Die "Oase" - das Freizeitareal des Feldlagers - ist am Abend gerammelt voll. Jeder, der irgendwie Zeit hat, will den "Neuen" sehen. Will ein Bild mit dem Minister. Will auch mal erleben, ob ein Politiker "wirklich zuhören kann", wie ein Soldat sagt. De Maizière nimmt sich die Zeit, an jeden Tisch zu gehen. Er will wissen, wie die Truppe "tickt".
"Wir sind in einer gewissen Art was Besonderes: Wir arbeiten an der Abschaffung unseres Arbeitsplatzes und sind dabei noch hochmotiviert", sagt ein Soldat. Die anderen am Tisch nicken. Noch sind rund 1.000 Mann im Lager im Süden Kosovos, in ein paar Monaten werden des einige Hundert weniger sein. "Gate 2" heißt diese Phase offiziell, die den Abbau der internationalen Truppen auf 5.000 Mann vorsieht.
Gestartet war der Kosovo-Einsatz 1999 mit rund 50.000 Mann. Zwölf Jahre und einige Rückschläge hat es gedauert, um eine "reale Abzugsperspektive" zu erreichen, wie es im Hauptquartier der KFOR-Truppen heißt. Hier in Pristina ist man optimistisch, dass im Sommer die Phase 2 abgeschlossen werden kann - und bis Jahresende 2012 eventuell die Phase 3. Das heißt noch einmal Halbierung der Truppenzahl.
Auslandseinsätze sollen nicht von Dauer sein
Genau deshalb ist de Maizière in das Balkanland gekommen. "Ich möchte ein öffentliches Zeichen setzen, dass Einsätze auch zu Ende gehen können", sagt der CDU-Politiker. Und hat bei seinen Fragen auch im Hinterkopf, dass vor ihm die größte Reform in der Geschichte der Bundeswehr steht. Die Truppe, das weiß er, muss "vom Einsatz her gedacht" werden. Und Afghanistan - der mittlerweile "Kriegseinsatz" genannt werden darf - ist nur eine Facette. Viel wahrscheinlicher ist das Szenario eines lang andauernden Unterstützungseinsatzes wie im Kosovo oder Bosnien, wo die letzten deutschen Soldaten gerade abziehen.
Im Kosovo wird das wohl noch einige Jahre dauern. Allein die Grenzziehung zu Serbien, dessen abtrünniger Teil das Kosovo einst war, birgt "Sprengstoff für einen neuen ethnischen Konflikt", sagen Experten. Als Lösung gilt, die rund 350 Kilometer lange Grenze nicht bilateral, sondern durch einen internationalen Vorschlag festlegen zu lassen. Für diesen Vorschlag scheint Pristina offen, wie die politischen Gespräche des Ministers in der kosovarischen Hauptstadt ergeben haben.
Der Minister nimmt sich Zeit für die Truppe
Auch in Prizren hört de Maizière zu, stellt Fragen, will die Befindlichkeit der Truppe kennenlernen. In einigen Wochen muss er Vorschläge zum größten Umbau der deutschen Streitkräfte seit der Gründung der Bundeswehr vorlegen. Kommissionsvorschläge gibt es genug. Doch treffen diese zuweilen "nicht den Geist der Truppe", was der CDU-Politiker aus seinem vorangegangenen Amt als Bundesinnenminister gut kennt. Der Vorschlag zur Fusion von Bundeskriminalamt und Bundespolizei zu einer Behörde mit gut 50.000 Mitarbeitern wurde als eine der ersten Amtshandlungen von seinem Nachfolger wieder gekippt.
Jetzt muss de Maizière noch dickere Bretter bohren. 250.000 Mann hat die Bundeswehr derzeit, maximal 185.000 sollen es in den nächsten Jahren werden. Das trifft auch die Soldaten, die derzeit im Kosovo-Einsatz stehen. Einige befürchten, "wegrationalisiert" zu werden. Vom Besuch ihres Ministers sind sie aber begeistert: "Das ist kein Mann der Schnellschüsse", lautet der Tenor im Camp nach den mehrstündigen Runden von Tisch zu Tisch. Ein Soldat bringt es auf den Punkt: "Der Guttenberg war gut, aber der de Maizière packt es ruhig an. Und ruhig ist besser."
Der neue Verteidigungsminister kommt bei der Truppe gut an
Auch ohne Kerner und Tarnklamotten
"Ich bin gekommen, um zuzuhören", sagt Verteidigungsminister Thomas de Maizière bei seinem ersten Truppenbesuch im Kosovo. Das haben vor ihm schon manch andere Minister gesagt, um dann doch wieder mit ihrer Meinung abzureisen. "Hubschrauberbesuche" werden diese Stunden-Besuche genannt: Kurz einschweben, viel Staub aufwirbeln und schnell wieder weg sein. Bei de Maizière ist es anders.
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