Die Pläne der Flüchtlingshelfer nach dem Ende der Drehscheibe

Es wird weitergemacht

Die Drehscheibe am Köln-Bonner Flughafen ist Geschichte. Die Helfer haben aber Ideen, wie sie weiterhelfen können. Koordinatorin Tanja Schmieder erzählt im domradio.de-Interview, dass in Köln ein zentrales Lager für die Kleiderkammern entstehen soll.

Schuh-Spenden für Flüchtlinge / © Stefan Sauer (dpa)
Schuh-Spenden für Flüchtlinge / © Stefan Sauer ( dpa )

domradio.de: Die Drehscheibe in Köln war monatelang aktiv. Irgendwann haben sich richtige Teams gebildet und eingespielt. Bleiben diese Kontakte jetzt?

Tanja Schmieder (Flüchtlingshelferin an der Kölner Drehscheibe, City of Hope Cologne): Die Kontakte bleiben und jeder von uns bleibt auch in der Flüchtlingshilfe ehrenamtlich tätig. Viele haben sich schon anders organisiert, sind in die Unterkünfte und helfen vor Ort. Wir haben ja auch unser Lager am Flughafen noch, dass nebenher bewirtschaftet wird - noch mindestens vier Wochen. So hat jeder sein Feld schon gefunden und zusätzlich haben wir uns Gedanken gemacht, wie wir in Zukunft in den Teams weitermachen. Aus den Augen werden wir uns nicht verlieren.

domradio.de: Die Kleiderkammer am Flughafen gibt es noch in den nächsten vier Wochen, haben Sie gesagt. Wie geht es danach weiter?

Schmieder: Wir haben Pläne, die alle noch in der Mache sind. Wir haben noch Wintersachen, die wir jetzt langsam einlagern müssen. Dinge, die wir noch fürs Frühjahr oder für den Sommer brauchen können, werden aussortiert.

domradio.de: Sie waren in Bonn und haben geschaut, wie die Leute von der Kleiderkammer am Flughafen weiterarbeiten könnten. Was haben Sie sich da genau in Bonn angeschaut?

Schmieder: Es gibt in Bonn ein Kozept. Da ist das Zentrallager für die Flüchtlingsunterkünfte. Das ist eine Kooperation von der Stadt Bonn, dem Erzbistum Köln und DHL, die die Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt hat. Jede Unterkunft kann sich da melden und mitteilen, dass sie Jacken, Unterwäsche oder ähnliches braucht. Im Prinzip machen wir das jetzt auch schon bei uns am Flughafen. Wir haben Anfragen von Unterkünften, von privaten Personen, von Paten, die dringenden Bedarf an Kleidung haben. Das Bonner Konzept würden wir sehr gerne in Köln umsetzen: Ein Zentrallager für Kleiderkammern für Bedürftige.

domradio.de: Ein weiteres Projekt, dass Sie initiiert hatten, waren die Hauptbahnhof-Engel: Menschen, die sich am Hauptbahnhof um Flüchtlinge gekümmert haben. Das hat sich gewandelt: Aus der Hilfe für Flüchtlinge ist Hilfe für Obdachlose geworden?

Schmieder: Genau. Wir haben immer nicht nur die Geflüchteten am Hauptbahnhof versorgt. Wir hatten immer Essensspenden und heißen Tee dabei und haben die Obdachlosen mitbetreut. Diese Spendenbereitschaft ist immer noch genauso da. Wir haben Menschen, die Suppe gekocht, Trinkpäckchen für die Kinder und heißen Tee gebracht haben. Die Helfer haben gesagt: 'Nein, wir wollen nicht ganz aufhören. Die Obdachlosen brauchen weiterhin unsere Hilfe.' Wir machen das nicht mehr in der Häufigkeit wie vorher weiter, aber so in etwa zwei Mal in der Woche. 

domradio.de: Sie sind bei so vielen Projekten mit dabei - ehrenamtlich. Woher nehmen Sie die Energie?

Schmieder: Ich überlege manchmal auch. Irgendwie gibt mir das schon sehr viel Kraft, was ich da mache. Aus jedem Kleinen, wo ich denke, dass es da Bedarf gibt, entwickelt sich irgendwann etwas Großes.  

Das Interview führte Silvia Ochlast.

Quelle:
DR