Katholischer Physiker zum Tode von Stephen Hawking

"Er hatte noch so viel zu sagen"

Der weltberühmte britische Astrophysiker Stephen Hawking ist im Alter von 76 Jahren gestorben. Der deutsche katholische Physiker Michael Grün mit einer Würdigung.

Der Astrophysiker Stephen Hawking ist in seinem Haus in Cambrige verstorben / © Philip Toscano (dpa)
Der Astrophysiker Stephen Hawking ist in seinem Haus in Cambrige verstorben / © Philip Toscano ( dpa )

DOMRADIO.DE: Was haben Sie gedacht, als Sie vom Tod Hawkings erfahren haben? 

Michael Grün (Physiker und Bruder des Benediktinermönchs Anselm Grün):  Ich war zunächst einmal erschrocken, obwohl man eigentlich damit rechnen musste. Aber man fühlt sich immer ein bisschen betroffen, wenn ein Mensch stirbt, der noch so viel zu sagen hatte. 

DOMRADIO.DE: Wie werden Sie Hawking in Erinnerung behalten? 

Grün: Als einen Wissenschaftler, der sich nicht begnügt hat mit dem Aufstellen von Gesetzen, sondern als einen Wissenschaftler, der auch versucht hat hinter die Geheimnisse zu kommen. Warum existiert das Weltall? Warum ist es so, wie es eben ist? 

DOMRADIO.DE: Welche Bedeutung hat Hawking für die Astrophysik? 

Grün: Er ist einer von vielen bedeutenden Astrophysikern. Seine vielleicht größte Überlegung ist, warum gibt es Schwarze Löcher? Was ist ein Schwarzes Loch? Was passiert in einem Schwarzen Loch? Sind die Schwarzen Löcher, das Endstadium unseres Universums? Also ein grausamer Tod unseres Universums? Seine berühmteste Entdeckung  ist vielleicht, dass ein Schwarzes Loch etwas abstrahlt, und das ein Schwarzes Loch doch nicht das Ende sein muss, sondern dass es wieder vergehen kann. 

DOMRADIO.DE: Hawking hat davor gewarnt, dass künstliche Intelligenz das Ende der Menschheit herbeiführen kann. Teilen Sie diese Sorge?

Grün: Ja, diese Sorge teile ich schon. Die Entwicklung der Computer zeigt, dass wir noch längst nicht am Ende sind, sondern dass wir irgendwann auf Computer bauen können, die sowas ähnliches haben wie ein Bewusstsein, die sich dann verselbstständigen können und die aufgrund ihrer schnellen Arbeitsweise uns Menschen weit überlegen sein werden. Computer, die durch ihre Verselbstständigung sich als uns überlegen erweisen, können damit auch das Ende unserer Menschheit herbeiführen.

DOMRADIO.DE: Sie haben gemeinsam mit Ihrem Bruder das Buch "Gott und die Quantenphysik" veröffentlicht, in dem es vereinfacht gesagt, um die Vereinbarkeit von Gott/Religion und Wissenschaft geht. War das auch für Hawking ein Thema?

Grün: Das war für Stephen Hawking ein sehr wichtiges Thema, aber ihm fehlte vielleicht das Vertrauen an einen Gott zu glauben. Er meinte, die physikalischen Gesetze sind das Urprinzip. Von Hawking kommt auch das Zitat: „Man kann nicht beweisen, dass Gott nicht existiert, aber die Wissenschaft macht Gott überflüssig“. Also die physikalischen Gesetze sind für ihn das Wichtigere. Und woran er stehen geblieben und nicht weiter gekommen ist, ist vielleicht die Frage: Warum sind die physikalischen Gesetze so wie sie sind? Gibt es nicht einen Grund hinter den physikalischen Gesetzen, etwas dass die physikalischen Gesetze genauso gemacht hat, dass wir Menschen entstehen konnten?

Das Gespräch führte Hilde Regeniter. 

Michael Grün / © Gabi Grün (privat)
Michael Grün / © Gabi Grün ( privat )
Stephen Hawking trifft Franziskus / © L'osservatore Romano / Handout (dpa)
Stephen Hawking trifft Franziskus / © L'osservatore Romano / Handout ( dpa )
Quelle:
DR