Die CDU beginnt ihren Parteitag mit einem ökumenischen Gottesdienst

Christlich in die Steuerdebatte

Mit einem ökumenischen Gottesdienst hat am Montagmorgen im Stuttgarter Dom Sankt Eberhard der CDU-Parteitag begonnen. Dabei erinnerte der Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, die Politiker daran, dass die Gesellschaft von Voraussetzungen lebe, die sie selbst nicht schaffen könne. Im Mittelpunkt der anschließenden Diskussion der rund 1000 Delegierten stand die Debatte über Steuersenkungen.

 (DR)

Vor Gottes Angesicht müssten die Menschen Rechenschaft darüber ablegen, auf welcher Grundlage sie Entscheidungen träfen, so Fürst. Das jeweilige Bild vom Menschen beinhalte Werte und entscheide so über das Handeln. Das christliche Menschenbild liefere «hilfreiche Koordinaten», dürfe aber nicht als Grundlage für einen «fundamentalistischen Durchmarsch» missverstanden werden.

Der württembergische evangelische Landesbischof Frank O. July sagte, das biblische Bild vom guten Hirten habe über Jahrhunderte seine elementare Kraft behalten, und dies sei auch heute noch so. Die Welt sei voller Hirten, und viele meinten es nicht gut. Gott dagegen kalkuliere nicht, der echte gute Hirte gebe sein Leben hin. An dem Gottesdienst im voll besetzten Dom nahmen neben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auch mehrere Bundesminister und Ministerpräsidenten sowie viele Parteitagsdelegierte der Christdemokraten teil.

Steuerdebatte prägt CDU-Parteitag
Der Streit um Steuersenkungen prägte auch den anschließenden Parteitag. Während Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel am Montag schnelle Senkungsschritte ablehnte, forderten mehrere Redner baldige Entlastungen der Bürger. Der CDU-Finanzexperte Friedrich Merz schlug eine Beseitigung der sogenannten kalten Progression schon Anfang 2009 vor. Knapp zehn Monate vor der Bundestagwahl warnte Merkel zugleich vor einem rot-roten Bündnis und warb für eine Koalition mit der FDP nach 2009.

Merkel verteidigte in ihrer Rede das deutsche Konjunkturpaket. In den nächsten zwei Jahren würden zur Belebung der Konjunktur Investitionen und Maßnahmen in Höhe von 32 Milliarden Euro umgesetzt. Das entspreche 1,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Merkel stellte zugleich klar, dass sich die Bundesregierung «alle Optionen» offen halte, um die Folgen der Wirtschaftskrise weiter wirkungsvoll zu bekämpfen. Dazu gehöre aber keine Steuerstrukturreform. Die CDU-Chefin wandte sich gegen einen Überbietungswettbewerb und einen «sinnlosen Wettbewerb um Milliarden». Daran werde sie sich nicht beteiligen, auch aus Verantwortung gegenüber dem Steuerzahler.

Die Kanzlerin hob auch das Ziel eines ausgeglichenen Haushalts für die kommende Legislaturperiode hervor. Spätestens Mitte des kommenden Jahrzehnts werde Deutschland vom demografischen Wandel erfasst. Es sei die Pflicht der Politik, künftigen Generationen Spielräume für ihr Leben zu ermöglichen.

Merz schlägt Kompromiss vor
CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla warb für eine Steuerreform für die nächste Legislaturperiode. Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) hob wie Merkel die Notwendigkeit der Haushaltssanierung hervor. Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) warnte vor einem «Wettbewerb der Hektik» und bescheinigte der Bundesregierung Besonnenheit.

Dagegen forderte der rheinland-pfälzische CDU-Vorsitzende Christian Baldauf rasche Steuersenkungen. Die Steuern müssten runter, und zwar «sehr bald», sagte Baldauf. Der CDU-Finanzexperte Merz lehnte das angesichts der geringen Spielräume der Haushalte zwar ab. Er brachte aber eine Abschaffung der kalten Progression schon zum 1. Januar 2009 ins Spiel. Dabei ginge es nicht um eine Steuersenkung, sondern um den Verzicht des Staates, von Lohnsteigerungen zu profitieren. Der Staat betätige sich als ein «steuerpolitischer Trittbrettfahrer», wenn seine Steuereinnahmen nur deshalb stiegen, weil mit wachsendem Gehalt auch die Steuerlast steige.

Merkel ging zugleich auf Distanz zum Koalitionspartner SPD. Sie forderte die Sozialdemokraten zum Ende der Blockade beim BKA-Gesetz auf und warnte vor einem Zusammengehen von SPD und Linke nach der Bundestagswahl 2009. SPD und Linke in Hessen hätten vorgemacht, was Deutschland 2009 blühen könne. "Erst werden die Wähler angelogen, und dann soll ein linksroter Durchmarsch kommen», sagte Merkel.

Pofalla griff SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier an. «Die SPD hat einen Kandidaten, aber keinen Spitzenkandidaten», sagte der CDU-Generalsekretär. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident und CDU-Bundesvize Jürgen Rüttgers bezeichnete die SPD als rat-, richtungs- und führungslos. Mit einem Zugehen auf die Linke habe die SPD ihren Charakter als Volkspartei verloren.