Frankreich gedenkt des getöteten Samuel Paty

"Diener der Republik"

Frankreich hat am Wochenende an den vor einem Jahr von einem Islamisten getöteten Lehrer Samuel Paty erinnert. Der Geschichts- und Geografielehrer war am 16. Oktober 2020 in seinem Heimatort auf offener Straße ermordet worden.

Frankreich gedenkt des von Islamisten ermordeten Lehrers Paty / © Christophe Ena/AP (dpa)
Frankreich gedenkt des von Islamisten ermordeten Lehrers Paty / © Christophe Ena/AP ( dpa )

Premierminister Jean Castex würdigte Paty bei einer Gedenkveranstaltung im Bildungsministerium am Samstag in Paris als einen "Diener der Republik". Er sei ein "Opfer des islamistischen Terrorismus und der menschlichen Feigheit" geworden, zitierten französische Medien den Premierminister.

Gedenktafel im Ministerium 

Bei der Feier enthüllten Castex und Bildungsminister Jean-Michel Blanquer eine Gedenktafel im Eingangsbereich des Ministeriums, auf der es heißt: "Zu Ehren von Samuel Paty (...) ermordet von einem islamistischen Terroristen, weil er die Werte der Republik, darunter die Meinungsfreiheit, gelehrt und verteidigt hat." Später sollte ein Platz gegenüber der Pariser Universität Sorbonne offiziell nach dem Lehrer benannt werden. Außerdem wollte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron Familienmitglieder Patys im Elysee-Palast empfangen.

Auch an Patys Schule im Pariser Vorort Conflans-Sainte-Honorine gedachten am Samstag laut Medienberichten rund 300 Menschen der Bluttat vor einem Jahr, darunter viele ehemalige Kollegen und Schüler. Redner erinnerten an einen engagierten Pädagogen, der oft zu philosophischen Debatten über die Freiheit angeregt habe und dabei immer ruhig und wohlwollend geblieben sei.

Tat war offenbar islamistisch motiviert

Mehrere Hundert Einwohner der Gemeinde Eragny-sur-Oise, wo Paty gelebt hatte und getötet worden war, versammelten sich zu einer weiteren Gedenkfeier. Junge Menschen verlasen Texte über Sinn und Wert der Meinungsfreiheit, so das Zitat des Romanciers Victor Hugo: "Die Freiheit beginnt da, wo die Ignoranz endet."

Der Geschichts- und Geografielehrer Paty war am 16. Oktober 2020 in seinem Heimatort auf offener Straße enthauptet worden. Ein 18-Jähriger tschetschenischer Herkunft wurde beim Versuch der Festnahme von der Polizei erschossen. Die Tat war offenbar islamistisch motiviert; Paty hatte zuvor im Unterricht umstrittene Karikaturen des Propheten Mohammed gezeigt, anhand derer er das Thema Meinungsfreiheit mit den Schülern behandeln wollte. Der Vater einer Schülerin soll sich daraufhin im Internet öffentlich über den Lehrer beschwert und damit den späteren Attentäter motiviert haben.

Imame verurteilten die Tat aufs Schärfste

Die Tat hatte international Entsetzen ausgelöst und eine erneute Debatte über die Meinungsfreiheit im und gegenüber dem Islam angestoßen. In Frankreich traten zahlreiche Imame an die Öffentlichkeit und verurteilten die Tat aufs Schärfste.

Bereits am Freitag hatten Schulen in Frankreich mit Andachten und Schweigeminuten Patys gedacht. "Die Erinnerung an Samuel Paty wird auf keinen Fall vergessen werden", erklärte Bildungsminister Blanquer. Der Name des getöteten Lehrers werde durch Bauwerke und Denkmäler, "aber auch in unserem Gedächtnis festgeschrieben".

"Man kann einen Menschen nicht im Namen des Islam töten", betonte der Vorsteher der Großen Moschee von Paris, Chems-Eddine Hafiz, bei einer Kranzniederlegung an Patys Schule. Allerdings werde weder von Extremisten noch von vielen Politikern eine Trennung zwischen Islamismus und Islam gemacht.

Von Christoph Schmidt und Johannes Senk

Quelle:
KNA