Beide Seiten hatten sich unter Vermittlung des ehemaligen Kölner Oberbürgermeisters Fritz Schramma (CDU) auf eine weitere Zusammenarbeit geeinigt. Schramma wertete die Einigung als gutes Zeichen für die Stadt.
Die in den vergangenen Tagen erzielte Vereinbarung klammert laut Schramma die gegenseitigen Ansprüche aus, die beide Seiten geltend gemacht hatten. Die Streitpunkte sollen demnach in einem selbstständigen Beweisverfahren gerichtlich geklärt werden. Alle Beteiligten hätten den Willen bekundet, dass Projekt fortzusetzen. Schramma zufolge ist mit einer Fertigstellung der Moschee im Stadtteil Ehrenfeld voraussichtlich im Juli oder August zu rechnen.
Meinungsverschiedenheiten bleiben
"Ich bin sehr froh heute, dass wir zu einem positiven Ergebnis gekommen sind", sagte der DITIB-Vorsitzende Ali Dere. Bei einem Bauvorhaben dieser Größenordnung könnten Schwierigkeiten auftreten. "Das ist ein Projekt von Böhm, und das soll auch so bleiben", sagte Dere zu Vorhaltungen, die DITIB haben vom Böhm-Entwurf abweichende Vorstellungen durchsetzen wollen. Er betonte, dass der Architekt sogar in die Ausgestaltung des Gebetsraums einbezogen werde, obwohl dies zuvor vertraglich nicht vereinbart gewesen sei.
Böhm sagte: "Was wir jetzt erreicht haben, ist ein sehr zartes Pflänzchen." Es gebe jedoch weiter Meinungsverschiedenheiten über die bisherige Bauausführung. Der Architekt sagte, er sei weiter in die architektonischen und künstlerischen Aspekte des Baus einbezogen. Zur strittigen Frage, ob die helle Sandsteinfarbe der Betonfassade in weiß geändert werde, sagte Böhm: "Die Oberfläche der Baufassade wird nicht grundsätzlich infrage gestellt."
Gestiegene Baukosten
Die DITIB hatte dem Architekten im Oktober massive Baumängel, explodierende Kosten und Uneinsichtigkeit vorgeworfen. "Als Künstler hat Herr Böhm brilliert, als Baumeister hat er leider versagt", hatte die DITIB erklärt und den Vertrag mit Böhm für aufgelöst erklärt. Ein von der DITIB beauftragtes Sachverständigenbüro hatte mehr als 2.000 Baumängel aufgelistet.
Böhm hatte dagegen dem DITIB-Vorstand vorgeworfen, auf Konfrontation zu setzen. So seien in dem Gutachten Mängel benannt worden, obwohl die Baumaßnahmen noch nicht fertiggestellt und abgenommen gewesen seien. Kostensteigerungen beruhten auf Änderungswünschen der DITIB. Böhm hatte 2005 den Architekturwettbewerb der DITIB gewonnen. Nach seinem Entwurf wird die repräsentative Moschee in Köln-Ehrenfeld mit zwei 55 Meter hohen Minaretten und einer 36,5 Meter hohen, halbtransparenten Kuppel gebaut. Die gestiegenen Baukosten werden mittlerweile auf insgesamt 34 Millionen Euro veranschlagt.
Einigung im Kölner Moscheebaustreit erzielt
Ehrenfelder Frieden
Im Streit um den Kölner Moscheebau wird der im vergangenen Jahr gekündigte Architekt Paul Böhm das Projekt der Türkisch-Islamischen Union weiter beratend begleiten. Die Bauleitung wird Böhm jedoch nicht wieder übernehmen, wie DITIB und Böhm am Freitag in Köln gemeinsam erklärten.
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