Frauen werden in Salafistenszene immer wichtiger

Propaganda und Rekrutierung

Salafismus ist in Deutschland nach wie vor verbreitet - und unter Beobachtung. Nach Ansicht des Verfassungsschutzes Nordrhein-Westfalens spielen nun Frauen in der Salafistenszene in Deutschland eine immer wichtigere Rolle.

Das Wort "Salafist" auf einem Buchrücken / © Christoph Schmidt (dpa)
Das Wort "Salafist" auf einem Buchrücken / © Christoph Schmidt ( dpa )

"Die Szene wird durch Frauen immer mehr beeinflusst, sagte Behördenchef Burkhard Freier am Dienstag im Radioprogramm SWR Aktuell. Aufgaben der Salafistinnen seien vor allem Propaganda im Internet, Rekrutierung weiterer Frauen und die Festigung der Ideologie: "Wir stellen fest, dass Frauen so was wie Ideologieproduzentinnen sind. Das bedeutet: Sie schaffen Lehrinhalte."

Außerdem übernähmen Frauen auch die Rollen, die Männer im Moment verlieren, weil beispielsweise wichtige Personen aus der Szene inhaftiert sind. In Nordrhein-Westfalen gebe es inzwischen über 40 salafistische Frauennetzwerke mit teilweise über hundert Mitgliedern.

Außerdem beobachtet der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz, dass der Salafismus inzwischen zu einer Art deutschem "Inlands-Extremismus" geworden ist: "Auch ohne Einfluss von außen gibt es immer mehr junge Menschen, die sich von dieser Ideologie angezogen fühlen. Wir sehen eine Verjüngung." NRW gilt seit längerem als "Hochburg" des Salafismus in Deutschland.

Salafistischer Verein "Die Wahre Religion" bleibt verboten

Unterdessen wurde das Verbot des salafistischen Vereins "Die Wahre Religion" endgültig bestätigt. Das von Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) 2016 erwirkte Vereinigungsverbot sei bestandskräftig, erklärte das Bundesverwaltungsgericht am Dienstag in Leipzig.

Zwei Vereinsmitglieder, darunter der Gründer, hatten gegen das Verbot geklagt. Die Richter stellten das Verfahren jedoch ein, nachdem die nicht erschienene Klägerseite in der laufenden Verhandlung per Fax mitteilte, dass sie die Klage zurückziehe.

Der Verein hatte in einer bundesweiten "Lies!"-Aktion seit 2011 an Passanten in Fußgängerzonen Gratis-Ausgaben des Koran verteilt. Im Oktober 2016 stellte das Bundesinnenministerium per Verfügung fest, dass sich die Vereinigung "Die wahre Religion" alias "LIES! Stiftung" gegen die verfassungsmäßige Ordnung und den Gedanken der Völkerverständigung richte.

Mit Bekanntgabe des Verbots waren Ende 2016 bundesweit rund 190 Wohnungen, Büros, Moscheen und eine Lagerhalle durchsucht worden. Dabei wurden neben anderen Beweismitteln auch Koran-Ausgaben beschlagnahmt.

Quelle:
KNA , epd
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