Eine theologische Betrachtung des Advents

Dramatik statt Glühwein

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt? An diesem Sonntag beginnt die Adventszeit, die Vorbereitungszeit auf Weihnachten. Der Advent ist aber eigentlich eine zutiefst dramatische Zeit – und keine gemütliche Plätzchenzeit. Eine theologische Betrachtung.

Darstellung des jüngsten Gerichts in der sixtinischen Kapelle / © Cristian Gennari/Romano Siciliani (KNA)
Darstellung des jüngsten Gerichts in der sixtinischen Kapelle / © Cristian Gennari/Romano Siciliani ( KNA )

Dass das Wort "Advent" vom lateinischen "Adventus" kommt, ist hinlänglich bekannt. Woher das Wort "Adventus" ursprünglich kommt, aber weniger. Im negativen Sinne könnte man sagen, dass das Christentum das Wort an sich gerissen hat, im positiven Sinne, dass es das Wort umgedeutet hat, um den Menschen in der Antike näherzubringen, was der Advent eigentlich ist.

Ursprung im römischen Reich

Das Wort "Adventus" stand im römischen Reich für den Tag, an dem der Kaiser den Thron bestiegen hat – und für alle Zeremonien, die damit verbunden waren.

Dass Christen an Traditionen und Begriffe anknüpfen, die sie woanders vorfinden, ist in der Kirchengeschichte keine Seltenheit. In diesem Fall wurde der Begriff "Adventus" von den Christen umgedeutet, um zu zeigen: Der, auf den wir im Advent warten, das ist auch ein Kaiser oder König – so wie ihr das vom römischen Kaiser im Prinzip schon kennt. Unser König ist nur ein bisschen anders.

Die doppelte Ankunft Christi ...

An Weihnachten feiern wir, dass Gott Mensch wird oder anders gesagt: Gottes erste Ankunft auf Erden. Dahinter steckt die Idee, dass Christus gleich zweimal zu den Menschen kommt – einmal im Weihnachtsereignis und einmal am Ende der Zeiten.

Das Kind in der Krippe ist also zugleich der Weltenrichter, vor dem alle Menschen sich eines Tages verantworten müssen. Der Advent ist also nicht in erster Linie die Zeit der Behaglichkeit, sondern eine eschatologische Zeit. Nicht umsonst war der Advent lange eine vorweihnachtliche Bußzeit.

... und der doppelte Charakter des Advents

Das spiegelt sich auch in den liturgischen Texten des Advents wider. Die Evangeliumstexte der Adventssonntage verbreiten Endzeitstimmung; da geht es um den Menschensohn, der wiederkommen wird, um Umkehr und Buße.

Gerade die Texte des ersten Adventssonntags zeigen deutlich den doppelten Charakter des Advents als Erwartung der Geburt Christi einerseits und des Gerichts am Ende der Zeit andererseits: Im Tagesgebet heißt es da zum Beispiel: "Hilf uns, dass wir auf dem Weg der Gerechtigkeit Christus entgegengehen und uns durch Taten der Liebe auf seine Ankunft vorbereiten, damit wir den Platz zu seiner Rechten erhalten, wenn er wiederkommt in Herrlichkeit."

Der Advent ist also in erster Linie eine Zeit der Rückbesinnung auf das eigene Leben. Das heißt nicht, dass Glühwein und Plätzchen keinen Platz darin haben – aber wenn es darum geht, sich auf Weihnachten vorzubereiten, dann sollte die Dramatik, die hinter dem Advent steht, nicht in Vergessenheit geraten.

Autor/in:
Hannah Krewer
Quelle:
DR
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