Erzbischof Hollerich gegen vorschnelle Urteile in Flüchtlingsfrage

"Einander zuhören"

Der neue Präsident der katholischen Bischöfe in der EU, Jean-Claude Hollerich, hat vor vorschnellen Urteilen über Osteuropa in der Flüchtlingsfrage gewarnt. Man müsse einander zuhören und "die ganze Wirklichkeit" sehen.

Flüchtlinge in der EU / © Sebastian Kahnert (dpa)
Flüchtlinge in der EU / © Sebastian Kahnert ( dpa )

Das sagte Hollerich am Freitag in Brüssel. So habe Polen, das sich gegen die Umverteilung von Flüchtlingen in der EU stemmt, etwa eine Million Ukrainer aufgenommen.

Der Luxemburger Erzbischof war am Donnerstag zum Präsidenten der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (COMECE) gewählt worden. Die COMECE dient als Schaltstelle der Bischöfe für ihren Kontakt zur EU. Sie beobachtet die für die Kirche wichtigen Entwicklungen in der Europahauptstadt und versucht, darauf Einfluss zu nehmen. Wichtige Themen sind Religionsfreiheit, Ökologie, Sozialpolitik und Migration.

Unterschiede zwischen verschiedenen Ländern

In der EU-Migrationspolitik gibt es starke Unterschiede zwischen verschiedenen Ländern. Besonders die Regierungen osteuropäischer Länder wie Polen und Ungarn haben sich gegen die Aufnahme von Flüchtlingen positioniert. Hollerich sagte, "wir heißen Migranten immer willkommen". Zugleich müsse man einander in dieser Frage zuhören. "Und wir müssen auch über Grenzen von Migration nachdenken." Das bedeute vor allem, das Leben von Menschen zu verbessern, damit sie gar nicht nach Europa kommen müssten.

Hollerich würdigte EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker. Sein Landsmann und Freund habe ebenso wie der französische Präsident Emmanuel Macron "eine Vision für Europa". Darüber wolle er mit Juncker sprechen, kündigte Hollerich an. Zugleich sagte er mit Blick auf seine eigenen Lebenserfahrungen, Europa könnte etwas mehr Harmonie gebrauchen, die in Japan das Wichtigste sei.

Nachfolger von Kardinal Marx als COMECE-Vorsitzender

Der 59-jährige Hollerich begann seine Priesterausbildung 1978 an der Gregorianischen Universität in Rom. Drei Jahre später trat er in den Jesuiten-Orden ein. Danach verbrachte er einige Zeit in Deutschland und 23 Jahre in Japan. Unter anderem wirkte er als Deutschlehrer sowie Oberer einer Jesuitengemeinschaft in Tokio. 1990 in Brüssel zum Priester geweiht, ist Hollerich seit 2011 Erzbischof von Luxemburg. Die neue Amtszeit des COMECE-Präsidenten beträgt fünf Jahre.

Hollerich löst den deutschen Kardinal Reinhard Marx ab, der das Amt zwei mal drei Jahre innehatte. Neuer deutscher Vertreter in der COMECE ist Franz-Josef Overbeck, der zugleich zum Vizepräsidenten gewählt wurde. Overbeck ist Ruhrbischof in Essen und Militärbischof der Bundeswehr. Weitere neue COMECE-Vizepräsidenten sind die Bischöfe Noel Treanor aus Irland, Mariano Crociata aus Italien und Jan Vokal aus Tschechien.

Quelle:
epd