Bundesligasaison beginnt mit einer Andacht im Kölner Dom

"Freude am Sieg und Gelassenheit in der Niederlage"

Große Abstände zwischen den Fans statt gerammelt voller Dom – das war die siebte FC-Andacht unter Corona-Bedingungen. Und dennoch durfte am Ende die FC-Hymne gesungen werden.

Stadtdechant Msgr. Robert Kleine träumt vom Europapokal  / © Johannes Schröer (DR)
Stadtdechant Msgr. Robert Kleine träumt vom Europapokal / © Johannes Schröer ( DR )

"Ja, mer sin so", sagt FC-Fan Werner auf die Frage, was es ihm bedeutet, dass die Fans des 1. FC Köln die neue Bundesligasaison mit einer Andacht im Dom eröffnen. Und mehr gibt es eigentlich auch gar nicht zu sagen. "Ja, in Kölle sin mer so".

180 Fans dürfen im Dom bei der FC-Andacht dabei sein, mehr geht wegen Corona nicht. Die, die gekommen sind, haben sich vorab auf den Internetseiten des FC Köln ein Ticket gesichert. Und es ist ihnen wichtig, hier und jetzt die Fußballspielzeit in der Kölner Kathedrale zu eröffnen.

Infektionszahlen erschweren Bundesligastart

"Das gibt es nur in Köln, in der Domstadt. Und das ist auch gut so", ruft Tanja im FC-Trikot. Auch sie ist zum Gottesdienst gekommen, den die Kölner vor dem ersten Heimspiel gegen Hoffenheim im Dom feiern. "Come on FC! Allez FC", stimmt eine muntere Schar von Fan-Frauen auf der Domplatte rund um Tanja ein.

Im Dom geht es ruhiger zu. Die Fans sitzen andächtig in den Reihen und hören dem Kölner Stadtdechanten Msgr. Robert Kleine zu. "Der Start einer neuen Saison ist für den Verein und für die ganze Stadt etwas Besonderes", sagt Kleine. Doch es ist in diesem Jahr ein schwieriger Start, ein schwieriges Jahr für alle Kölner. Erst gestern ist der Karneval für die kommende Session abgesagt worden und dann kam am späten Nachmittag auch noch die Nachricht, dass nicht - wie eigentlich geplant - 9000 Fans beim Saisonstart des FC dabei sein dürfen. Der Corona-Index in Köln ist über 35 gestiegen und das ist die vereinbarte Grenze, die nicht überschritten werden darf, wenn Zuschauer kommen dürfen.

Zusammenstehen - trotz oder gerade wegen allem

Es sei wichtig, sehr wichtig, betont der Kölner Stadtdechant, dass wir diese Entscheidung gemeinsam mittragen. Er ruft zu verantwortlichem Handeln auf. "Wir - auch die Fans", sagt Kleine, "müssen jetzt zusammenstehen, um diese schwierige Situation gemeinsam zu tragen". Nach seiner Predigt spielt der Organist das Lied " Du bess die Stadt, op die mer all he stonn".  Jeder Kölner kennt den Bläck-Fööss-Song. "Frech wie Dreck, doch et Hätz ess jot", heißt es in dem Lied. Das passt, schließlich hat Msgr. Kleine kurz vorher vom "jode Hätze" der Kölner erzählt, vom solidarischen Jeföhl, das ein kölsches Jeföhl ist.

Die Andacht zur Saisoneröffnung ist ökumenisch. Für die evangelische Kirche ist Pfarrer Bernhard Seiger dabei. "In diesem Jahr ist alles anders", sagt er. Er predigt von Verzicht und Dankbarkeit – vom Verzicht, nicht bei den Spielen im Stadion dabei sein zu dürfen, aber auch von der Dankbarkeit darüber, dass jetzt einiges wieder möglich ist - immerhin.

Es ist bewegend mitzuerleben, wie dann alle Fans aufstehen und gemeinsam das Vaterunser beten, alle können das Gebet auswendig, das Vaterunser gehört zur DNA der Heiligen Stadt. In den Fürbitten betet der Geschäftsführer des 1. FC Köln Alexander Wehrle für die Spieler aller Mannschaften. Ausgewählte Fans dürfen weitere Fürbitten verlesen - für die Klugheit der Schiedsrichter, für die Fairness, für alle an Corona Erkrankten und von Corona betroffenen Menschen.

Immer optimistisch: FC-Europapokal-Schal

"Für die Freude am Sieg und die Gelassenheit in der Niederlage", betet Msgr. Kleine dann im Schlusssegen und dann erlaubt er den Gottesdienstbesuchern, die in gebotenem Abstand in den Kirchbänken sitzen für das Schlusslied die Masken abzunehmen – übrigens fast ausschließlich FC Masken mit dem Geißbock darauf. "Mir stonn zo Dir, FC Kölle", das ist die FC-Hymne. Kaum hat der Organist das Intro gespielt, stimmen alle Fans ein, sie halten ihre Schals in die Luft und singen ihr Lied. Stadtdechant Kleine und Stadtsuperintendent Seiger haben den Altarraum verlassen und stehen jetzt zwischen den Fans im Mittelgang, auch sie haben ihre Fan-Schals in die Höhe gestreckt und singen textsicher mit. Auf dem FC-Schal von Msgr. Kleine steht "Europapokal". Zur Frohen Botschaft eines Christen gehört es Optimist zu sein.

Stadtdechant Kleine und Stadtsuperintendent Seiger haben ihre Fan-Schals in die Höhe gestreckt  / © Johannes Schröer (DR)
Stadtdechant Kleine und Stadtsuperintendent Seiger haben ihre Fan-Schals in die Höhe gestreckt / © Johannes Schröer ( DR )
Wahre Fans stehen zu ihrem Verein. Und gehen in die FC-Andacht. / © Johannes Schröer (DR)
Wahre Fans stehen zu ihrem Verein. Und gehen in die FC-Andacht. / © Johannes Schröer ( DR )
Auch kleine FC-Flaggen durften in den Kölner Dom / © Johannes Schöer (DR)
Auch kleine FC-Flaggen durften in den Kölner Dom / © Johannes Schöer ( DR )
FC-Schal auf der Kirchenbank im Kölner Dom / © Johannes Schröer (DR)
FC-Schal auf der Kirchenbank im Kölner Dom / © Johannes Schröer ( DR )
Quelle:
DR
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