Ditib startet im Herbst mit eigener Imamausbildung

Mehr deutschsprachige Imame

Ditib geht in die Offensive: Es soll mehr in Deutschland ausgebildete Religionsbeauftragte geben. Aber auch weniger unsachlich geführte Debatten über die Imamausbildung.

Ein Imam betet in einer Moschee / © Axel Heimken (dpa)
Ein Imam betet in einer Moschee / © Axel Heimken ( dpa )

Bei der Ditib habe sich in den vergangenen Monaten einiges getan - so eröffnete der Ditib-Vorsitzende Kazin Türkmen am Mittwoch die Pressekonferenz des deutsch-türkischen Moscheeverbands an dessen Hauptsitz in Köln. Erkennbar war das Bemühen der Verantwortlichen, die Ditib aus den Negativschlagzeilen herauszuführen.

Kritiker werfen dem Verband immer wieder vor, als verlängerter Arm der türkischen Regierung zu fungieren und durch eine nationalistische Ausrichtung die Integration von Türken in Deutschland zu behindern. Zugleich ist die Ditib die größte islamische Organisationen in Deutschland - und insofern ein wichtiger Player in der politischen Debatte.

Mehr deutschsprachige Religionsbeauftragte

Vor diesem Hintergrund lässt der jüngste Vorstoß der Ditib aufhorchen, mehr deutschsprachige Imame an die Moscheen zu holen. Möglich machen soll das ein eigener Ausbildungsgang für Religionsbeauftragte, den der Verband noch in diesem Jahr starten will. Neben Imamen sollen auf diesem Wege auch Prediger und Gemeindepädagogen fit für den Dienst in der Seelsorge gemacht werden.

Bislang sind in 857 Ditib-Gemeinden mehr als 1.000 solcher Religionsbeauftragter tätig, von denen ein Großteil allerdings direkt aus der Türkei entsandt wurde.

Dies soll sich mit dem gut zweijährigen Aufbaustudiengang nun ändern, der in den kommenden Monaten starten soll. Angesprochen sind Studenten der islamischen Theologie, die mindestens einen Abschluss auf Bachelor-Niveau haben und der in der Türkei vorherrschenden sunnitischen Konfession angehören.

Bislang seien bereits 70 Teilnehmer registriert, hieß es. Die meisten von ihnen hätten ein Internationales Studienprogramm in der Türkei absolviert, das die Ditib seit 2006 anbietet.

Diyanet wird die neuen Seelsorger bezahlen

Der Haken an der Sache: Auch die neuen Religionsbeauftragten werden sich vermutlich den Vorwurf zu großer Staatsnähe anhören müssen. Sie stehen wie ihre aus der Türkei entsandten Amtsbrüder auf der Gehaltsliste der türkischen Religionsbehörde Diyanet. Für die Ausbildung verantwortlich zeichnen sollen zudem weitgehend Ditib-Vertreter. Auf der Pressekonferenz blieb jedenfalls unklar, inwiefern Experten von außerhalb zum Zuge kommen.

Die Ditib geht in die Offensve - weil der Personalbedarf gestiegen ist, wie Türkmen und die zuständige Abteilungsleiterin Seyda Can betonen. Anderen Verbänden wird das Angebot, sich unter Federführung der Ditib an dem Modell zu beteiligen, aller Voraussicht nach wenig lukrativ erscheinen.

Über 800 Studenten der muslimischen Theologie

Für die Verfechter einer akademischen Imamausbildung an deutschen Universitäten dürfte das Konzept eher einen Schlag ins Kontor bedeuten. Während die Ditib anscheinend aus dem Vollen schöpfen kann, dümpelt das Angebot an den staatlichen Hochschulen vor sich hin, wie der Direktor des Zentrums für Islamische Theologie (ZIT) an der Universität Münster, Mouhanad Khorchide, im März beklagte. Viele Professorenstellen blieben lange unbesetzt, maximal fünf der seinerzeit rund 840 muslimischen Theologiestudenten in Münster strebten eine Imam-Tätigkeit an.

Ausbildung startet in der Eifel

Für ihre Veranstaltungen zieht es die Ditib in eine schon vor längere Zeit erworbene Immobilie in der Eifelgemeinde Dahlem. Die Einrichtung bietet den Angaben zufolge 50 Übernachtungsplätze und verfügt über mehrere Konferenzräume. Landschaftlich sei es dort außerordentlich schön, schwärmen die Verantwortlichen. Und zur Ruhe und Einkehr kommen könne man dort ebenfalls.

Besucher gehen am Tag der offenen Moscheen durch den Gebetssaal der Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld / © Rainer Jensen (dpa)
Besucher gehen am Tag der offenen Moscheen durch den Gebetssaal der Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld / © Rainer Jensen ( dpa )
Quelle:
KNA , epd