Erstes Ostern nach Flut im Ahrtal

"Kraft in Leid und Schmerz"

Im Ahrtal steht das erste Ostern nach der Flutkatastrophe im Juli an. Das katholische Fest hat für die Menschen hier auch einen hohen symbolischen Wert. Einige Kirchen können weiterhin nicht genutzt werden, die Flut ist noch präsent.

Ein großer bunter Blumenkübel auf dem Marktplatz in Ahrweiler  / ©  Harald Oppitz (KNA)
Ein großer bunter Blumenkübel auf dem Marktplatz in Ahrweiler / © Harald Oppitz ( KNA )

Katholische Gemeinden im Ahrtal planen Gottesdienste, Andachten und Feiern an den Kartagen und am Osterwochenende. "Die Menschen hier haben das Bedürfnis nach Halt und Kraft", sagte Pastor Heiko Marquardsen aus der Pfarrei Bad Neuenahr-Ahrweiler der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). In den Predigten zu Ostern wolle er dieses Bedürfnis und die Suche nach "etwas, das in allem Leid und Schmerz Kraft geben kann" aufgreifen. Angebote eigens für Flutbetroffene seien nicht geplant. "Die Flut ist ohnehin Teil unseres Alltags", sagte Marquardsen.

Pastor Heiko Marquardsen, Pfarrei Bad Neuenahr-Ahrweiler

"Die Flut ist ohnehin Teil unseres Alltags"

So wohnen beispielsweise viele Menschen, deren zu Hause durch die Flut massiv beschädigt wurde, immer noch in Übergangswohnungen oder anderen Orten. Auch können einige Kirchen weiterhin nicht genutzt werden. In Bad Neuenahr-Ahrweiler etwa finden Gottesdienste stattdessen in Kapellen oder kleineren Kirchen statt, in Rech in einem Kirchenzelt.

Sehnsucht nach Aufbruch ist groß

Viele Menschen erlebten die Lage als belastend, weil es auch neun Monate nach der Flut vielfach nur in kleinen Schritten vorwärtsgehe. Aus einem Pfarrbüro heißt es: "Wer bis jetzt durchgehalten hat, der fängt nun an zu bröckeln." Emotionalität und Sensibilität seien groß.

Die Pfarreiengemeinschaft Altenahr richtet sich mit einer Osterbotschaft an die Gemeinde und stellt die kommenden Tage unter das Leitwort: "Ein ganzes Tal sehnt sich nach Auferstehung...danach, dass Leid, Tod und Zerstörung nicht das letzte Wort haben." Das Seelsorgeteam schreibt: "Viele von Ihnen haben seit dem letzten Osterfest schmerzliche Erfahrungen erlebt, die niederdrücken, Lebensfreude und Lebendigkeit zerstören."

Pfarreiengemeinschaft Altenahr

"Ein ganzes Tal sehnt sich nach Auferstehung"

Die Osterbotschaft lade ein, den Blick auf Jesus zu richten. "Wir wünschen Ihnen, dass sie erste Schritte auf dem Weg in ein neues Leben gehen können, dass neue Lebensfreude und Lebenskraft aufblühen; dass Sie neue Lebendigkeit und Zuversicht erfahren dürfen."

Auch besondere Aktionen geplant

Es gebe Gemeindemitglieder, die für sich eine Perspektive Richtung Neuanfang und Wiederaufbau sehen und damit bald beginnen könnten, sagte Gemeindereferentin Manuela Kremer-Breuer. Genauso viele Menschen wüssten allerdings bis heute noch nicht, ob sie ihr Haus abreißen müssten und wie ihre Zukunft aussehen werde. Das Seelsorgeteam arbeite daran, "dort wo es geht ein Stück Hoffnung zu schenken und vor allem Sicherheit".

Neben traditionellen Andachten, Gebeten und Gottesdiensten gibt es besondere Aktionen. Beispielsweise sind unter dem Leitwort "Ostern anders feiern" Interessierte in die Kirche in Dümpelfeld eingeladen. Die Pfarrei Bad Neuenahr-Ahrweiler lädt zu einem "Karfreitag anders" in die Kelterhalle der Dagernova ein.

In der Pfarreiengemeinschaft Altenahr startet in den Kartagen das Projekt "Ahrtalkreuz". In der Kirche in Altenahr können sich Kinder zudem eine Osterbasteltüte mit Materialien zu den Kar- und Ostertagen abholen.

Experten vor Untersuchungsausschuss zu Flutkatastrophe

In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 war es im nördlichen Rheinland-Pfalz zu einer Flutkatastrophe gekommen. Dabei starben 135 Menschen, 134 davon im Ahrtal. Hunderte wurden verletzt und weite Teile des Tals verwüstet.

Ahrtal Flutkatastrophe Ahr Ufer Dernau Zerstörung / © Boris Roessler (dpa)
Ahrtal Flutkatastrophe Ahr Ufer Dernau Zerstörung / © Boris Roessler ( dpa )
Quelle:
KNA