Ehemaliger Geschäftspartner verteidigt Kardinal Becciu

"Jeder wusste das"

Ein ehemaliger Geschäftspartner hat den entlassenen Kurienkardinal Giovanni Angelo Becciu in Schutz genommen. Dieser habe für ein Projekt in London eine Vollmacht von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin vorgelegt.

 Kardinal Giovanni Angelo Becciu 2018 im Vatikan / © Stefano Dal Pozzolo/Romano Siciliani (KNA)
Kardinal Giovanni Angelo Becciu 2018 im Vatikan / © Stefano Dal Pozzolo/Romano Siciliani ( KNA )

Dies sagte der italienische Finanzmanager Enrico Crasso (72) der Zeitung "Corriere della Sera". Der ehemalige Credit-Suisse-Mann war jahrelang im Auftrag des Vatikan tätig. Bei dem Projekt in London handelte es sich um ein umstrittenes Immobilieninvestment.

Crasso gab an, das vatikanische Staatssekretariat habe von der Anlage profitiert. "Von den 300 Millionen ist der Durchschnitt für die Jahre 2014 bis 2019 eine Rendite von 3 bis 4 Prozent pro Jahr", sagte er. Nach seinen Worten flossen auch Spenden katholischer Gläubiger aus dem sogenannten Peterspfennig über verschiedene Banken in Hedgefonds. "Jeder wusste das." Nun behaupte der Generalrechnungsprüfer des Vatikan, dass diese Gelder an wohltätige Zwecke gebunden gewesen seien. "Aber das wurde den Banken nie gesagt", sagte Crasso.

Becciu bestreitet Fehlverhalten

Becciu, von 2011 bis 2018 Substitut des vatikanischen Staatssekretariats und damit in einer personalpolitisch und wirtschaftlich einflussreichen Position, war vor einer Woche von seinem Amt als Heiligsprechungspräfekt zurückgetreten. Zugleich verzichtete er auf seine Rechte als Kardinal. Als mögliche Hintergründe ist von Beccius Rolle bei spekulativen Finanzgeschäften oder dem Vorwurf der Begünstigung von Familienangehörigen die Rede. Der Kardinal bestreitet ein Fehlverhalten.

Becciu ist unter anderem für die riskante Immobilieninvestition in Großbritannien mitverantwortlich. Dabei vertraute der Vatikan Recherchen zufolge weitgehend auf einzelne Geschäftsfreunde wie Enrico Crasso. Mit einem Betrag in dreistelliger Millionenhöhe wollte das vatikanische Staatssekretariat dringend benötigte Renditen erwirtschaften.

Quelle:
KNA