am Todestag Nobels

Der Friedensnobelpreis ist die höchste Auszeichnung für Friedensbemühungen weltweit. Gestiftet wurde er von dem schwedischen Chemiker und Industriellen Alfred Nobel (1833-1896). In diesem Jahr ist die Auszeichnung mit neun Millionen Kronen (etwa 945.000 Euro) dotiert. Sie wird traditionell am 10. Dezember in Oslo überreicht, dem Todestag Nobels. 2016 ging der Preis an den kolumbianischen Präsidenten Juan Manuel Santos für seinen Einsatz für den Friedensprozess mit der Farc-Guerilla.

Protest gegen Atomwaffen / © Britta Pedersen (dpa)
Protest gegen Atomwaffen / © Britta Pedersen ( dpa )
Quelle:
epd , dpa , KNA