Erzbistum Köln sucht passenden Ort für Flüchtlingsboot

Wohin mit dem Boot?

Bei der Fronleichnamsmesse vor dem Kölner Dom wurde ein Flüchtlingsboot als Altar genutzt. Damit waren zuvor Flüchtlinge übers Mittelmeer gefahren. Dompropst Bachner erzählt im domradio.de-Interview von der Suche nach einem Platz für dieses Boot.

Flüchtlingsboot als Altar (DR)
Flüchtlingsboot als Altar / ( DR )

domradio.de: Was passiert jetzt mit dem Flüchtlingsboot?

Dompropst Gerd Bachner: Zunächst mal bin ich noch ganz erfüllt vom gestrigen Tag. Das war eine eindrucksvolle und glaubensstarke Fronleichnamsfeier. Da spielte natürlich der Gedanke eine ganz entscheidende Rolle, dass Christus uns nicht nur im allerheiligsten Sakrament gegenwärtig ist, sondern auch in den Ärmsten der Armen für die dieses Boot steht.

Vor diesem Hintergrund ist mir als Dompropst natürlich die Nachhaltigkeit wichtig. Dass Menschen sich daran erinnern: Was geschieht da, was geschieht bei uns? Was kann ich als Einzelner tun? Das ist eine Thematik, die nicht in Vergessenheit geraten darf. Die Zeichen waren unterschiedlich: Ich habe fast 90 Prozent positive Reaktionen bekommen. Aber es gibt auch kritische Stimmen, die das aus ganz unterschiedlichen Gründen nicht für richtig halten.

domradio.de: Noch steht das Flüchtlingsboot ja auf dem Roncalliplatz vor dem Dom. Die Menschen bleiben davor stehen, schauen sich das Boot an. Und so kommt man ja auch ins Gespräch. Wie lange bleibt das Boot noch dort stehen?

Bachner: Bis Dienstag bleibt das Boot noch vor dem Dom stehen. Aber wir müssen es sichern. Einerseits durch einen Zaun. Aber das reicht nicht für die Nacht. Und deswegen haben wir dort auch einen Sicherheitsdienst.

Und dann war der Gedanke, das Boot in den Dom hineinzustellen. Aber wir haben festgestellt, dass wir das Boot durch keines der Portale in den Dom bekommen. Jetzt überlegen wir uns Alternativen. Eine wäre gewesen, das Boot dort stehen zu lassen, wo es jetzt ist. Aber diese Möglichkeit scheidet auch aus, weil die Kosten für die Sicherheit zu hoch sind.

Eine weitere Möglichkeit wäre, das Boot in die Depoträume im Osten des Domes zu stellen. Es gibt weitere Gedanken, aber da ist mit den entsprechenden Personen, die für die Orte zuständig sind, noch nicht geredet worden.

domradio.de: Wir haben gedacht: Vielleicht kann man das Boot auseinandersägen, in den Dom bringen und dann dort wieder zusammenbauen...

Bachner: Es gibt ja auch eine Ehrfurcht vor diesem Boot. Eine Ehrfurcht vor den Menschen, die in diesem Boot ihr Leben gelassen haben oder in diesem Boot gerettet wurden. Vor diesem Gedanken widerstrebt ein Zersägen des Bootes meinem grundsätzlichen Verständnis dem Boot und den Menschen, die es getragen hat, gegenüber.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

Dompropst Bachner (DR)
Dompropst Bachner / ( DR )
Quelle:
DR