Dorf im Saarland sucht nach seiner Madonna

Cold Case um eine Heilige

Es klingt wie ein Kunst-Krimi aus der Provinz. Fast 50 Jahre nach dem Diebstahl einer Heiligenfigur aus einer kleinen Kapelle ist Bewegung in den Fall gekommen. Ein Lokalpolitiker fand eine heiße Spur und gibt nicht auf.

Symbolbild: Eine Madonnenfigur / © Jörg Loeffke (KNA)
Symbolbild: Eine Madonnenfigur / © Jörg Loeffke ( KNA )

Ein kleines Dorf im Saarland bittet die Öffentlichkeit um Hinweise auf eine gestohlene Madonna. Es geht um einen alten Fall, in den zuletzt wieder Bewegung gekommen ist. Die aus Holz geschnitzte, 94 Zentimeter große Marienfigur mit Jesuskind aus dem 15. Jahrhundert wurde 1977 aus der ungesicherten Kapelle des Dorfes Gehweiler gestohlen. 

Die Diebe wurden nie gefasst, die Madonna blieb verschwunden – bis 2024 der frisch gewählte Ortsvorsteher des Wadrilltals, Alexander Marmitt, den Cold Case neu aufrollte. 

"Beim Durchblättern ist mir bewusst geworden, welche Bedeutung diese Figuren einst für unseren Ort hatten. Das waren nicht nur Kunstwerke, sondern Bestandteil des religiösen und kulturellen Lebens", sagte Marmitt laut einer Mitteilung des Bistums Trier.

"Nadel im Heuhaufen"

"Ich habe begonnen, intensiv zu recherchieren, habe alte Bücher gewälzt, Archive durchforstet und unzählige Abende auf den Webseiten von Auktionshäusern, Kunsthändlern und Sammlerplattformen verbracht." Es sei ihm vorgekommen, "als würde man die Nadel im Heuhaufen suchen. Irgendwann hat man das Gefühl, dass die alle gleich aussehen."

Symbolbild Auktion / © Andrey_Popov (shutterstock)

Doch Mitte Januar 2025 entdeckte der Lokalpolitiker auf der Website eines deutschen Auktionshauses die gesuchte Figur und erstattete Anzeige bei der Polizei. Das Angebot des Auktionshauses war von 2009 – damals wurde die Sitzmadonna für fast 20.000 Euro verkauft.

Bistums-Konservator Matthias Paulke ist sich laut der Mitteilung des Bistums sicher: "Die Figur war professionell restauriert worden, aber man erkannte sie einwandfrei. Wir haben Proportionen und Faltenwurf verglichen, außerdem Merkmale wie einen starken Holzwurmbefall am Knie der Figur." 

Paulke vermutet einen Auftragsdiebstahl. "Normalerweise haben Auktionshäuser Zugang zu Onlineverzeichnissen gestohlener Kunstwerke. Dieser Fall liegt jedoch so weit zurück, dass er in den Verzeichnissen sicherlich nicht gelistet wurde."

Die Hoffnung nicht aufgeben

Wie aus der Mitteilung hervorgeht, stellte die Staatsanwaltschaft Saarbrücken die Ermittlungen wegen Verjährung ein. Paulke und der Ortsvorsteher wollen aber dennoch Öffentlichkeit für die verschwundene Madonna von Gehweiler schaffen. 

Marmitt wolle die Hoffnung noch nicht aufgeben: "Mein größter Wunsch wäre natürlich, dass unsere Sitzmadonna wieder nach Gehweiler zurückkehrt, wo sie hingehört. Ansonsten finden sich vielleicht die Käufer und lassen es zu, dass wir die Figur wenigstens sehen und fotografieren können, um eine Rekonstruktion anfertigen zu lassen."

Quelle:
KNA