Duisburger Pfarrer berichtet von erfolgreichem bürgerschaftlichen Engagement

Eine Welle von Solidarität und Hilfsbereitschaft

Bürgerschaftliches Engagement lohnt sich! Die Duisburger Kirchen haben erreicht, dass Flüchtlinge nicht in Zelten untergebracht werden. Der Duisburger Pfarrer Heiko Dringenberg spricht im Interview über den Erfolg und alternative Lösungen für die Flüchtlinge.

Zeltlager in Duisburg (dpa)
Zeltlager in Duisburg / ( dpa )

domradio.de: Warum ziehen nun doch keine Flüchtlinge in die Duisburger Zeltstadt?

Pfarrer Dringenberg: Das ist zumindest im Augenblick vom Tisch. Nach Aussagen der Stadt hat die Bezirksregierung Arnsberg die Zuweisung gestoppt. Wer letztlich dafür verantwortlich ist, dass es ein Einsehen gegeben hat, kann ich Ihnen nicht sagen. Aber wir sind froh, dass mit dem Stopp zumindest die unmittelbare Gefahr gestoppt ist, dass Flüchtlinge in den nächsten Wochen in Zelten in einer Seenplatte leben müssen.

domradio.de: Es könnte aber später doch noch der Fall sein?

Pfarrer Dringenberg: Wir haben noch keine präzisen Informationen, ob das Camp ganz vom Tisch ist. Heute gibt es in der Stadt eine Konferenz mit Wohlfahrtsverbänden und Stadtspitze, in der beraten wird, wie Wohnraum gefunden werden kann. Ich hoffe, dass es genügend Alternativen gibt, um dieses Thema ein für alle Mal vom Tisch zu bekommen.

domradio.de: Wo liegen denn die Alternativen?

Pfarrer Dringenberg: Ich kann nur für die Angebote sprechen, die auf der bürgerschaftlichen Versammlung in meinem Gemeindehaus gemacht worden sind. Seitens der katholischen Schwestergemeinde und der evangelischen Kirche konnte Wohnraum für 80 Menschen angeboten werden, ein stellvertretender Bezirksbürgermeister in Balsum hat zudem in Verhandlungen mit der Steag erreicht, dass 100 leerstehende Container, die für einen Kraftwerksbau errichtet worden sind, als Übergangslösung mit im Spiel sind.

domradio.de: Hat die Debatte um die Zeltstadt dazu geführt, dass künftig mehr über würdevolle Unterkünfte nachgedacht wird?

Pfarrer Dringenberg: Zumindest hat dieses Camp eines erreicht: die Mobilisierung der Bürgerschaft. Ich bin mir nicht sicher, ob eine ähnliche Welle von Solidarität und Hilfsbereitschaft im Stadtteil erfolgt wäre, wenn es sich um ein befestigtes Haus gehandelt hätte. Wir haben Erfahrungen mit Flüchtlingen in Walsum. Es gab 20 Jahre ein Asylbewerberheim, das in den letzten Jahren glücklicherweise leer stand, weil es nicht benötigt wurde. Dieses Haus ist abgebrannt und nicht wieder aufgebaut worden. Als dann im Stadtteil bekannt wurde, dass Menschen in Zelten untergebracht werden sollen, war hier die Empörung groß. Wir können uns bis heute nicht retten Kleider- und Sachspenden oder auch Hilfsangeboten für eine aktives Engagement.

domradio.de: Es gibt auch Befürworter der Zeltstadt. Eine Betreuung der Flüchtlinge könne zentral besser geregelt werden, so ein Argument.

Pfarrer Dringenberg: An diesem Argument ist etwas dran. Es handelt sich um schwer traumatisierte Bürgerkriegsflüchtlinge, die alles verloren haben und nur das nackte Leben retten konnten. Eine Betreuung dieser Menschen ist dringend nötig. Die Stadt hat in Kooperation mit dem Roten Kreuz einen Stab von Mitarbeitern für die Zeltstadt gewinnen können, die dieser Aufgabe gerecht werden. Wenn die Flüchtlinge dezentral untergebracht werden, ist es ungleich schwieriger, für diese Betreuung zu sorgen. Aber eine zentrale Unterbringung muss ja keine Zeltstadt sein, es kann ja auch ein leerstehendes Schulgebäude, eine alte Jugendherberge, ein leerstehendes Krankenhaus oder Behindertenheim sein. Dort könnte man ähnliche Dienste anbieten.

domradio.de: Die Kirchen wollen helfen. Wie sieht die Hilfe aus?

Pfarrer Dringenberg: Wir kümmern uns darum, dass die Menschen im Stadtteil diese Hilfsbereitschaft uns gegenüber aufbringen können. Wir haben Flüchtlingsberater hauptamtlich eingestellt in der Evangelischen Kirche in Duisburg und Dinslaken, die sich während ihrer Arbeit auch um die Walsumer Situation kümmern. Das ist eine ganze Menge!

Das Interview führte Susanna Gutknecht.


Quelle:
DR

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