Erste Biografie über Kardinal Höffner erschienen - Kardinal Meisner würdigt Vorgänger

Mitgestalter der sozialpolitischen Nachkriegsordnung

Über den beliebten Kölner Kardinal Joseph Höffner (1906-1987) ist erstmals eine Biografie erschienen. Sein Nachfolger Kardinal Joachim Meisner stellte den ersten von zwei Bänden am Donnerstag in Köln vor. Das Buch von Domkapitular Norbert Trippen schildert Höffners Weg zum christlichen Sozialwissenschaftler, bevor er 1962 die Leitung des Bistums Münster übernahm und 1969 nach Köln wechselte.

 (DR)

«Die ersten 56 Jahre, bevor er Bischof wurde, sind nur wenigen bekannt», so Meisner. Doch Höffner sei nicht nur als Bischof bedeutend gewesen, sondern auch «als Priester und Wissenschaftler». Trippen würdigte Höffner als wichtigen Mitgestalter der sozialpolitischen Nachkriegsordnung in Deutschland. Er habe großen Anteil an der Rentenreform von 1957 und an politischen Entscheidungen zu Wohnungsbau- und Familienpolitik gehabt. Seine Kompetenz und Unbestechlichkeit hätten ihn zum gefragten Gesprächspartner von Arbeitgebern, Gewerkschaftlern und Politikern gemacht, so der Domkapitular. Höffners Buch zur Christlichen Soziallehre sei in vielen Auflagen und Sprachen erschienen. Aus heutiger Sicht könne man ihn als «Workaholic» bezeichnen, sagte Trippen. Ein «Verhältnis zur Muße» habe er nicht gekannt. Vielmehr habe Höffner, der von 1951 bis 1962 Professor in Münster war, auch im Urlaub an Referaten und Manuskripten gearbeitet. In der NS-Zeit rettete Höffner gemeinsam mit seiner kürzlich verstorbenen Schwester Helene Hesseler-Höffner Juden das Leben, wie Trippen hervorhob. Eine Überlebende war 2007 von Kardinal Meisner nach Köln eingeladen worden. Trippen arbeitet derzeit am zweiten Band der Biografie, die im Paderborner Schöningh Verlag erscheint. Das Buch basiert auf Höffners Briefen und Aufzeichnungen. Der Nachlass lagert im Kölner Diözesanarchiv auf 100 Regalmetern. An der Buchvorstellung nahmen Höffners letztverbliebene Schwester Elisabeth teil. Der erste Biografieband beginnt mit Höffners Kindheit und Jugend im Westerwald, wo er 1906 in Horhausen als Bauernsohn geboren wurde. Es folgen Kapitel über das Studium an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom, die Priesterweihe 1932, die Zeit als Seelsorger an der Mosel und weitere Studien in Freiburg und Trier. Höffner wurde vier Mal promoviert und ein Mal habilitiert. Trippen legt außerdem die Zeit als Professor in Münster von 1951 bis 1962 dar. Er beschreibt des weiteren Höffners zahlreiche Engagements in der Politik, im Bund Katholischer Unternehmer (BKU), bei der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle in Mönchengladbach, in der Görres-Gesellschaft, bei der Gründung der Ruhr-Universität Bochum sowie seine Forschungsarbeiten aus dieser Zeit. Hinweis:Norbert Trippen, Joseph Kardinal Höffner (1906-1987). Band 1 Lebensweg und Wirken als christlicher Sozialwissenschaftler bis 1962. Paderborn Verlag Ferdinand Schöningh 2009, 34,90 Euro.