Eine theologische Betrachtung zu Mariä Geburt

"Zeichen der Hoffnung für die ganze Welt"

Über die familiäre Herkunft der Gottesmutter Maria ist wenig bekannt. Nachträglich wurde sie in die Reihe großer Glaubenspersönlichkeiten eingefügt. Eine Spurensuche zum Fest ihrer Geburt.

 Marienstatue
 / © Chaz Muth (KNA)
Marienstatue / © Chaz Muth ( KNA )

Ahnenforschung ist in aller Munde. Es gibt viele Menschen, die sich dafür interessieren, woher sie kommen und wer mit ihnen verwandt ist. So manche Überraschung kann es da schon geben, wenn man einmal Jahrhunderte zurückgeht.

Aber es kann auch durchaus etwas verwirrend sein, wenn man versucht, Generation um Generation zurückzuverfolgen und immer mehr Namen auftauchen, die man dann einordnen und sortieren muss. Nicht selten stößt man dabei auf ein Hindernis, weil man die Handschrift in einem Matrikelbuch nicht lesen kann oder weil man ein Archiv aufsuchen muss, das sich nicht in nächster Nähe befindet.

Wenn wir bei Maria, der Mutter Jesu, eine Ahnenforschung anstellen, dann wird sich schnell Ernüchterung einstellen. Denn vieles ist nicht genau bekannt über die Verwandtschaft Mariens. Die Evangelien erzählen nichts von ihrer Familie – nicht einmal, woher Maria stammt.

Kaum etwas zu Maria überliefert

Manchmal wird gesagt, dass Elisabeth, die Mutter von Johannes dem Täufer, die Base von Maria ist, also ihre Cousine. Aber so genau lässt sich auch das nicht feststellen, da der Evangelist Lukas über diese Verwandtschaftsbeziehung nichts erzählt.

Die frühen Christen haben sich nicht damit zufriedengegeben, dass man so wenig über Maria weiß. Und sie haben Geschichten aufgeschrieben, die über das Zeugnis der Heiligen Schrift hinausgehen: Dort heißt es, dass die Eltern von Maria Joachim und Anna hießen. Und es wird beschrieben, dass Joachim seine Tochter schon sehr früh in den Tempel gebracht hat, damit das Leben Mariens ganz und gar Gott geweiht ist.

Bis heute wird in Jerusalem auch der Ort der Geburt von Maria verehrt: Er befindet sich nicht unweit des Löwentores, in der Verlängerung der Via Dolorosa. In der Kreuzfahrerkirche Sankt Anna wird in der Krypta jener Ort gezeigt, an dem die heilige Anna ihre Tochter zur Welt brachte. An dieses Ereignis erinnert sich die Kirche jedes Jahr am 8. September, wenn sie das Fest der Geburt Mariens feiert.

Am Ende Jesu Stammbaum

Um Ahnenforschung geht es auch im Evangelium, das an diesem Festtag im Gottesdienst gelesen wird: der Stammbaum Jesu aus dem 1. Kapitel des Matthäusevangeliums. Viele Namen, manche von ihnen kennt man, andere klingen reichlich seltsam. Am Anfang des Stammbaumes steht Abraham, der Stammvater, und es folgen viele "Prominente" aus der langen Geschichte Israels: Rut oder die Könige Salomo und David. Und schließlich kommen Maria und Josef – jene beiden, die für die Kindheitsgeschichte Jesu von besonderer Bedeutung sind.

Wenngleich wir auch über Maria eigentlich gar nicht so viel wissen: Der Evangelist Matthäus nimmt sie hinein in die lange Geschichte Israels und fügt sie ein in die Reihe der großen Namen. Denn nun gehört auch Maria zu den Großen, denn Gott hat "auf die Niedrigkeit seiner Magd geschaut", so dass sie fortan alle Geschlechter seligpreisen, wie es im Magnificat heißt. So ist Maria die große Frau geworden, die am Ende des Stammbaumes Jesu steht und gewissermaßen die Scharnierstelle vom Alten zum Neuen Bund bildet. Sie ist diejenige, "die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ" (Lk 1,45).

Morgenröte des Heiles

Auch wenn wir offenkundig nicht viel Historisches über Maria, die Mutter Jesu, wissen, so dürfen wir uns doch dem Evangelisten Matthäus anschließen. Denn in seiner Ahnenforschung ist klar, wo Maria steht: Sie gehört zu den wichtigen Menschen in der langen Geschichte Israels, in der Heilsgeschichte Gottes mit seinem Volk hat sie einen zentralen Platz.

Und auch, wenn sie vielleicht mit den großen Persönlichkeiten nicht leiblich verwandt ist, sie steht doch auf einer Stufe mit ihnen. Denn Maria ist "die Morgenröte des Heiles und das Zeichen der Hoffnung für die ganze Welt", wie es im Schlussgebet ihres Geburtsfestes heißt.

Deswegen feiern wir sie: weil sie eine der großen Frauen in der Heilsgeschichte ist, die sich ganz auf Gott einlässt und mit ihm das Leben wagt. So ist sie nicht nur Vorbild, sondern auch ein Ansporn, offen zu bleiben für den Ruf Gottes und seine Spuren inmitten unserer Welt zu entdecken.

Autor/in:
Fabian Brand
Quelle:
KNA