Kubas Kirche und die Proteste gegen das Regime

In der Vermittlerrolle?

Auf Kuba gehen zahlreiche Menschen gegen die sozialistische Regierung auf die Straße. Die katholische Kirche der Karibikinsel tut sich schwer, eine öffentliche Position zu finden.

Kuba / © Ramon Espinosa (KNA)
Kuba / © Ramon Espinosa ( KNA )

Ein paar Stunden war der katholische Priester Castor Alvarez Devesa aus der Erzdiözese Camagüey in der Hand kubanischer Sicherheitskräfte. So zumindest berichten es die regierungskritischen Portale. Alvarez Devesa hatte sich am Wochenende offenbar schützend vor  einige junge Demonstranten gestellt und sich mit ihnen solidarisiert. Dabei wurde er von der Polizei auch attackiert und am Kopf leicht verletzt.

Vorwurf der Anstiftung zur öffentlichen Unruhe

Dass sich der Priester auf die Seite der Demonstranten schlug, reichte erst einmal für den Vorwurf der Anstiftung zur öffentlichen Unruhe. Überhaupt scheint bei jungen Priestern und Seminaristen auf Kuba eine große Sympathie für die derzeit überwiegend jungen Protestierenden zu geben. Das führt zu Verhaftungen von jenen Geistlichen, die sich ebenfalls auf die Straße wagen. Andere Bilder und Clips zeigen Momente, in denen Priester mit der Nationalheiligen Kubas, der Jungfrau von Cobre, die Demonstranten segnen.

Doch die Kubanische Bischofskonferenz wie internationale kirchliche Hilfswerke haben sich zunächst zurückhaltend gezeigt. Sie fürchten offenbar um ihre Mitarbeiter vor Ort, wenn sie sich zu offensiv äußern. Diese Selbstzensur soll die eigenen Projekte vor Ort schützen. Inzwischen stellte sich die Kirche aber hinter die Proteste und rief die Regierung auf, das Recht der Kubaner auf Demonstrationen zu respektieren.

Proteste gegen Versorgungslage und Politik

Seit Tagen gehen zahlreiche Menschen auf die Straße, um gegen die sozialistische Regierung von Präsident Miguel Diaz-Canel zu demonstrieren. Die Proteste richten sich gegen die katastrophale Versorgungslage auf der Insel, die hohen Lebensmittelpreise sowie den Mangel an Medikamenten. Zudem fordern die Regierungsgegner eine demokratische Öffnung des Systems.

Die unabhängige Künstlerbewegung "San Isidro" veröffentlichte eine Liste mit Dutzenden Namen von Personen, die in den letzten Tagen verhaftet wurden oder seitdem vermisst werden. Unter den Verhafteten sollen sich auch mehrere Journalisten befinden. Menschenrechtsorganisationen berichten, dass Internetverbindungen und soziale Netzwerke gesperrt wurden, damit keine weiteren Bilder von Polizeigewalt und Protesten verbreitet werden können.

Die Kirche will vermitteln

Möglicherweise will die Kirche mit ihrer Zurückhaltung aber auch ihre eigene Rolle bewahren: Sie hat zunehmend die Aufgabe übernommen, zwischen den Fronten zu vermitteln. Staatschef Raul Castro und Havannas inzwischen verstorbener Kardinal Jaime Ortega nahmen nach Jahren des Schweigens und staatlicher Repression vor einigen Jahren wieder direkte Gespräche auf. Es war der Startschuss für eine neue Entwicklung, in deren Zuge sich die Kirche für politische Gefangene einsetzen konnte.

Zu dem diplomatischen Tauwetter trug maßgeblich Ortega bei, der an der Vermittlung zwischen dem kubanischen Präsidenten Raul Castro und seinem US-amerikanischen Amtskollegen Barack Obama beteiligt war.

Was kann die Kirche ausrichten?

An dieser neuen Rolle der Kirche hat sich erst einmal nichts geändert. Als Luis Manuel Otero Alcantara, einer der regimekritischen Künstler, in den Hungerstreik ging, bekam er im Gefängnis Besuch von der katholischen Kirche. Das Erzbistum Havanna hatte seinen Kanzler, Ramon Suarez Polcari, geschickt, um sich nach dem Zustand des Künstlers zu informieren. Anders als Aktivisten oder regierungskritischen Journalisten wurde dem Kirchenvertreter der Zugang zum Hungerstreikenden gestattet.

Zuvor hatte bereits Havannas Erzbischof Dionisio Garcia einige im Hungerstreik befindliche Dissidenten der offiziell nicht zugelassenen Oppositionspartei Patriotische Union Kubas (UNPACU) besucht.

Die Kirche ist auf diese Art und Weise zu einem Vermittler für die kubanische Regierung geworden, die mit den Dissidenten nicht direkte Gespräche führen muss, die als eine Anerkennung interpretiert werden könnten. Kubas regierende kommunistische Partei legt großen Wert darauf, selbst zu definieren, wer zur Zivilgesellschaft gehören darf und wer nicht. Nun mehren sich die Stimmen, die eine Rolle der Kirche in einem möglichen Dialog fordern.

Zuletzt hatte Mexikos Präsident Andres Manuel Lopez Obrador dazu gemahnt, die Krise in Kuba in Gesprächen und ohne Gewalt zu lösen.

Autor/in:
Tobias Käufer
Quelle:
KNA