Pontifikalamt zum Fest der Erscheinung des Herrn

"Echt gibt es das Dreikönigsfest nur in unserem Kölner Dom"

Das ganze Jahr über ist der Dom mit seinem Dreikönigsschrein für Menschen von Nah und Fern Pilgerstätte. Am Fest Epiphanie sind es vor allem Kölner und Gläubige aus der gesamten Diözese, die den Weisen aus dem Morgenland die Ehre geben.

Hochfest Erscheinung des Herrn im Kölner Dom / © Beatrice Tomasetti (DR)
Hochfest Erscheinung des Herrn im Kölner Dom / © Beatrice Tomasetti ( DR )

Das lässt sich Domorganist Winfried Bönig nicht zweimal sagen. Ob man zum Abschluss nicht noch ein Lied singen könne und der Kirchenmusiker da nicht einen Vorschlag hätte, ruft Weihbischof Ansgar Puff Richtung Orgelempore, nachdem die Fernseh-Live-Übertragung aus dem Dom bereits beendet ist und er den Sternsingern, in deren Mitte er sich zum Abschluss noch einmal stellt, für ihren Einsatz – trotz Corona – gedankt hat. Und ob man das kann: Um keine Idee verlegen und als habe er nur auf ein solches Signal gewartet, zieht Bönig noch einmal alle Register. Und so stimmt die Gemeinde unter großem Orgelbrausen zum Auszug der vielen Messdiener und Geistlichen – darunter auch die zahlreichen Alumnen der beiden diözesanen Priesterseminare – ein feierliches „Oh du fröhliche…“ an. Ein Lied, das für Gänsehautfeeling und – schaut man ganz genau hin – bei dem einen oder anderen hinter der Maske auch für Freudentränen sorgt. Zu sehr sind angesichts der steigenden Infektionszahlen in den letzten Tagen und Wochen erneut Sorglosigkeit und Zuversicht einer vielerorts wieder spürbaren Bedrücktheit gewichen. Und da tut es gut, für einen Moment lang alle Ängste auszublenden und wie befreit aus voller Kehle mitzusingen.

„So etwas gibt es eben nur in Köln“, zeigt sich Christa Janßen sichtlich bewegt. Zum 27. Mal ist die alte Dame am Dreikönigstag mit dabei. Und immer in der ersten Reihe. Dafür stellt sie sich schon zeitig in die Einlassschlange, ist oft schon stundenlang vorher da. Die Hauptsache, sie hat freie Sicht auf den Altar und die kleinen Sternsinger in ihren bunten Gewändern, die am Ende die Menschen dazu einladen, sich solidarisch mit den Kindern in anderen Teilen der Erde zu erklären, wo diese keine ausreichende medizinische Versorgung haben, und für eine Spende tief in die Tasche zu greifen. „Es macht mich unbeschreiblich glücklich, an diesem Festtag hier zu sein“, sagt Janßen und packt ihr Tablet wieder ein, mit dem sie die Prozession aufgenommen hat, um bleibende Erinnerungen für daheim zu schaffen.

Besuch der Dreikönigsmesse im Dom als Tradition

Auch bei Jasmin Rodenbach hat der Gottesdienst mit Weihbischof Puff Spuren hinterlassen. „Eine solche Feier zu erleben ist unglaublich bewegend“, findet die 26-Jährige aus Zülpich. Als Erzieherin gehe ihr besonders der Auftritt der vielen kleinen Könige mit ihren funkelnden Kronen nahe. In ihrer Kindheit habe sie das als Tradition erlebt, jedes Jahr mit ihrer Oma am Dreikönigstag nach Köln zu fahren und aus diesem Jour fixe einen ganz besonderen Ausflug zu machen. In diesem Jahr sei es nun – umgekehrt – ihr Weihnachtsgeschenk an die Großmutter gewesen, nach einer längeren Pause wieder einmal wie früher dieses Fest in Köln zu verbringen. Ein voller Erfolg, denn die 72-Jährige schwärmt ganz begeistert: „Ich liebe diesen Tag, seit ich vor 20 Jahren das erste Mal mit meiner Enkelin hier dabei war, und ich liebe diese Feierlichkeit. So richtig echt gibt es das Dreikönigsfest doch nur in unserem Kölner Dom.“ 

„Das hat was“, meint auch Gerd Maaß aus Pulheim, der, seit er in Rente ist, gemeinsam mit seiner Frau Margret ebenfalls keinen Dreikönigsgottesdienst im Dom verpasst. „Schon als Kind war für mich diese Kirche etwas Besonderes. Vor jeder schweren Klassenarbeit habe ich hier eine Kerze angezündet. Und natürlich auch danach, wenn alles geklappt hat. Nach einer solchen Messe wie heute bin ich froh und beschwingt. Sie gibt mir ein Gefühl von Frieden.“

Sternsinger – ein Zeichen der Hoffnung

Voller Vorfreude auf den Gottesdienst waren auch Greta, Henrike und Toni Viktoria. Denn sie gehören in diesem Jahr zu den knapp 40 Kindern der Kölner Domsingschule, die als Caspar, Melchior und Balthasar verkleidet für notleidende Kinder in Ägypten, Ghana und dem Südsudan unterwegs sind. Als zukünftige Erstkommunionkinder sind sie von Schulseelsorger Burkhard Hofer intensiv auf ihren Sternsingereinsatz vorbereitet und mit den Missständen in diesen afrikanischen Ländern vertraut gemacht worden. „Das Geld ist ungerecht verteilt“, hat Toni Viktoria aus dem Kommunionunterricht behalten. „Gerade der Südsudan gehört zu den ärmsten Ländern weltweit. Hier müssen Kinder oft mitarbeiten, um Geld zu verdienen, und dabei verletzen sie sich oft.“ Henrike ergänzt: „Viele leiden an schrecklichen Krankheiten, Amputationen oder Brandwunden und haben kein Geld, um gut versorgt zu werden.“ Damit sich das ändere und sie anderen Kindern helfen könnten, wollten sie möglichst viele Spenden sammeln, erklärt Greta. Bei Hofer haben die Acht- und Neunjährigen gelernt, dass Gott zu Weihnachten den Menschen seine Liebe geschenkt hat und es nun bei ihrem Dienst darum gehe, diese Liebe weiterzuschenken, damit Weihnachten immer lebendig bleibt.

Greta, Henrike, Toni Viktoria und den vielen anderen Domsingschüler, die bereits am gestrigen Mittwoch und an diesem Donnerstag über den Tag verteilt Altenheime, die Oberbürgermeisterin, den WDR und auch das Erzbischöfliche Generalvikariat besuchen – um die Ansteckungsgefahr zu minimieren ihren Segen allerdings nur im Freien aufsagen – gilt der ausdrückliche Dank von Weihbischof Puff, als er sagt: „Ihr seid ein Zeichen der Hoffnung, denn Ihr bringt Licht in diese Welt.“

Weihbischof Puff: Wer das Dunkel aushält, sieht den Stern

In eine Welt, in der es – wie Puff in seiner Predigt betont – immer wieder ungerecht und unmenschlich zugehe. Wie oft werde geringschätzig oder verächtlich von Menschen gedacht oder gesprochen, stellt der Bischof fest. „Wie viele unschuldige Kinder werden missbraucht, wie viel Gewalt gibt es Frauen gegenüber, wie viel Hetze gegen Geflüchtete, wie viel Rassismus, Antisemitismus! Obdachlose werden in Köln nachts im Schlaf mit Farbe übergossen oder erfrieren in den Großstädten, Kinder auf der ganzen Welt hungern, Flüchtlinge kommen auf ihrer Flucht vor der Armut um. Das ist und bleibt ein Skandal!“, unterstreicht Puff.

Am Fest der Erscheinung des Herren feiere die katholische Kirche die Erfahrung, die die Weisen aus dem Morgenland gemacht hätten: Wer Gott sucht, findet ihn! Anders als die Schriftgelehrten in Jerusalem, die glaubten, alles im Griff, im Kopf und in ihren Bücherregalen zu haben, so der Weihbischof, stünden die Weisen aus dem Morgenland „für die Menschen, die das Dunkel aushalten und plötzlich einen Stern zu sehen. Sie verkörpern alle, die sich auf die Suche machen. Sie waren ja Gelehrte, die sich mit Sternkunde beschäftigten. Sie waren Menschen, die nach dem Größeren, nach Gott suchten. Sie suchten in ihrer eigenen Religion, schauten aber auch über den Tellerrand ihrer eigenen Kultur. Sie beobachteten die Zeichen ihrer Zeit; sie trugen im Herzen die Sehnsucht nach mehr, nach etwas anderem, ich würde sagen: nach dem Ewigen.“ 

Das Geheimnis der Gegenwart Gottes und seiner Menschlichkeit gehe nicht denen auf, die zufällig eine Bibel im Regal stehen hätten, mahnt Puff, sondern denen, die zu suchen beginnen würden. „Und suchen muss man ihn, auch heute noch.“ Doch dann lasse er sich gewiss finden. Schließlich sehe der den Stern, der das Dunkel aushalte.

Hochfest Erscheinung des Herrn im Kölner Dom / © Beatrice Tomasetti (DR)
Hochfest Erscheinung des Herrn im Kölner Dom / © Beatrice Tomasetti ( DR )
Hochfest Erscheinung des Herrn im Kölner Dom / © Beatrice Tomasetti (DR)
Hochfest Erscheinung des Herrn im Kölner Dom / © Beatrice Tomasetti ( DR )
Hochfest Erscheinung des Herrn im Kölner Dom / © Beatrice Tomasetti (DR)
Hochfest Erscheinung des Herrn im Kölner Dom / © Beatrice Tomasetti ( DR )
Hochfest Erscheinung des Herrn im Kölner Dom / © Beatrice Tomasetti (DR)
Hochfest Erscheinung des Herrn im Kölner Dom / © Beatrice Tomasetti ( DR )
Hochfest Erscheinung des Herrn im Kölner Dom / © Beatrice Tomasetti (DR)
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Hochfest Erscheinung des Herrn im Kölner Dom / © Beatrice Tomasetti ( DR )
Autor/in:
Beatrice Tomasetti
Quelle:
DR