Wolfgang Niedecken gratuliert zu 50 Jahren Bläck Fööss

"Die Fööss hatten immer Geschmack"

Seit 50 Jahren stehen die Bläck Fööss nun schon auf den Bühnen, weit über Köln hinaus. Von Anfang an großer Fan ist BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken, der besonders bewundert, dass sich die Fööss nie angebiedert haben.

Wolfgang Niedecken / © Uwe Anspach (dpa)
Wolfgang Niedecken / © Uwe Anspach ( dpa )

DOMRADIO.DE: Wann haben Sie die Bläck Fööss das erste Mal gesehen?

Wolfgang Niedecken (BAP): Mittlerweile heißt der Friedenspark, früher hieß der Hindenburg Park in der Südstadt, da war irgendein Fest am Bauspielplatz. Da habe ich zum ersten Mal die Bläck Fööss erlebt, auch wie sie ihre Sachen aufgebaut haben, während der Tommy (Engel, damaliger Leadsänger der Bläck Fööss, Anm. d Red.) schon anfing zu moderieren und sie dann mit einer oder zwei Gitarren gespielt haben. Beim nächsten Lied war dann schon ein bisschen mehr. Mit einer unglaublichen Professionalität haben sie keinen merken lassen, dass es eigentlich schwer ist, irgendwo hinzukommen und die Anlage aufzubauen vor den Leuten. Das wirkte alles so federleicht. Tommy hat das natürlich auch sensationell gemacht. Er war ja mehr oder weniger die Blaupause für alle kölschen Sänger, was Moderationen betrifft. Ein Genie, absolut. Und auch die kölsche Seele. Aber nicht nur der Tommy, ich kenne auch den Erry (Stocklosa) seit ewigen Zeiten. Ich kenne Bömmel (Lückerath) seit ewigen Zeiten. Das sind ganz, ganz angenehme Kerle, wo ich mich immer riesig freue, wenn ich sie treffe.

DOMRADIO.DE: Sie schreiben im Buch zu 50 Jahren Bläck Fööss, man könne den Kölner unheimlich schnell manipulieren, wenn man nur die Liebe zur Stadt triggert. Das kann man den Fööss nicht vorwerfen, die haben sich nie angebiedert. Warum schätzen Sie das so sehr?

Niedecken: Ein großer Vergleich: bei Bob Dylan schätze ich auch sehr dafür, dass er nie versucht hat, irgendjemanden in den Arsch zu kriechen. Der hat sein Ding gemacht. Wenn man das nicht will, dann hört man eben was anders. Die Bläck Fööss haben am Anfang, als sie zum Sitzungskarneval eingeladen wurden, sich nicht verkleidet, sind am Anfang tatsächlich auf nackten Füßen auf "bläcke Fööss" eingelaufen. Dieser "Spießerkarneval", den es ja damals noch gab, der musste lernen, dass auf einmal ein anderer Wind wehte. Die Bläck Fööss waren einen Schritt voraus und haben sich nie angebiedert. Auch nie diese ganzen billigen Trigger-Lieder, also schön viel Dom, schön viel Karneval, lecker Mädche, diesen ganzen Quatsch. Die Bläck Fööss hatten immer Geschmack. Das muss man einfach sagen. Da kann man sich jedes Album nehmen. Es ist nie irgendwo etwas drauf vor, wo sich angebiedert wird.

DOMRADIO.DE: Sie haben gemeinsam mehrfach auf der Bühne gestanden, 1989 zum Beispiel im Millowitsch-Theater oder auch beim 40jährigen hier auf dem Roncalliplatz. Was macht die Fööss für Sie musikalisch aus?

Niedecken: Fantastische Musiker, fantastischer Chorgesang! Wir mit BAP haben uns das am Anfang gar nicht getraut, Lieder zu spielen, wo man großartig singen muss. Wir haben mit Ach und Krach eine zweite Stimme drüber gelegt. Aber die Bläck Fööss haben ja vielstimmig gesungen. Die Stowaways, aus denen die Bläck Fööss entstanden sind, waren eine Band, die sehr viel Beatles gecovert hatten. Diese Schule hat man den Bläck Fööss immer angemerkt, dieser vielstimmige Gesang. Wir hätten uns niemals getraut, mal eine etwas kompliziertere Beatles-Nummer zu spielen. Wenn wir Beatles auch schon in meiner Schülerband gespielt haben, dann war das "Shout". Das konnte ich. Aber schön singen wie die Bläck Fööss war auch nie wirklich mein Ziel. Ich habe immer in der Band gesungen, weil kein anderer es machen wollte. Und bei den Bläck Fööss sind wirklich großartige Sänger dabei.

DOMRADIO.DE: Haben Sie einen Wunsch zum fünfzigsten Geburtstag?

Niedecken: Ach die Fööss sollen so schön in Ruhe weiterarbeiten dürfen, wie sie das ja über all die Jahre gemacht haben und vor allen Dingen dieses wunderbare Repertoire weitergeben. Ich finde doch diese Lösung, dass sie mit immer wieder neuen Musikern dieses Repertoire pflegen und auftreten, ganz gut. Selbst wenn irgendwann keine original Bläck Fööss mehr dabei sind. Ich meine, Wolfgang Overath spielt auch nicht mehr für den FC, und den FC gibt's immer noch. Dieses Repertoire muss einfach gepflegt werden.

Das Gespräch führte Martin Mölder.

 

Quelle:
DR