Papst Franziskus gewährt Erzbischof Heße Auszeit

Erste Antwort aus dem Vatikan

Papst Franziskus hat dem Hamburger Erzbischof Stefan Heße auf seinen angebotenen Amtsverzicht eine erste Antwort gegeben. Dem Schreiben an Erzbischof Heße ist eine Medieninformation beigefügt, die auch vom Vatikan veröffentlicht wird.

Erzbischof Stefan Heße / © Lars Berg (KNA)
Erzbischof Stefan Heße / © Lars Berg ( KNA )

Sie lautet: "Papst Franziskus hat dem Erzbischof von Hamburg, S.E. Mons. Stefan Heße, eine Auszeit gewährt. Während seiner Abwesenheit wird der Generalvikar, Mons. Ansgar Thim, die ordnungsgemäße Verwaltung der Erzdiözese sicherstellen."

Weitere Informationen lägen nicht vor, sagte ein Sprecher des Erzbistums Hamburg. Der Papst habe aus seiner Sicht die Schritte bestätigt, die das Erzbistum bereits unternommen habe. Die Frage, wann Papst Franziskus den angebotenen Rücktritt von Erzbischof Heße annimmt, ist damit weiterhin offen. Aus dem Vatikan gab es am Montag zunächst keine Verlautbarung zu dem Thema.

Erzbischof Heße: Habe keinen Plan B in der Tasche

Nach seinem Rücktrittsgesuch hatte der Hamburger Erzbischof Stefan Heße am 19. März weitere Gründe für diesen Schritt erläutert. "Wesentlich ist für mich, dass ich mich der Verantwortung für mein damaliges Handeln stelle", schreibt der 54-Jährige in einem Brief an die Kirchengemeinden.

"Ich übernehme meine Verantwortung für damalige Fehler und das Versagen des Systems." Seine Entscheidung sei ihm nicht leicht gefallen. Dennoch halte er sie für die einzig angemessene und sinnvolle. Wie sein Weg nun weitergehe, wisse er nicht. "Ich habe keinen Plan B in der Tasche."

Heße hatte am zuvor Papst Franziskus in einer persönlichen Erklärung seinen Amtsverzicht angeboten und um die sofortige Entbindung von seinen Aufgaben gebeten. Zuvor war im Erzbistum Köln, wo Heße früher tätig war, ein belastendes Missbrauchsgutachten vorgestellt worden. Es wirft Heße elf Pflichtverletzungen im Umgang mit neun des Missbrauchs beschuldigten Klerikern vor.

Nie an Vertuschung beteiligt

Heße bekräftigte, sich nie an Vertuschung beteiligt zu haben. "Es bedrückt mich sehr, wenn durch mein Verhalten Betroffenen ein weiteres Mal Leid zugefügt worden ist." Für ihn sei immer selbstverständlich gewesen bei der Aufarbeitung im Rahmen der beiden Kölner Untersuchungen mitzuwirken. "Aufklärung und Aufarbeitung sind das Gebot der Stunde."

Heße dankte den norddeutschen Katholiken für das Vertrauen, das sie ihm in den vergangenen Jahren entgegengebracht haben. "Ich bin im Norden wirklich heimisch geworden."

Heße ist seit 2015 Erzbischof von Hamburg und war zuvor ab 2006 Personalchef und von 2012 bis 2015 Generalvikar im Erzbistum Köln.

Der 54-Jährige ist der erste deutsche Diözesanbischof, der im Zuge des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche sein Amt verlieren könnte. Über das Rücktrittsgesuch und die Bitte um Entpflichtung muss der Papst entscheiden.

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