Ex-Vatikandiplomat Vigano kritisiert "Plage der Homosexualität"

"Hauptursache des sexuellen Missbrauchs"

Es sind harte Worte des früheren Vatikandiplomaten, Erzbischof Carlo Maria Vigano. Als Hauptursache des sexuellen Missbrauchs sieht er eine "Plage der Homosexualität" in der katholischen Kirche.

Erzbischof Carlo Maria Viganò, ehemaliger Apostolischer Nuntius in den USA / © Romano Siciliani (KNA)
Erzbischof Carlo Maria Viganò, ehemaliger Apostolischer Nuntius in den USA / © Romano Siciliani ( KNA )

Der frühere Vatikandiplomat, Erzbischof Carlo Maria Vigano, sieht in der katholischen Kirche eine weit verbreitete "Plage der Homosexualität", die auch Hauptursache des sexuellen Missbrauchs sei. Bischöfe und Priester rief er in einem am Freitag veröffentlichten Schreiben auf, die "Verschwörung des Schweigens" zu durchbrechen und den Kampf gegen Homosexualität aufzunehmen. Auch der Papst müsse endlich seine Aufgabe wahrnehmen und für eine "gesunde Morallehre" eintreten.

Der 77-jährige italienische Erzbischof machte Homosexualität verantwortlich für "die Verderbtheit des Priestertums und der Hierarchie". Verantwortlich für die Krise der katholischen Kirche sei "die Plage der Homosexualität - hinsichtlich derer, die sie praktizieren, ihrer Motive und des Widerstand gegen ihre Korrektur". Gleichgeschlechtliche Beziehungen seien ein "Geschwür im Klerus geworden, das nur mit geistlichen Waffen bekämpft werden kann".

Mehrseitiges Schreiben

Es sei Heuchelei, Missbrauchsopfer zu beklagen, aber nicht Homosexualität als "die Hauptursache zahllosen sexuellen Missbrauchs" zu benennen. "Die Beweise sind erdrückend, wie endemisch die Plage der Homosexualität ist; sie verbreitet sich durch Ansteckung, mit tiefen Wurzeln, die schwer auszureißen sind", so Vigano in seinem mehrseitigen, vom italienischen Blogger Marco Tosatti veröffentlichten Schreiben.

Der Erzbischof widersprach der Analyse des Papstes, der sexuellen Missbrauch vor allem als Folge verfehlter Machtstrukturen in der Kirche dargestellt hatte. Dies sei "reiner Sophismus". Die "homosexuelle Verderbtheit" anzuklagen, finde "nicht einmal auf den höchsten Ebenen der Kirche" Zustimmung, schrieb Vigano.

Zwar gebe es auch sexuelle Übergriffe von Klerikern gegenüber Frauen; diese fügten "der Seele derer, die sie verüben, der Kirche und der Seele derer, die sie verderben", schweren Schaden zu. Aber diese Untreue gegenüber dem priesterlichen Ehelosigkeitsversprechen beschränke sich auf die unmittelbar beteiligten Personen und tendiere nicht zur Verbreitung, so der Erzbischof.

Anlass ist die Affäre um Theodore McCarrick

Anlass des Schreibens von Vigano ist die Affäre um den emeritierten Erzbischof von Washington, Theodore McCarrick (88), und dessen früheren homosexuellen Umgang mit Seminaristen. Nachdem sich der Verdacht erhärtete, dass McCarrick sich in der Vergangenheit auch an Minderjährigen vergangen hatte, hatte ihn Franziskus im Juli aus dem Kardinalskollegium entlassen.

Vigano, von 2011 bis 2016 Nuntius in den USA, warf dem Papst bereits in einem Memorandum vom 26. August schwere Versäumnisse in diesem Zusammenhang vor. Auch jetzt bekräftigte er, Franziskus solle "seine Irrtümer bekennen und Reue zeigen".

Quelle:
KNA
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