Finanzskandal am Bonner Münster größer als angenommen

Schaden in Höhe von 3,5 Millionen Euro

Das Ausmaß des Finanzskandals in der Bonner Münsterpfarrei ist offenbar größer als bislang bekannt. Der Schaden belaufe sich auf insgesamt rund 3,5 Millionen Euro, wie das Erzbistum Köln am Freitag mitteilte. Vorher war von 2 Millionen Euro die Rede.

Kirche und Finanzen / © Harald Oppitz (KNA)
Kirche und Finanzen / © Harald Oppitz ( KNA )

Dies hätten die nun abgeschlossenen Prüfungen der bistumsinternen Revision sowie der externen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte für die Zeit seit 2009 ergeben, nachdem auch die Jahresabschlüsse 2015 bis 2017, die Treuhandkonten, Personalpläne sowie weitere Vermögens- und Finanzvorgänge analysiert worden seien.

Bislang war von zwei Millionen Euro die Rede gewesen, die der frühere Bonner Stadtdechant Wilfried Schumacher aus dem Substanzvermögen verwendet habe, um Löcher im Etat der Pfarrei zu stopfen. Nun hieß es, Personal- und Betriebskosten von angeschlossenen Betrieben seien "unter verschiedenen Positionen verbucht und auf andere Kostenstellen verteilt" worden, "sodass die tatsächlichen Kosten nicht erkennbar waren. Und weiter: "Zweckgebundene Mittel und auch Spenden wurden für die Ausgaben im allgemeinen Haushalt ausgegeben. Auch der Umgang mit treuhänderischen Mitteln ist in vielen Fällen nicht nachvollziehbar."

Es drohte Zahlungsunfähigkeit

Darüber hinaus seien Baumaßnahmen unter Umgehung der Vorschriften "ohne die zwingend erforderliche Genehmigung des Erzbistums" durchgeführt worden. Dadurch seien der Gemeinde mögliche Zuschüsse aus der Kirchensteuer entgangen, so die Mitteilung. Der Prüfung zufolge wäre das Bonner Münster bis Mai 2019 zahlungsunfähig geworden. Das Erzbistum habe inzwischen Konsolidierungsmaßnahmen ergriffen und Ausgleichszahlungen zur Sicherung des Haushaltes geleistet.

Schumacher war im vergangenen Mai von seinen Ämtern als Stadtdechant und Münsterpfarrer zurückgetreten.

Monsignore Wilfried Schumacher gibt den Gläubigen drei Schriftworte mit auf den Weg / © Beatrice Tomasetti (DR)
Monsignore Wilfried Schumacher gibt den Gläubigen drei Schriftworte mit auf den Weg / © Beatrice Tomasetti ( DR )
Quelle:
KNA