Gegen einen Abbau von Sozialleistungen hat sich der Freiburger Erzbischof Stephan Burger gewandt. "Solange wir uns noch als Gesellschaft verstehen, die auf christlichen Werten aufbaut, darf uns das Schicksal anderer nicht unberührt lassen", sagte Burger laut Redemanuskript am Dienstagabend beim Neujahrsempfang des Erzbistums Freiburg.
"Geplante und schon erfolgte" Sparmaßnahmen im sozialen und karitativen Bereich lösten große Sorgen und Ängste aus, sagte Burger. Viele Menschen fragten sich, ob damit nicht wieder die auf der Strecke blieben, die Unterstützung am nötigsten bräuchten. Der Bischof rief auch zu internationaler Solidarität, Entwicklungsarbeit und Flüchtlingshilfe auf.
"Große Vermögensungleichheit problematisch"
Besorgt zeigte sich Burger, dass laut Umfragen eine Mehrheit der Deutschen den Glauben an eine bessere Zukunft – auch für die junge Generation – verloren habe. Damit verbunden sei eine "immer größer werdende" Sorge um die demokratische Kultur und ein demokratisches Miteinander. Burger forderte, es müsse wieder besser gelingen, sachlich und ruhig über Zukunftsfragen zu diskutieren. Stattdessen vergifteten derzeit zu oft Polarisierungen und aufgeheizte Emotionen das Debattenklima.
Dabei werde dann häufig übersehen, dass bei vielen drängenden politischen Problemen eigentlich über Parteigrenzen und soziale Milieus hinweg Einigkeit bestehe oder Kompromisse möglich seien. Eine Mehrheit sei sich beispielsweise einig, so Burger, dass "eine zu große Ungleichheit bei Einkommen und Vermögen für den gesellschaftlichen Zusammenhang problematisch ist".
Mehrheitsfähig sei auch der Wunsch, mehr für Klimaschutz zu tun. "Ist also unsere Gesellschaft gar nicht so sehr gespalten durch klar erkennbare gegensätzliche Meinungen, sondern stärker durch die Art, wie wir über Gegensätze kommunizieren?", fragte der Bischof.