Eine theologische Betrachtung zum Fest Verklärung des Herrn

Offenbleiben für die Begegnung mit Christus

Auf dem Berg Tabor hatten die Jünger ein überwältigendes Erlebnis: Sie erkannten Jesu göttliches Wesen. Wie die Apostel sind auch wir eingeladen, uns durch die persönliche Begegnung mit Christus verwandeln zu lassen.

Darstellung des ans Kreuz genagelten Christus in einer Wegkapelle, Heiligenhäuschen, in Bonn / © Harald Oppitz (KNA)
Darstellung des ans Kreuz genagelten Christus in einer Wegkapelle, Heiligenhäuschen, in Bonn / © Harald Oppitz ( KNA )

"Es gibt Leben auf dem Mond": Das war die Schlagzeile einer großen amerikanischen Zeitung im August 1835. Angeblich, so hieß es dort, hatte ein Astronom mithilfe eines seiner Teleskope beobachtet, dass es auf dem Mond Menschen gibt. Eine Sensation, die damals viele begeisterte Anhänger fand. Ganze sechs Zeitungsartikel umfassten die Berichte über diese einmalige Entdeckung, bis man schließlich einen knappen Monat aufdeckte: "Der große Mond-Schwindel", wie er fortan genannt wurde, war nichts anderes als heiße Luft. Eine gut ausgedachte Story - vielleicht, um neue Leser zu gewinnen oder um die Sensationsgier mancher Menschen zu stillen.

"Augenzeugen seiner Macht und Größe"

Ganz anders hört sich das an, was wir am Fest der Verklärung des Herrn in der Lesung hören. Dort, im zweiten Petrusbrief, heißt es: "Wir sind nicht klug ausgedachten Geschichten gefolgt, als wir euch die machtvolle Ankunft unseres Herrn Jesus Christus kundtaten, sondern wir waren Augenzeugen seiner Macht und Größe." (1,16)

Diese Worte sind Simon Petrus in den Mund gelegt, aber sie gelten zugleich für alle Menschen, die Jesus gefolgt sind. Sie sind nicht auf irgendwelche Zeitungs-"Enten" hereingefallen. Sie haben sich auch nicht vom Hörensagen auf etwas eingelassen, von dem sie gar nicht wussten, was es überhaupt ist, weil es als viel zu klug und abgehoben gilt.

Kluge Geschichten haben sie nicht gebraucht, die Menschen, die Jesus nachgefolgt sind. Aber etwas anderes ist umso wichtiger: nämlich selbst zu sehen, die eigene Erfahrung, die Begegnung, Augenzeuge zu sein. Das ist das Entscheidende, worauf es ankommt für die Menschen, die Jesus nachfolgen. Nicht irgendwelchen Geschichten zu folgen, sondern ihm persönlich zu begegnen, sich von ihm berühren zu lassen.

Gott selbst hat seinen Sohn geschickt

Die Apostel damals haben das am eigenen Leib erlebt: Jesus ist auf sie zugegangen, er hat sie gerufen - weg von ihren Netzen und mitten hinein in den Dienst für die nahegekommene Gottesherrschaft. Sie haben ihn gesehen, und sie haben die Stimme gehört, die vom Himmel gerufen hat: "Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe."

So haben sie erkannt, dass dieser Mensch aus Nazareth wirklich der Christus ist, der Sohn Gottes, der in diese Welt gekommen ist, um sie zu retten und zu erlösen. Die Geschichte von Jesus, dem Christus, hat sich kein eifriger Zeitungsreporter ausgedacht, um die Menschen in die Irre zu führen. Gott selbst hat seinen Sohn geschickt, um den Menschen Anteil zu geben an seinem ewigen Leben.

Deshalb ist es wirklich glaubhaft, was Christus sagt. Deshalb dürfen wir auf ihn vertrauen - in allen Wechselfällen des Lebens. Er trägt und hält uns, er steht an unserer Seite, egal, was uns auch zustoßen mag. Seine Worte sind keine heiße Luft und kein Gute-Nacht-Märchen. Es sind Worte, die Geist und Leben sind, die uns Menschen tragen können, auch dann, wenn es scheinbar keinen Halt mehr gibt.

Sohn des lebendigen Gottes

Am Fest der Verklärung des Herrn feiern wir, dass Jesus wirklich der Christus ist. Er ist der Sohn des lebendigen Gottes. Diese Botschaft erzählt er den Jüngern nicht nur, sondern sie dürfen es selbst sehen, es selbst erleben: Sie werden zu Augenzeugen seiner Herrlichkeit, als sie auf dem Berg Tabor stehen und er ganz im Licht Gottes erstrahlt. Da gehen ihnen die Augen auf und sie erkennen: Ein Leben mit Jesus kann tragen, weil er "wie ein Licht ist, das an einem finsteren Ort scheint, bis der Tag anbricht" (2 Petr 1,19).

Die Schriftlesung aus dem zweiten Petrusbrief (1,16-19) ist eine Einladung: Wir sollen uns nicht von irgendwelchen Erzählungen beunruhigen oder verwirren lassen. Sondern wir sollen offen bleiben für die Begegnung mit Christus. Wir sollen uns einlassen auf ihn und unser Leben mit ihm teilen. Auch wir sind eingeladen, Augenzeugen zu werden und sein Wirken zu erkennen; zu sehen, wie er seine Liebe, seine Güte, seine Menschenfreundlichkeit auch in dieser Welt und Zeit mit uns teilt. Denn als Herr über Zeit und Ewigkeit bleibt er gegenwärtig, ist er da, bleibt er an unserer Seite. Darauf dürfen wir vertrauen und unser Leben aufbauen.

Autor/in:
Fabian Brand
Quelle:
KNA