Eine theologische Betrachtung zu Petrus und Paulus

Selbst zu Boten werden

Bei manchen Vorbildern liegt die Messlatte so hoch, dass man erst gar nicht wagt, ihnen nachzueifern. Das Fest Petrus und Paulus lädt dazu ein, sich dennoch auf den Weg zu machen. Doch was steckt hinter dem Anlass?

Darstellung der Apostel Petrus und Paulus / © KNA/Gerlinde Pfirsching (KNA)
Darstellung der Apostel Petrus und Paulus / © KNA/Gerlinde Pfirsching ( KNA )

"Angli sunt, Angeli fiant - Angelsachsen sind sie, Engel sollen sie werden": So soll Papst Gregor der Große einmal gesagt haben, als er sich besonders der Missionierung der Engländer zuwandte.

Immerhin sollte auch den Angelsachsen das Evangelium vom auferstandenen und in den Himmel aufgefahrenen Herrn verkündet werden. Engel werden sie sein, die Engländer, wenn sie das Evangelium, wenn sie sich taufen lassen, wenn sie sich zum christlichen Glauben bekennen: Das war jedenfalls die Vorstellung, die der Papst im ausgehenden 6. Jahrhundert hatte. Und eines war Gregor der Große auf jeden Fall: ein Kirchenvater, dem es ein Anliegen war, das Evangelium zu verkünden.

Beide waren keine Angelsachsen

Priester beim Gottesdienst an Peter und Paul auf dem Petersplatz / © Gregorio Borgia (dpa)
Priester beim Gottesdienst an Peter und Paul auf dem Petersplatz / © Gregorio Borgia ( dpa )

Angelsachsen waren sie nicht, weder Petrus noch Paulus. Während Petrus ein Galiläer war, der wohl aus Betsaida am See Genezareth kam, stammte Paulus aus Tarsus in der Provinz Kilikien in der heutigen Türkei. Und trotzdem sind beide Engel geworden. Denn sie beide haben in ihrem Leben etwas erfahren, das sie völlig aus der Bahn geworfen hat.

Für Simon Petrus war es die Begegnung mit dem irdischen Jesus, der ihn in seine Nachfolge gerufen hat. Von Anfang an war er dabei, ist er Jesus nachgefolgt, hat mit ihm zusammen das Evangelium vom nahegekommenen Gottesreich verkündet. Und Paulus ist dem auferstandenen Herrn begegnet, der ihm im österlichen Licht erschienen ist. Eine Begegnung, die ihn buchstäblich aus dem Sattel und vom Pferd wirft, die ihn umhaut und den Grundstein legt, dass er zum Völkerapostel wird.

Engel sind sie, Petrus und Paulus - und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: Denn Engel bedeutet nichts anderes als Bote. Und Boten des Evangeliums vom auferstandenen und in den Himmel aufgefahrenen Herrn sind sie beide. Petrus und Paulus haben auf die ihnen eigene Art und Weise das Evangelium in der Welt verkündet.

Boten Christi

Franziskus, Petrus und Paulus / © kna-bild (KNA)
Franziskus, Petrus und Paulus / © kna-bild ( KNA )

Von Petrus hören wir, dass er gar eingekerkert wurde und erst von einem Engel aus dem Gefängnis befreit wurde. Und eindrucksvoll sind die Missionsreisen des Paulus: So viele Leiden und Mühen hat Paulus auf sich genommen, um Gemeinden zu gründen, um in so vielen Teil der damaligen Welt ein Bote Christi zu sein. Und auch Paulus endet schließlich als ein Gefangener: In Rom wird er in einer Mietswohnung festgehalten, wo er das Evangelium vom Reich Gottes "freimütig und ungehindert" verkündet (Apg 28,31).

Engel sollen sie werden: Petrus und Paulus sind solche Engel geworden, und zwar nicht erst im Himmel, sondern schon zu Lebzeiten. Der Evangelist Lukas, der auch die Apostelgeschichte geschrieben hat, formuliert schon sehr früh diesen Gedanken: In seiner Weihnachtsgeschichte erzählt uns Lukas davon, wie die Hirten von den Engeln die Frohe Botschaft von der Geburt des Kindes im Stall hören.

Und als die Hirten von der Krippe wieder weg zu ihren Herden, da sind sie selbst zu Engeln geworden, die Gott loben und preisen für das, was sie gehört und gesehen haben.

Jeder kann selbst zum Bote werden

Petrus und Paulus  / © Bibliotheque Nationale – Cabinet des Medailles, Paris
Petrus und Paulus / © Bibliotheque Nationale – Cabinet des Medailles, Paris

Mit anderen Worten: Der Evangelist sagt uns, wo Menschen das Evangelium verkünden - wo sie weitersagen, was sie selbst empfangen haben - dort werden sie zu Engeln. Dort werden sie zu Zeugen von Gottes Güte und Menschenfreundlichkeit, die mitten unter uns sichtbar und leibhaft in Christus Jesus erschienen ist.

Das Fest der Apostel Petrus und Paulus lädt uns ein, dass auch wir selbst zu Boten werden. Wir selbst hören die Botschaft von der nahegekommenen Gottesherrschaft immer wieder. Aber wir sollen sie nicht nur hören, sondern auch weitersagen. Zeugen Christi zu sein, heißt: Zeugnisgeben von ihm und von seinem Evangelium.

Mit Petrus und Paulus haben wir zwei herausragende Beispiele, wie das gelingen kann. Wie man jetzt in diesem Leben schon zu einem Engel wird, wenn man sich rufen lässt in die Nachfolge Jesu. Wenn man sich von ihm in Dienst nehmen lässt, um Gottes Reich hier auf dieser Erde schon anbrechen zu lassen. Dann ist die Welt heute schon ein bisschen himmlischer geworden. Dann wohnen die Engel nicht mehr nur droben im Himmel, sondern dann können wir schon hier und heute den Engeln begegnen, die mitten unter uns leben und uns schon jetzt das erfahren lassen, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben (1 Kor 2,9). 

Autor/in:
Fabian Brand
Quelle:
KNA