Fall Williamson: Kardinal Castrillon weist Vorwürfe zurück

"Der Papst vertraut mir"

Der für die Traditionalisten zuständige frühere Kurienkardinal Dario Castrillon Hoyos weist neue Berichte zurück, er und seine Vatikan-Kommission "Ecclesia Dei" hätten vorab um die Holocaust-Leugnung des Briten Richard Williamson wissen müssen. Hoyos sagte in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung", er habe von Williamsons Äußerungen erst am 5. Februar erfahren, also zwölf Tage nach Aufhebung der Exkommunikation am 21. Januar.

 (DR)

Als die Entscheidung des Papstes öffentlich wurde, habe niemand im Vatikan von dem Interview gewusst, «und keiner hatte die Pflicht, es zu wissen», so der kolumbianische Kardinal. Papst Benedikt XVI. hatte im Januar die Exkommunikation von vier Bischöfen der traditionalistischen Piusbruderschaft aus dem Jahr 1988 aufgehoben. Fast zeitgleich war ein Interview des schwedischen Fernsehens bekannt geworden, in dem einer von ihnen, Williamson, die Existenz von Gaskammern abstritt.

Angaben des Bischofs von Stockholm, Anders Arborelius, seine Diözese habe Rom bereits Ende November 2008 über die Inhalte des Interviews unterrichtet, nannte Castrillon «eine unseriöse Äußerung» und «Verleumdung». «Wir speichern alle Dokumente, die wir bekommen, in digitaler Form. Bischof Arborelius sollte also sagen, wie, wem und wann er das mitgeteilt hat und ob das schriftlich oder mündlich geschah.» Weder aus der Kurie noch aus der Bischofskongregation noch aus einer nationalen Bischofskonferenz habe man die Kommission Ecclesia Dei je über Äußerungen Williamsons zum Holocaust informiert.

Hoyos betonte, seine Verhandlungen mit der Piusbruderschaft hätten kirchenrechtliche, nicht inhaltliche Fragen betroffen. Seine Aufgabe sei gewesen, eine Kirchenspaltung zu verhindern. Die Exkommunikation aufzuheben, sei «keine politische Handlung» gewesen, sondern «ein Akt der Barmherzigkeit». Er, Castrillon, würde alles, was er in der Angelegenheit getan habe, «genau so» wieder tun.

Über die Aussagen Williamsons sagte der Kardinal, der Mord der Nationalsozialisten an den Juden sei ein Verbrechen an der Menschheit gewesen. Allerdings habe der britische Traditionalisten-Bischof den Judenmord niemals geleugnet, sondern nur «reduziert». Das wiederum sei «eine historische Frage», keine moralische. «Der Genozid am jüdischen Volk ist eine Handlung, die moralisch zu verurteilen ist, ebenso die Folter», so der Kardinal.

«Aber zu sagen, dass es fünf statt zehn Tote gegeben hat, ist kein moralisches Urteil, sondern ein historischer Fehler.» Williamson hatte in dem Interview von maximal 200.000 bis 300.000 getöteten Juden gesprochen. Keiner von ihnen sei in Gaskammern umgekommen.

"Papst vertraut mir trotz Williamson-Affäre"
Weiterhin sieht Hoyos das Vertrauensverhältnis zwischen Papst Benedikt XVI. und ihm auch nach der Affäre ungetrübt. «Wir haben immer Hand in Hand gearbeitet», sagte Castrillon.
Benedikt XVI. sei «ein erstrangiger Theologe, ein Verfechter des Glaubens sowie ein Freund, der mir stets vertraut hat». Das habe sich nicht geändert.

Vorwürfe von Seiten des Präfekten der Bischofskongregation, Kardinal Giovanni Battista Re, wies Castrillon in dem Interview zurück. «Ich weiß gut, welche unvorsichtigen Ausdrücke er vor der Presse verwendet hat», so der Kardinal. In einem Brief habe er Re geschrieben, dass dieser selbst am besten über Williamsons Aussagen Bescheid gewusst habe. Über viele Jahre sei Re im vatikanischen Staatsekretariat beschäftigt gewesen. Seit vier Jahren leite er die Bischofskongregation und habe dort «die Aufgabe, die Bischöfe zu überwachen».


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