Die katholische Deutsche Bischofskonferenz sieht in der Seelsorge eine tragende Säule unserer Gesellschaft. Sie sei "innerster Auftrag der Kirche", sagte der Pressesprecher der Bischofskonferenz, Matthias Kopp, am Freitag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Bonn. "Ob in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, Schulen, Gefängnissen oder in der Begleitung von Menschen in Trauer und Lebenskrisen - Seelsorge geschieht dort, wo Menschen Unterstützung brauchen", so Kopp.
Er verwies auf besonders niederschwellige Angebote wie die Telefon- und Notfallseelsorge, die unverzichtbar seien. Wörtlich sagte er der KNA: "Seelsorger gehen zu den Menschen, hören zu, tragen sie in Krisen und bewahren viele vor dem Alleinsein". Ohne solche verlässlichen Orte von Zuwendung würde die Gesellschaft "ein wesentliches Fundament ihres menschlichen Zusammenhalts verlieren".
Für 81 Prozent der Bürger ein Anker
Laut einer jüngsten Umfrage im Auftrag der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist Seelsorge trotz stetiger Abnahme der Kirchenbindung in Deutschland weiter gefragt. 81 Prozent der Bundesbürger sähen kirchliche Seelsorge als einen verlässlichen Anker in Krisensituationen.
84 Prozent der Befragten war demnach zumindest eines der sieben abgefragten Seelsorgeformate bekannt; selbst unter den Konfessionslosen waren es 79 Prozent. Am bekanntesten seien die Telefon- und Online-Seelsorge (70 Prozent), die Notfallseelsorge (66) sowie die Krankenhausseelsorge (57 Prozent).
Vor allem in Trauerfällen gefragt
Danach gefragt, wann Seelsorge wichtig sei, sahen 83 Prozent derer, die Seelsorge einen hohen Wert beimessen, sie vor allem in Trauerfällen als bedeutsam an; 60 Prozent bei Krankheit sowie 55 Prozent bei psychischen Belastungen. Auch für Einsamkeit und familiäre Krisen werde Seelsorge von einer Mehrheit als wichtig angesehen.
Unterschiede in der Wahrnehmung zeigten sich nach Bevölkerungsgruppen: So sei Seelsorge für Frauen (83 Prozent) wichtiger als für Männer (70 Prozent). Auch das Alter spiele eine Rolle. Während 85 Prozent der 50- bis 64-Jährigen konkrete Vorstellungen von Seelsorge hätten, seien es bei den 18- bis 29-Jährigen 67 Prozent. - Für die Studie hatte das Meinungsforschungsinstitut Civey im Auftrag der EKD Mitte März 5.000 Bundesbürger ab 18 Jahren online befragt.