Expertin fordert von Kirche intensive Beschäftigung mit KI

"Alexa, wie hast du's mit der Religion?"

Theologie und Kirchen müssen sich sehr intensiv mit Künstlicher Intelligenz befassen und sie intelligent nutzen. Nur so könne man nah an der Lebenswirklichkeit der Menschen bleiben, sagt Technik-Ethikerin und Theologin Anna Puzio.

Symbolbild Sprachassistent / © Juan Ci (shutterstock)

"KI wird alle Lebensbereiche des Menschen verändern – und da Theologie den Anspruch erhebt, an die menschliche Lebenswirklichkeit anzuknüpfen, muss sie sich damit befassen, gar keine Frage", sagte Technik-Ethikerin, Theologin und Philosophin Anna Puzio im Interview der "Süddeutschen Zeitung" (Montag).

Änderung des Menschenbilds

Interessant seien zum Beispiel Fragen, wie sich das Menschenbild durch KI verändern wird, aber auch die Ethik, die sich damit beschäftigt, wie man KI verantwortungsvoll einsetzen kann. Puzio forscht an der niederländischen Universität Twente zu ethischen Fragen von sozial disruptiven Technologien. Sie ist Mitgründerin des "Netzwerks für Theologie und Künstliche Intelligenz" und Herausgeberin des Buchs "Alexa, wie hast du's mit der Religion?"

Theologen im Ethik-TÜV?

Auf die Frage, ob Theologinnen und Theologen für eine Art Ethik-TÜV zuständig sein könnten, antwortete die Expertin, natürlich könnten Religionen hier mithelfen, Antworten zu geben. Denn die Fragen, was Menschen machen dürften und was nicht, komme immer sehr schnell – etwa "bei automatisierten Waffensystemen und Pflegerobotern, bei der Frage, wie viel Technik in Körper implementiert werden darf".

Eine Frau spricht mit einem Sprachassistenten / © grandbrothers (shutterstock)
Eine Frau spricht mit einem Sprachassistenten / © grandbrothers ( shutterstock )

Von einem "Gott-Moment der Menschheit" zu sprechen, nannte Puzio überzogen, auch wenn etwas Intelligentes geschaffen und auf die Welt losgelassen werde, ohne zu wissen, wie es ausgehen wird: "Ob uns das aber gleich zu Allmächtigen macht, nur weil etwas gerade noch schwierig zu begreifen ist für uns – ich wäre da etwas bescheidener."

KI nicht grundsätzlich gefährlich

Auch auf Vergleiche mit der Bibel und der Möglichkeit, eine Sintflut zu schicken, wenn es die KI zu bunt treibe, wollte sich die Expertin im Interview nicht einlassen: "Die Debatte um die apokalyptischen Gefahren der KI läuft meiner Meinung nach teils in eine sehr schräge Richtung. Es gibt keinerlei belastbare Anzeichen, dass eine KI erschaffen wird, die die Menschheit auslöschen, vernichten oder ersetzen könnte. Viel mächtiger und damit gefährlicher sind gerade Einzelpersonen oder Unternehmen, die diese Technologien für ihre Geschäftsstrategien und andere Zwecke einsetzen."

Insgesamt, so Puzio weiter, werde KI Religionsgemeinschaften, religiöse Praktiken und die Theologie verändern: "Auch kann man mit KI experimentieren, um neue Zugänge zur Gemeinde zu finden und neue Formen, vor allem partizipative Formen, auszuprobieren. KI kann eingesetzt werden, um die Vielfalt des praktizierten Glaubens zu erforschen."

Was ist Künstliche Intelligenz?

Der Begriff Künstliche Intelligenz (KI) wurde vor mehr als 60 Jahren geprägt durch den US-Informatiker John McCarthy. Er stellte einen Antrag für ein Forschungsprojekt zu Maschinen, die Schach spielten, mathematische Probleme lösten und selbstständig lernten. Im Sommer 1956 stellte er seine Erkenntnisse anderen Wissenschaftlern vor. Der britische Mathematiker Alan Turing hatte sechs Jahre zuvor bereits den "Turing Test" entwickelt, der bestimmen kann, ob das Gegenüber ein Mensch ist oder eine Maschine, die sich als Mensch ausgibt.

Symbolbild Künstliche Intelligenz / © maxuser (shutterstock)
Symbolbild Künstliche Intelligenz / © maxuser ( shutterstock )
Quelle:
KNA