Wie Kolpingsfamilien die Flutopfer unterstützen

Ein Bett und frisch gekochter Kaffee

Der Sommer diesen Jahres wurde vom Hochwasser in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen überschattet. Hilfe kam von der Bundeswehr, Privatleuten und kirchlichen Organisationen – darunter Kolpingsfamilien des Diözesanverbands Köln.

Frisch gekochter Kaffee für die Flutopfer (shutterstock)
Frisch gekochter Kaffee für die Flutopfer / ( shutterstock )

DOMRADIO.DE: Es war der 14. und 15. Juli, als die Wassermassen erbarmungslos durch die Dörfer strömten. Wie lief das dann? Hat jemand aus der Zentrale in Köln bei Ihnen angerufen und gesagt, Herr Henze, machen Sie was?

Peter Henze (Kolpingsfamilie "Köln – Rund um Immendorf"): Ich wohne nicht weit weg von Erftstadt und Weilerswist. Das sind beides Orte, die von der Flut sehr betroffen sind. Es gab schon drei oder vier Tage nach der Flut über private Kontakte Anfragen für Mithilfe. Ich bin dann auch in zwei Haushalten gewesen und habe beim Aufräumen der Keller geholfen.

Kurz danach hatte die Kolping-Stiftung im Diözesanverband Köln zu Spenden aufgerufen und die Kolpingfamilien gebeten, geeignete Spendenempfänger zu finden. Weil ich in Metternich eine Familie schon sehr lange kenne, deren Haus durch die Flut unbewohnbar geworden ist, war da schon mal eine Ansprechpartnerin. Dann sind noch Familien aus der Nachbarschaft dazugekommen und es gab einen Kontakt zur Pfarrgemeinde in Erftstadt-Blessem, die dann Familien angesprochen haben. Von denen haben sich zwei gemeldet und da konnte dann auch eine Hilfe vermittelt werden.

In Erftstadt war es tatsächlich so, dass die Pfarrgemeinde auf die Familien zugegangen ist.

DOMRADIO.DE: Welche Hilfe konnten Sie denn als Kolpingfamilie ganz konkret leisten?

Peter Henze: Für die Familien, mit denen ich Kontakt habe, konnte in sehr kurzer Zeit finanzielle Unterstützung organisiert werden. Das waren dann bis zu 5.000 Euro pro Haushalt und das hat zwischen Aufnahme des Kontaktes und Auszahlung der Hilfe ungefähr drei Wochen gedauert.

Dann hat sich Mitte November auch über die Kolping-Stiftung eine Firma aus Gütersloh gemeldet, die Familien mit Sachspenden unterstützen wollte. Das Angebot ist auch bei mir angekommen. Das führte dann dazu, dass wir die zwei Tage vor Weihnachten noch unterwegs waren und Waschmaschinen, Laptops, Haushaltsgeräte und in einem Fall ein Trampolin an Familien ausliefern.

DOMRADIO.DE: Wenn Sie sich jetzt noch mal zurückversetzen In den vergangenen Sommer. Gibt es so einen ganz bestimmten Moment, der Ihnen einfällt, wenn Sie an die Flut denken?

Peter Henze: Ja. Es gab das Ehepaar, mit denen ich schon drei Tage nach der Flut Kontakt hatte. Die beiden sind ungefähr um die 80 Jahre alt und hatten dann nach der Flut ein paar Tage in ihren Sesseln im Wohnzimmer geschlafen. Wir hatten zu Hause noch ein Bett, das haben wir ihnen gebracht. Am nächsten Tag sind wir nochmal hingefahren, um den Keller aufzuräumen.

Meine Frau sagte, wir nehmen ihnen mal Kaffee mit, wenn die keinen Strom haben. Und dann saßen die beiden wirklich auf der Terrasse mit einer Flasche Wasser und wir kamen dann mit frisch gekochtem Kaffee. Man kann kaum beschreiben, welche Dankbarkeit einem da entgegenkommt. Das habe ich an verschiedenen Stellen erlebt. Immer wieder diese Aussage der Menschen: "Das tut so gut, dass Leute da sind, die sich kümmern und uns nicht vergessen". Es läuft ja immer noch weiter und ich gehe auch davon aus, dass noch weitere Hilfen vermittelt werden können in der nächsten Zeit. Das waren schon sehr bewegende Momente.

Dasd Interview führte Tobias Fricke.

Quelle:
DR
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