Ein schwieriges Jubiläum - Der Weltkirchenrat feiert seine Gründung vor 60 Jahren - (Bild geplant)
Von Jan Dirk Herbermann (epd) =
Genf (epd). Genf präsentiert sich als Mittelpunkt der christlichen
Welt: Der hier ansässige Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) mit seinen 560 Millionen Christen beging am Wochenende den 60. Jahrestag seiner Gründung 1948 in Amsterdam. So reisten Vertreter der 349 ÖRK-Mitgliedskirchen in die Calvin-Stadt. Am Sonntag feierten sie zum Höhepunkt des Jubiläums einen ökumenischen Gottesdienst in der Genfer Kathedrale. Zugleich debattierten die Kirchenvertreter aus aller Welt aber auch im ÖRK-Zentralausschuss über die Zukunft der Ökumene.
Zu den Jubiläumsgästen zählen Repräsentanten aus Deutschland wie der Auslandsbischof der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Martin Schindehütte, griechisch-orthodoxe Würdenträger wie Erzbischof Makarios von Kenia, afrikanische Kirchenfunktionäre wie der Generalsekretär der Allafrikanischen Kirchenkonferenz Mvume Dandala oder US-Amerikaner wie der Präsident der United Church of Christ, John Thomas.
Nach außen gaben die protestantischen, anglikanischen, orthodoxen und weiteren Kirchen in diesen Tagen ein Bild der Einheit ab. Der jahrelange Streit der konservativen orthodoxen Mitglieder mit liberaleren westlichen Kirchen scheint vorerst beigelegt zu sein. Und auch Projekte wie die nächste ÖRK-Vollversammlung verlangen ein konzentriertes Miteinander. "Die nächste Vollversammlung sollte so vielen Menschen wie möglich eine ökumenische Erfahrung ermöglichen", warb die deutsche Theologin Christina Biere. Sie sprach sich für eine Öffnung der Versammlung auch für Nicht-ÖRK-Mitglieder aus.
Immer mehr Anhänger für eine Öffnung
Im Weltkirchenrat findet eine Öffnung immer mehr Anhänger. Das
Argument: Wer eine echte ökumenische Versammlung wolle, müsse auch die Christen einladen, die nicht im ÖRK organisiert sind. Nur ein Viertel aller Christen weltweit gehören den ÖRK-Kirchen an, rund die Hälfte der Christen sind Mitglieder der katholischen Kirche und das andere Viertel besteht aus Evangelikalen und Pfingstlern.
Gerade die Evangelikalen und Pfingstler entwickeln sich zu einer immer größeren Herausforderung für den ÖRK. "Das rasche Wachstum evangelikaler, pfingstlich orientierter und charismatischer Gemeinschaften und der sogenannten Megakirchen geht oft auf Kosten der traditionellen Kirchen einschließlich der ÖRK-Mitgliedskirchen", sagt ÖRK-Generalsekretär Samuel Kobia. Zumal in Kobias Heimatkontinent Afrika und in anderen ärmeren Regionen ziehen Pfingstkirchen immer mehr Gläubige in ihren Bann.
"Wir nehmen Kritik sehr ernst"
Doch der Weltkirchenrat muss sich auch internen Herausforderungen stellen. So bemängelten Mitglieder des Zentralausschusses, dass die Programmarbeit des ÖRK ausufere und der Generalsekretär Kobia zu viel Zeit mit Reisen verbringe. "Wir nehmen diese Kritik sehr ernst", entgegnete der Vorsitzende des Zentralausschusses, Walter Altmann.
Mit "Schock und Enttäuschung" hatte Altmann auf eine andere unangenehme Nachricht reagiert: ÖRK-Generalsekretär Kobia hatte jahrelang den Doktortitel einer staatlich nicht anerkannten Einrichtung, der Fairfax Universität in Louisiana (USA), geführt. Kurz vor den Feiern zum 60. Jahrestag des ÖRK entfernte die Kirchenvereinigung den dubiosen Grad von der ÖRK-Webseite. Am Montag soll der ÖRK-Zentralausschuss über eine zweite Amtszeit Kobias entscheiden.
Trotz der Herausforderungen und Querelen bleibt der Rat jedoch für Kirchen attraktiv: Pünktlich zum Jubiläum stießen zwei neue Mitglieder in den Kreis der ÖRK-Familie: die Evangelische Kirche von Laos und die Unabhängige Presbyterianische Kirche von Brasilien.
Der Weltkirchenrat in Genf feiert seine Gründung vor 60 Jahren
Ein schwieriges Jubiläum
60 Jahre Ökumenischer Rat der Kirchen: Vertreter von rund 350 ÖRK-Mitgliedskirchen reisten am Wochenende nach Genf zu dem Jubiläum. Am Sonntag feierten sie zum Höhepunkt des Jubiläums einen ökumenischen Gottesdienst in der Genfer Kathedrale. Zugleich debattierten die Kirchenvertreter aus aller Welt aber auch über die Zukunft der Ökumene.
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