Erste katholische Pfarrgemeinden legen Bilanzen vor

"Die Finanzlage darf nicht geheim bleiben"

Die Kirche bemüht sich bei ihren Finanzen um Transparenz. Nach den Bistümern legen nun auch die ersten Pfarreien Bilanzen vor - keine leichte Aufgabe.

Finanzen: Für die Gemeinden viel Aufwand / © Opitz (KNA)
Finanzen: Für die Gemeinden viel Aufwand / © Opitz ( KNA )

Stefan Eckert kennt sich aus mit Zahlen. Als Ökonom engagiert er sich für den Kirchenvorstand, der die wirtschaftlichen Belange seiner Gemeinde regelt. Lange spürte der 53-Jährige Unbehagen in seinem Ehrenamt. Wie in vielen katholischen Gemeinden üblich, legte auch Sankt Jacobus in Hilden einmal im Jahr für wenige Tage einen Jahresabschluss zur Einsicht aus. Doch mit diesem althergebrachten System der Information haben Eckert und seine Mitstreiter in der Gemeinde gebrochen.

Für ihn geht es - gerade auch nach dem Finanzskandal im Bistum Limburg - um die Glaubwürdigkeit von Kirche. "Die traditionellen Jahresabschlüsse habe ich nicht verstanden - trotz kaufmännischer Ausbildung." Und wie solle da erst jedes Gemeindemitglied durchsteigen, zumal sich darin unverständliche Begriffe wie "Fabrikfonds" fänden und ein Plus als Minus zu verstehen ist. Mit dem Kirchenvorstand hat Eckert einen Vorstoß unternommen, für die Kirchenbasis Klarheit zu schaffen: Sankt Jacobus in Hilden ist die erste Kirchengemeinde im Erzbistum Köln, die einen Finanzbericht nach den allgemein üblichen Regeln des Handelsrechts erstellt und - gespickt mit vielen Erklärungen - veröffentlicht hat.

Licht ins Dunkel

Nach dem Fall Tebartz-van Elst bemüht sich die Kirche darum, ihre Finanzen und Vermögen offenzulegen. Zahlreiche Bistümer, darunter auch die Kölner, legen nun regelmäßig testierte Bilanzen vor. Auf diesen Zug sind nun auch die ersten Pfarreien aufgesprungen, um auf ihrer Ebene Licht ins Dunkel zu bringen.

Einzelne Kirchenvorstände verwalteten ihre Finanzen im stillen Kämmerlein - und das habe sicher auch oft mit Macht zu tun, merkt Eckert an. "Zwar gehören Personalangelegenheiten nicht an die Öffentlichkeit. Die Finanzlage darf aber grundsätzlich nicht im Geheimen bleiben." Und so können die Hildener jederzeit nachlesen, dass der Kirchenvorstand 2013 ein Vermögen von rund 7,8 Millionen Euro steuert - und dennoch nicht im Geld schwimmt. Oder dass die Gemeinde neben vier Pfarrkirchen und drei Pfarrzentren auch noch 11 Mietgebäude, 72 Erbbaugrundstücke und 38.000 Quadratmeter Weideland und Wald besitzt. Laut Bericht für 2013 dienen die Erträge aus Vermietungen und Grundvermögen aber wesentlich zum Unterhalt der anderen Gebäude. Zudem würden sie zu 70 Prozent auf die Kirchensteuerzuweisungen angerechnet. Will heißen: Die Kirchengemeinde kann nur über 30 Prozent ihrer Einnahmen frei verfügen - etwa für das neue Pfarrzentrum.

Hilfe von Ehrenamtlichen und vom Bistum

Die Erstellung der Bilanz ist komplex, wie Eckert, im Hauptberuf Geschäftsbereichsleiter bei einem Kölner Unternehmen, erfahren hat. Während ein Bistum sein Zahlenwerk mit einem breiten Stab hauptamtlicher Mitarbeiter zusammenträgt, sind die Pfarreien auf die Tatkraft Ehrenamtlicher angewiesen. Immerhin machten in Hilden noch drei Finanzfachleute mit. Und: Unterstützung gab und gibt es seitens der Erzdiözese: Die "Abteilung Finanzen & Controlling im Seelsorgebereich" begleitet Gemeinden dabei, eine Berichterstattung auf die Beine zu stellen.

Deren Leiter Holger Richter mit seinem Team hat schon Starthilfe für sieben weitere Finanzberichte gegeben; 35 andere Pfarreien haben ihr Interesse daran bekundet. Richter macht keinen Hehl daraus, dass ein solches Projekt "enorm viel Zeit" - vier bis acht Monate - und eine Projektgruppe mit Vertretern aus Kirchenvorstand, Pfarrgemeinderat und Seelsorgeteam braucht. Zunächst gehe es darum, einen Zeitplan zu erstellen und dabei zu entscheiden, wie umfassend der Finanzbericht ausfallen soll. Stehen mehr Zahlen im Mittelpunkt? Oder will die Gemeinde bei der Aufstellung von Erträgen und Aufwendungen einmal ihre pastoralen Aktivitäten beschreiben? Diese Rechenschaft sei arbeitsintensiver, biete aber eine viel bessere Basis für die Darstellung und Planung der pastoralen Angebote, so Richter.

Nicht zuletzt komme es auch darauf an, dass die für die Buchführung verantwortliche Rendantur die Zahlen zuliefert. Sie zu bekommen, war die größte Schwierigkeit, blickt Eckert zurück. Gespannt ist er auf die nächste Bilanz-Runde: Dann sollen auch die Immobilien und Flurstücke, die bisher mit einem Buchwert von einem Euro berücksichtigt wurden, taxiert werden.

Quelle:
KNA