Morgenimpuls mit Schwester Katharina

Die Verkündigung des Evangeliums braucht Frauen!

Was hat die heilige Teresa von Ávila mit der heutigen Maria 2.0-Bewegung zu tun? Und wie kam es zu ihrer Erleuchtung vor fast 500 Jahren? Schwester Katharina klärt uns auf.

Heilige Teresa von Avila / © Alexander Brüggemann (KNA)
Heilige Teresa von Avila / © Alexander Brüggemann ( KNA )

Teresa hat einfach das gemacht, was für junge Frauen ihres Standes vor 500 Jahren ziemlich normal war. Sie ist ins Kloster gegangen in ihrer Heimatstadt Ávila. Aber ehrlich gesagt, eigentlich hat sie nur ihren Aufenthaltsort geändert. Sie hat das gleiche gut behütete Leben ihres Standes im Kloster weitergeführt, hat die üblichen Gebetszeiten und auch die Arbeitszeiten eingehalten, hat aber auch viel Besuch bekommen und viel Zeit in angeregtem Austausch im Sprechzimmer verbracht. Erst nach vielen Jahren dieses nicht sonderlich geistlichen Lebens, gehen ihr plötzlich mit aller Macht die Augen auf. Sie sieht eine Statue mit dem Antlitz des leidenden Jesus zum ersten Mal richtig bewusst und spürt plötzlich, welches oberflächliche Leben sie bisher geführt hat.

Schlagartig krempelt sie ihr Leben um. Sie beschließt, in der Freundschaft mit diesem Jesus zu leben. 22 neue Klöster hat sie später gegründet und das geistliche Leben in vielen anderen Klöstern und in der gesamten Kirche ringsum neu belebt und reformiert. Weg von statischen Gebetsweisen, hin zum lebendigen Leben mit Gott und dem Gebet aus dem tiefsten eigenen Herzen. Ihr war sehr klar, dass zum geistlichen Leben viel Verstand und Vernunft und zur Heiligkeit, also zum Heil sein in Gott unendlich viel Humor gehört. Aber was mich am meisten sprachlos macht, ist ihr ziemlich wütender Vorwurf, der da lautet: „Ich werfe unserer Zeit vor, dass sie starke und zu allem Guten begabte Menschen zurückstößt, nur weil es sich um Frauen handelt.“ Dieser Ausspruch von ihr ist fast 500 Jahre alt und könnte aus dem Heute stammen. Das haut einen echt um.

Sie hat trotz oder vielleicht wegen dieser Ignoranz der Kirche gegenüber den Frauen das Allerbeste aus ihrer zweiten Berufung gemacht. Und all ihre Kraft, ihre Weitsicht und Klugheit, ihre Frömmigkeit und ihre Liebe zu Gott dazu genutzt, viele tausend Menschen näher zu Gott und zu einem Leben nach dem Evangelium zu motivieren und Klöster zu gründen, die das über Jahrhunderte immer weiter gelebt und das Christentum weit über das alte Europa hinaus verbreitet haben. Mir scheint diese große Frau eine wirkliche Protagonistin unserer heutigen Zeit für uns Frauen in der Kirche zu sein. Leben und nutzen wir heute unseren Glauben und unsere Möglichkeiten, um Frauen und Mädchen für die Freundschaft mit Gott zu gewinnen, die über die festgefahrenen Strukturen der heutigen Kirche hinausgehen und die wahre Kraft des Evangeliums zu den Menschen bringen.

Quelle:
DR
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