Die Trappisten von Rochefort wehren sich gegen eine Bergbaufirma

Kein Wasser - kein Bier!

Die Nachricht aus den Ardennen wird Liebhabern belgischer Klosterbiere nicht schmecken: Die Trappistenabtei Notre-Dame de Saint-Remy in Rochefort in der Provinz Namur sorgt sich um ihre Wasserversorgung.

Autor/in:
Alexander Brüggemann
 (DR)

Ein Bergbauunternehmen plant, den nahe dem Kloster gelegenen Steinbruch "La Boverie" weiter abzugraben. Das wiederum bedroht die Quelle, aus der die Abtei seit 1892 das Wasser für ihre hauseigene Brauerei bezieht. Kein Wasser mehr - kein Bier mehr! So lautet das Szenario, sollten sich die Mönche und ihre Kunden mit ihrer Online-Petition nicht durchsetzen können.

Mit ihren Ausbauplänen verstößt die Firma "Lhoist" nach Angaben des Klosters gegen eine Vereinbarung aus dem Jahr 1984, nach der die Gesellschaft nicht unterhalb des derzeit erreichten Höhenmeters 220 abbauen dürfe; das Quellwasser entspringt auf 211,45 Meter. Auf ihrer Homepage haben die Trappisten direkt zur Kampagne "Rettet die Tridaine-Quelle" verlinkt - mit bislang allerdings noch bescheidenen rund 1.300 Facebook-Likes. Ein Kampf beiderseitiger Pressemitteilungen hat begonnen.

Seit 1892 wird gebraut

In der wallonischen Abtei wird seit rund 125 Jahren das bekannte Trappistenbier Rochefort gebraut. Das Kloster ist ein beliebtes Ausflugsziel. Mit der Quelle und dem Ökosystem Tridaine sieht Abteisprecher Christophe de Doncker nun nicht nur eines von nur neun authentischen Trappistenbieren weltweit und damit auch rund 30 Arbeitsplätze bedroht, sondern auch die Wasserversorgung des ganzen Ortes: Seit 1892 stellten die Mönche von Rochefort jährlich 400.000 Kubikmeter, also vier Fünftel des Gesamtvolumens, der Kommune zur Verfügung. Reines Wasser aus einer weiter gelegenen Quelle für die Brauerei herzutransportieren, wäre mit erheblichen Mehrkosten verbunden - und mit einem Verlust an Produktauthentizität.

Immerhin: Das Kloster ist Rückschläge gewohnt. Seine Ursprünge gehen bis ins 13. Jahrhundert zurück. Um 1230 als Zisterzienserinnenkloster gegründet, zog im 15. Jahrhundert ein Mönchsorden in die Gebäude ein. Kurz nach Entdeckung der Quelle 1797 wurde die Abtei während der Französischen Revolution geplündert und später aufgehoben, die Klosterkirche abgerissen. Erst knapp ein Jahrhundert später, 1887, übernahmen Trappisten aus den Niederlanden die Abtei. Aus dieser Zeit der Neugründung stammt auch die neugotische Kirche. Kurz nach Neujahr 2011 schließlich löste ein Kurzschluss einen Großbrand aus, bei dem mehr als 1.000 Quadratmeter Dachfläche zerstört wurden. Die wichtigsten Gebäudeteile blieben zum Glück unbeschädigt, unter anderem die historische Bibliothek - und auch die Brauerei.

Jährlich rund 35.000 Hektoliter Starkbier

Weltweit gibt es nur neun sogenannte authentische Trappistenbiere: sechs davon aus Belgien (Westvleteren, Westmalle, Achel, Chimay, Rochefort und Orval), eines aus den Niederlanden (Koningshoeven), eines aus Österreich (Engelszell) und eines aus Frankreich (Abtei Mont-des-Cats in Godewaersvelde). Für das entsprechende Siegel müssen die obergärigen Biere innerhalb der Abtei und unter Verantwortung des Ordens gebraut werden.

Der Alkoholgehalt von Trappistenbieren liegt zwischen 6 und 12 Prozent. Sie werden zwar nicht nach dem deutschen Reinheitsgebot, aber doch ausschließlich aus natürlichen Rohmaterialien hergestellt: Quellwasser, Gerstenmalz, Hopfen, Zucker und Hefe. In der Flasche findet eine zweite Gärung statt.

Die Trappisten von Rochefort produzieren nach eigenen Angaben jährlich rund 35.000 Hektoliter Starkbier, deren Frucht- und Karamel-Aromen von Liebhabern gerühmt werden. Seinen vollen Geschmack entfaltet es, so will es das belgische Bier-Marketing, nur im Originalglas und bei einer Trinktemperatur zwischen 12 und 14 Grad. Die Palette reicht von "Rochefort 6" mit 7,5 Volumenprozent und einem leicht bitteren, ausgeprägten Malzgeschmack über das "Rochefort 8" mit 9,2 Volumenprozent bis hin zum "Rochefort 10". Das stärkste Bier mit seinen eindrücklichen 11,3 Prozent wird auch als "Merveille" (Wunderwerk) bezeichnet. Dieses "Wunderwerk" könnte nun vom Abbruch bedroht sein, glaubt man den Mönchen. Das wallonische Ministerium für Verbraucherschutz hat sich noch nicht zu Wort gemeldet.


Quelle:
KNA