Eine Ausstellung über heilkräftige Heilige

Sankt Blasius, hilf!

Kräftige Stimmen, den Rosenkranz andächtig sprechend, ertönen in dem in mystischem Blau gehaltenen Raum. Die zwölf Heiligen in den seitlichen Nischen vermitteln den Eindruck einer romanischen Kapelle. "Beten erlaubt - Berühren verboten", steht auf den Schildern - und das mitten im Deutschen Medizinhistorischen Museum in Ingolstadt.

Autor/in:
Barbara Just
 (DR)

Noch bis 5. April ist dort die Ausstellung "Heilige und Heilkunst" zu sehen. Das Gebet kommt aus dem Lautsprecher, die Figuren aber sind echt, geliehen aus Klöstern und Kirchen. Mehrere hundert Heilige kennt die katholische Kirche, die in bestimmten Fällen um Fürsprache angerufen werden. Handelt es sich um Halskrankheiten, ist der heilige Blasius gefragt. Damit es erst gar nicht so weit kommt, gibt es nach wie vor den Brauch, sich an seinem Namenstag, dem 3. Februar, den nach ihm benannten Segen spenden zu lassen. Bei der Zeremonie hält ein Priester zwei gekreuzte Kerzen vor den Kopf des Gläubigen.

Mit den Kerzen sowie mit Mitra und Stab ist auch die in der Schau zu sehende 83 Zentimeter große Figur aus dem 16. Jahrhundert ausgestattet. Blasius lebte Ende des 3. Jahrhunderts, war Bischof von Sebaste und Arzt. Als er sich weigerte, die alten Götterbilder anzubeten, ließ ihn der römische Statthalter hinrichten. Vor der Enthauptung, heißt es in seiner Legende, betete er darum, dass alle, die an einem Übel an der Kehle leiden und in seinem Namen um Heilung bitten, erhört werden. Darauf erklang eine Stimme vom Himmel, die ihm seine Bitte gewährte.

Ein furchtbares Martyrium durchlitt die heilige Apollonia. Ihre Peiniger brachen ihr im Jahr 249 die Zähne aus dem Kiefer heraus, dennoch sagte sie sich nicht von Christus los. Für die Gläubigen wurde die Frau zur Schutzfrau gegen Zahnschmerzen. Sie wird, wie die um 1900 entstandene Wachsfigur zeigt, meist drastisch mit einer Zahnreißzange abgebildet.

"Auch heute wenden sich Kranke an die Muttergottes"
Medizin und Religion verbindet mehr, als mancher glauben mag. Schon in der Antike hofften Kranke, etwa im Heiligtum des Asklepios, durch Opfer und Gebet göttliche Hilfe und Heilung zu finden. Die ärztliche Kunst mag inzwischen weiter sein, doch die Suche nach Trost und Beistand von oben im Krankheitsfall ist aktuell. "Auch heute wenden sich Kranke und ihre Angehörige an die Muttergottes und die Heiligen", sagt Museumsleiterin Marion Maria Ruisinger. Allein nach Lourdes pilgern jedes Jahr rund fünf Millionen Menschen. In der Volksfrömmigkeit lebt der Glaube an die Heilkraft des Fürbittgebets ungebrochen weiter.

In der Schau sind auch Votivgaben zu sehen, mit denen sich Gläubige traditionell für eine Gebetserhörung bedanken. Im Falle einer Heilung wird häufig der erkrankte Körperteil plastisch abgebildet.
Das können ein Gebiss aus Wachs oder die inneren Organe im Bauch aus Silber geformt sein. Auf einem Votivbild, das den Steinmetz Johann Michael Rössel zeigt, haben sich Ärzte und Bader am 20. Mai 1744 um sein Krankenbett geschart. Doch die Gesundheit wird ihm nicht von Menschenhand geschenkt, sondern von der heiligen Walburga. Von ihrem Fläschchen mit Walburgisöl fällt ein Gnadenstrahl auf die Hand Rössels.

Beipackzettel aus dem 18. Jahrhundert
Der "Ölfluss" tritt in den Wintermonaten an der Bodenplatte des Sarkophags der früheren Benediktineräbtissin in Eichstätt auf. Diese Flüssigkeit, bei der es sich chemisch um reines Wasser handelt, wird als "Walburgisöl" bezeichnet. Ordensfrauen füllen die Tautropfen bis heute in Flaschen ab - der ihnen zugeschriebenen Heilkraft wegen.

Zum Qurinius-Öl vom Tegernsee hat sich sogar ein Beipackzettel aus dem 18. Jahrhundert erhalten. Er nennt 19 Beispiele für die Anwendung des Mittels: von Kopfweh bis zu Viehkrankheiten. Über allem aber steht letztlich "Christus als Apotheker". Schon die frühen Kirchenväter förderten das Motiv von Jesus als dem Medicus. Ein von 1686 stammendes Ölbild aus der Apotheke des Ingolstädter Klosters Gnadenthal zeigt Jesus, wie er die Kreuzwurzel abwiegt. Im Zentrum aber steht der große Kelch mit der Hostie - die Hauptarznei für die Seele.