Ein Jahr nach Dammbruch an einer Eisenerzmine in Brasilien

 (DR)

Der Damm an der Mine Córrego do Feijão brach am 25. Januar 2019. Eine Schlammlawine rollte über Teile der Anlage und benachbarte Siedlungen nahe der Ortschaft Brumadinho im Bundesstaat Minas Gerais hinweg und begrub Menschen, Häuser und Tiere unter sich. Insgesamt 270 Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben. Die Leichen von 259 wurden bereits geborgen und identifiziert. Jetzt suchen die Einsatzkräfte nach den letzten elf Vermissten. Rund 3200 Feuerwehrleute beteiligten sich in den vergangenen zwölf Monaten an den Sucharbeiten. Sieben Millionen Quadratmeter wurden abgesucht.

Polizei und Staatsanwaltschaft wühlten sich während dessen durch Akten, Gutachten und Dokumente, um die Verantwortlichen für das Unglück zu identifizieren. Sie sammlten Millionen Dokumente, wie die Staatsanwaltschaft des Bundesstaats Minas Gerais mitteilte. Die Ermittlungen richteten sich vor allem gegen den Betreiber der Mine, den brasilianischen Konzern Vale, eines der größten Bergbauunternehmen der Welt, und das Tochterunternehmen des deutschen TÜV Süd, das kurz vor dem Dammbruch die Rückhaltebecken geprüft und für sicher befunden hatte.

Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft wurde das Zertifikat ausgestellt, obwohl dem TÜV der schlechte Zustand der Anlage und das Risiko bewusst waren. Ein verantwortlicher Prüfer hatte in Vernehmungen erklärt, sich von Vertretern des Minenbetreibers Vale unter Druck gesetzt gefühlt zu haben. Kurz vor dem Jahrestag hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen Vale, die Tochterfirma des TÜV Süd sowie 16 Mitarbeiter der beiden Firmen erhoben. Den Mitarbeitern von Vale und TÜV Süd Bureau de Projetos e Consultoria Ltda. werde Mord in 270 Fällen vorgeworfen, teilte die Staatsanwaltschaft von Minas Gerais mit. Die beiden Unternehmen werden auch wegen Umweltverschmutzung angeklagt.

(Quelle: dpa, 24.01.2020)